Stationenarbeit für das Kollegium

In diesem Blogbeitrag beschreibe ich die Umsetzung eines Pädagogischen Fortbildungstages als Stationenarbeit an einer Schule. Meine Erfahrungen damit sind sehr gut.

Was ist Stationenarbeit?

Stationenarbeit ist eine offene Lernmethode, bei der es meist räumlich eingerichtete Stationen gibt, die Lernende in ihrem eigenen Tempo besuchen können. An den Stationen finden sie Arbeitsmaterialien und Lerninhalte, mit denen sie sich eigenständig auseinander setzen können. Zudem ist Austausch mit anderen Lernenden möglich, die zeitgleich an einer Station arbeiten.

Wie funktioniert Stationenarbeit als Fortbildungstag?

Die grundsätzliche Herangehensweise ist für Lernende und (lernende) Lehrende identisch. Auch bei der Gestaltung von Stationenarbeit für das Kollegium werden mehrere Stationen eingerichtet, aus denen die einzelnen Beteiligten auswählen und an denen sie sich mit vorbereiteten Materialien auseinander setzen können. Austausch ist ebenfalls möglich.

Die Vorbereitung der Stationen sollte in enger Abstimmung mit dem Kollegium erfolgen. Bei mir gab es eine Vorbereitungsgruppe für den Fortbildungstag – und wir haben gemeinsam mögliche Themen für die Stationen identifiziert. Dies geschah im Rahmen eines Beratschlagungsprozesses: Die Kolleg*innen hatten erste Ideen und Wünsche. Ich konnte beisteuern, was ich anderswo kennengelernt/ gesehen hatte und was ich als relevant für gute Bildung erachtete.

Ein Fortbildungstag als Stationenarbeit kann als Online-Veranstaltung geplant und durchgeführt werden. Die einzelnen Stationen sind dann BreakOut Räume. In meinem Fall haben wir uns an der Schule vor Ort getroffen und die Stationen in unterschiedliche Klassenräume verteilt.

Wie werden die Stationen umgesetzt?

Wie dargestellt waren die Stationen räumliche Orte. Die Inhalte haben wir allerdings Online umgesetzt. Dazu gab es eine Online-Lernumgebung in Form einer einfachen WordPress-Website. Dort wurde zu jeder Station kurz beschrieben, um was es hier geht. Anschließend gab es eine Zusammenstellung von Materialien zum Ansehen, Lesen oder Ausprobieren. Schließlich konnte als Kommentar festgehalten werden, was man für sich und fürs Kollegium festhalten möchte.

An den räumlichen Stationen war die entsprechende Seite auf der Website jeweils als QR-Code ausgelegt, so dass die Kolleg*innen schnell zu den entsprechenden Materialien fanden.

Wir haben insgesamt 14 Stationen (für rund 40 Kolleg*innen einer Grundschule) eingerichtet:

  • Vernetzung und gemeinsames Lernen über Social Media
  • Interaktive Übungen mit H5P
  • Das Konzept von Mikrofortbildungen
  • Einsatzideen für installierte Lernapps
  • Kollaborativ Mindmaps erstellen
  • Brainstorming und mehr mit dem Tool Mindwendel
  • Kultur des Teilens praktizieren
  • Kindersuchmaschinen und weitere kindgerechte Internetangebote der Initiative Netzkinder
  • Kunterbunter Internetquatsch-Mix
  • Mein/ unser Leitbild von guter Bildung
  • Das Konzept Frei-Day von Schule im Aufbruch
  • Offene Lerninhalte finden und weiternutzen
  • Retrospektive in Lerngruppen
  • Bonus-Station

Wie man sieht war es eine gute Mischung zwischen sehr praxisorientierte Einsatzideen von Tools und Methoden und weiterführenden Perspektiven.

Die einzelnen Stationen waren nicht betreut. Ich stand übergreifend als Ansprechperson bei Fragen zur Verfügung. Der größte Aufwand bei der Umsetzung war somit die Vorbereitung (Festlegung der Themen, Kuratierung der Materialien, Einrichtung einer übersichtlichen Website)

Braucht es ein Drumherum?

Im Prinzip kann man auch direkt mit der Stationenarbeit starten. Wir haben uns zunächst noch über diese vier Thesen zu guter Bildung in einer vernetzten Gesellschaft in Kleingruppen und mit anschließendem Gruppenpuzzle (aus jeder Gruppe kamen Menschen zusammen und berichteten sich gegenseitig von ihrer These) ausgetauscht:

  • Gute Bildung braucht Offenheit, Kollaboration und Vernetzung.
  • Lernen (auch von Lehrenden) ist ein Prozess und Fehler bringen uns weiter.
  • Zeitgemäße Kompetenzen zielen auf Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken
  • Zeitgemäße Bildung bedeutet nicht Lernen mit digitalen Tools, sondern Lernen in und für eine digitalisierte Gesellschaft.

Hilfreich ist in jedem Fall ein gemeinsamer Abschluss. Diesen gestaltete ich mit der hier beschriebenen Raumaufstellungs-Blitzlicht-Methode. Anschließend teilte jede Person eine konkrete Sache, die sie gleich in der nächsten Woche angehen/ umsetzen will.

Was ist an Stationenlernen als Fortbildungstag besonders sinnvoll?

Aus meiner Sicht sprechen vor allem die folgenden Gründe für eine Durchführung eines Fortbildungstages als Stationenarbeit:

  • Personalisierung: In der Zeit der Online-Lehre ist die Schere in vielen Kollegien zwischen digital affin und digital-unsicher aus meiner Sicht noch einmal deutlich mehr auseinander gegangen. Es ist vor diesem Hintergrund noch schwieriger als früher, ein inputorientiertes Format zu finden, wovon alle profitieren können. Die Stationen ermöglichen es, dass alle in ihrem Tempo und zu ihrem Interesse lernen: Wer selbststverständlich ein Etherpad im Unterricht einsetzt, wird sich eine Station zu diesem Thema sparen und beschäftigt sich lieber z.B. mit der möglichen Konzeption eines Frei-Day. Wer aber von einem Etherpad noch nie etwas gehört hat (und das sind weiterhin sehr, sehr viele Pädagog*innen!) hat Zeit und Raum, sich darin einzuarbeiten und erste Unterrichtsideen zu entwickeln.
  • Freiwilligkeit: In Kolleg*innen treffe ich immer wieder auf einzelne Kolleg*innen, die wenig Interesse an Schul- und Unterrichtsentwicklung haben. Demgegenüber stehen sehr viele Kolleg*innen, die mit sehr großer Motivation daran arbeiten, neue Herausforderungen zu verstehen und zu bewältigen. Es kann sehr ermüdend sein, wenn sich beide Gruppen blockieren. Durch die Freiwilligkeit der Stationenarbeit passiert das nicht. Alle suchen sich die Themen aus, die sie wichtig finden – oder eben auch nicht – aber immerhin wird dann auch niemand davon gestört.
  • Peer-to-Peer Lernen: An den einzelnen Stationen lernen die Kolleg*innen nicht nur über das jeweilige Thema, sondern vor allem auch, wie sie von- und miteinander lernen können. Der Fortbildungstag legt somit eine gute Grundlage für ein auch anschließendes Peer-to-Peer Lernen im Kollegium.
  • Remix: Es gibt im Internet eine riesige Anzahl an Tutorials, Inspirationen und Erklärungen dazu, wie gutes Lernen umgesetzt werden kann. Ein Fortbildungstag als Stationenarbeit macht sich daran, all diese Schätze zu sortieren und zu kuratieren – anstatt das Rad immer wieder neu zu erfinden.
  • Weiternutzbarkeit: An den Remix schließt sich direkt die Weiternutzbarkeit für das Kollegium an. Denn die Inhalte der Website bleiben online. Wer möchte, kann also auch noch später nachlesen und weiterlernen

Wie sind die Erfahrungen damit?

Wie einleitend angemerkt sind meine Erfahrungen mit dem Format sehr gut. Vor allem ist solch ein Tag aus meiner Sicht gut geeignet für Kollegien, die dabei sind, sich zu orientieren und zu erkunden – und in denen es sehr unterschiedliches Vorwissen gibt. Wer an einem konkreten Schulentwicklungsziel gemeinsam weiterarbeiten will, ist mit dieser Methode dagegen sicherlich eher schlecht beraten. Und wenn es aus dem Kollegium selbst sehr viel Erfahrung und Ideen gibt, lässt sich anstelle einer extern vorbereiteten Stationenarbeit wahrscheinlich besser ein barcamp-ähnliches Format umsetzen.

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