Überblick über 8 Webinar-Formate - und wie man sie erfolgreich gestaltet

Veröffentlicht am 25.5.2020

Wenn im Bildungsbereich Videokonferenzen stattfinden, d.h. synchrone Online-Treffen in einem Videokonferenzraum, dann hört und liest man für sie häufig die Bezeichnung ‘Webinare’. Das suggeriert Einheitlichkeit. Tatsächlich sind ‘Webinare’ aber sehr unterschiedlich im Hinblick darauf, wie gelehrt und gelernt wird. Im folgenden stelle ich einige ‘Webinar’-Formate vor, die ich in den letzten Wochen gestaltet und/ oder an denen ich beteiligt war. Für jedes Format ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten, um es inerhalb eines Lernprozesses zu nutzen. Ich halte jeweils fest, was aus meiner Sicht bei der Gestaltung des Formats entscheidend ist.

1. Input

Beim Input stellt die lehrende Person ein Thema vor. Dazu wird häufig eine Präsentation verwendet, die über Bildschirmfreigabe mit Teilnehmenden geteilt wird. Anschließend besteht die Möglichkeit zu Nachfragen. Diese Input-Variante eignet sich gut, um sich als lernende Person schnell und komprimiert über ein Thema zu informieren bzw. als lehrende Person Erfahrungen weiterzugeben. Das Input-Format wird aktuell z.B. bei den OERcamp Webtalks genutzt. Es eignet sich gut als Teil eines umfangreicheren Online-Angebotes. Es ist auch im Anschluss gut möglich, die Aufzeichnungen als Inhalte z.B. in Online-Kursen weiter zu nutzen.

Erfolgskriterien für das Input-Format:

2. Kennenlernen/ Gruppenbildung

Beim Kennenlernen steht soziale Präsenz im Vordergrund. Teilnehmende sind die gesamte Zeit über aktiv gefordert und alle sollten nach Möglichkeit mit Kamera zugeschaltet sein. Ich nutze dieses Format gerne zum Einstieg in einen anschließenden Online-Kurs mit Selbstlern- und asynchronen Austauschphasen. Denn je besser sich die Teilnehmenden hier zunächst kennenlernen, desto erfolgreicher verläuft das anschließende gemeinsame Weiterlernen.

Erfolgskriterien für das Kennenlernen-Format:

3. Austausch

Beim Austausch können unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Etwa kann ein Lernprozess reflektiert und Schlussfolgerungen festgehalten werden oder man kann sich gemeinsam über ein Thema/ eine Fragestellung austauschen. Herausfordernd ist hieran vor allem, dass alle sich einbringen können und die Diskussion für alle gewinnbringend strukturiert wird.

Erfolgskriterien für das Austausch-Format:

4. Meeting / Socializing

Das Meeting ähnelt von der Gestaltung her ein wenig dem Austausch-Format, aber ist deutlich niederschwelliger angelegt und findet oft wiederkehrend statt. Wichtig kann es bei Remote-Aktivitäten vor allem deshalb sein, weil hier auch auf vermeintlich ‘unwichtige’ Dinge geklärt und besprochen werden können (was im Präsenzkontext einfacher ungeplant nebenher passiert) und so mögliche Konflikte in einer Lerngruppe gar nicht erst entstehen.

Erfolgskriterien für das Meeting-Format:

5. Podiums-Diskussion

Bei der Podiums-Diskussion geht es darum, ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Zum einen kann das Format öffentlich gestaltet sein. In diesem Fall gibt es Podiumsteilnehmende und Zuhörende- Letztere melden sich z.B. über den Chat zu Wort oder können sich auch in einer Art Online-Fishbowl-Format zuschalten. Zum anderen können Diskussionen (wie oben beim Input beschrieben) von der Aufzeichnung her gedacht werden. Es handelt sich dann um ‘aufgezeichnete Gesprächsrunden’. Unter anderem habe ich hier eine Gesprächsrunde zum Einstieg in die Wikipedia moderiert.

Erfolgskriterien für das Podiums-Diskussion-Format:

6. Coaching/ Support

Beim Coaching/ Support geht es um die Klärung von Fragen. Das Format kann zu zweit oder in sehr kleinen Gruppen durchgeführt werden. Das Ziel ist es, dass Lernende die Möglichkeit haben, ihre spezifischen Fragen zu stellen und Unterstützung bei der Beantwortung zu erhalten. Im Kontext digitaler Bildung geht es dabei häufig um Fragen zu Tools und Technik. In diesenm Fällen bietet es sich an, mit Bildschirmfreigaben zu arbeiten und etwas Schritt für Schritt vorzuführen. Das Coaching/ Support Format eignet sich auch gut in einem Peer-to-Peer Lernkontext, bei dem Lernende sich gegenseitig unterstützen.

Erfolgskriterien für das Coaching-Format:

7. Workshop / Hands-On

Beim Workshop wird gemeinsam etwas erarbeitet/ gestaltet. Das lässt sich auch online umsetzen. Gerade bei einer längeren Zeitspanne wird zum Teil auch von einem ‘Sprint’ gesprochen.

Erfolgskriterien für das Workshop-Format:

8. Lighntning-Talks

Lighntning-Talks sind ‘Inputs von mehreren’. Sie ähneln damit dem Input-Format und dem Podiumsdiskussion-Format. Im Unterschied zum letzteren stehen die Beiträge aber eher unverbunden nebeneinander. Für Lernende ist das Format spannend, weil man in kurzer Zeit einen Überblick über viele unterschiedliche Themen bzw. vielfältige Inspirationen erhält.

Erfolgskriterien für das Lighntning-Talk-Format:

Fazit

Die Liste dieser 8 Formate ist sicherlich nicht abschließend - vor allem da zudem auch alle möglichen Kombinationen denkbar sind. Wichtig finde ich vor allem drei Aspekte:

  1. Webinare lassen sich sehr vielfältig gestalten. Was und wie gestaltet wird, muss ausgehend von der jeweiligen Lernsituation entschieden werden.
  2. Ein (Online)-Lernprozess besteht in der Regel nicht nur aus einem Webinar. Auch inputorientierte Formate können auf diese Weise z.B. als ein Bestandteil von zahleichen weiteren Elementen zu einem kollaborativen und zeitgemäßen Lernen im Online-Kontext genutzt werden.
  3. Auch wenn die Funktion von manchen Formaten aus dem Präsenz-Kontext bekannt ist, so ist doch oft eine veränderte Vorbereitung/ Gestaltung erforderlich.
teilen twittern