Tools? Gestalte ich mir jetzt selber (dank KI!)

In diesem Blogbeitrag berichte ich von meinen ersten Coding-Spielereien mit ChatGPT. Der Beitrag richtet sich vor allem an Pädagog*innen, die ChatGPT oder andere KI-Tools bisher noch nicht aus dieser Perspektive beachtet hatten, weil sie selbst mit Coding eigentlich nichts am Hut haben. Der Beitrag ist keine abschließende Positionierung von mir, sondern „erzählendes Nachdenken bzw. Ausprobieren“ und damit Einladung zum Mitdenken. Los geht es:

Ich habe nie gelernt, richtig zu programmieren. Schon lange habe ich aber sehr viel Spaß daran, unterschiedliche Code-Schnipsel im Internet zusammenzusuchen und für meine Zwecke anzupassen. Mit der Zeit habe ich mir dadurch ein minimales Grundverständnis zum Coding erarbeitet, mit dem ich ganz gut zurecht komme. Insbesondere hat es immer geklappt, einfache Anwendungen, die ich in meiner pädagogischen Arbeit brauchte (z.B. ein Glücksrad, einen Aufgabenzuteiler, einen Zufallsgenerator, einen Adventskalender …), selbst zu erstellen.

In meinem Ideentagebuch hatte ich heute Abend die Idee zu einem Denkhüte-QR-Code. Das bedeutet: Lernende erhalten (z.B. in einem Design Thinking-Workshop) einen QR-Code. Wenn sie ihn scannen (oder den Link anklicken), bekommen sie einen der ‚Denkhüte‘ aus der gleichnamigen Kreativitätsmethode von de Bono angezeigt, also eine Perspektive, mit der sie auf das gerade diskutierte Problem schauen sollen (sehr nüchtern oder sehr begeistert oder sehr pessimistisch …) Der Clou daran ist, dass der QR-Code bei allen identisch ist, aber im Hintergrund ein Zufalls-Skript läuft. Auf diese Weise erhalten die Beteiligten (mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit) unterschiedliche Anzeigen.

Spontan habe ich mir überlegt, ob ich nicht ChatGPT nach dem Code für solch ein Zufallsskript fragen könnte. Gesagt getan. Das hier war mein Prompt:

Javascript Funktion, die direkt in eine HTML-Seite integriert werden kann, die beim Laden eine der folgenden Texte anzeigt:
weiß = Ich bin neutral und analysiere die Fakten.
schwarz = Ich nehme in den Blick, was alles schlecht ist.
gelb = Ich nehme in den Blick, was alles toll ist.
grün = Ich will Neues entwickeln und denken.
blau = Ich sorge für Ordnung und Struktur.

Ganz korrekt war das Ergebnis nicht, aber es war bereits funktionsfähig. Und mit minimalen Anpassungen war dann das Ergebnis fertig. Du kannst es über diesen Link ausprobieren.

Mich hat das nicht sehr fasziniert, denn ich hätte das auch hinbekommen, wenn ich Suchmaschinen genutzt hätte. Es wäre dann aber aufwändiger gewesen. Insbesondere hätte ich meine gewünschten Zufallstexte in einen gefundenen Code übertragen müssen. Dass das Ganze nun plötzlich so einfach ging, hat bei mir natürlich Lust auf weiteres Ausprobieren gemacht. Ich habe jede Menge Prompts in ähnlicher Form eingegeben:

  • Code für HTML-Website, bei der in der Mitte bei jedem Laden der Seite ein anderer kluger Satz zu Bildung steht. Die Sätze sollen im Code erhalten sein. -> Hier ist das Ergebnis
  • Code für eine HTML Website in der man 4 Wörter eingeben kann. Auf Klick wird dann eines davon angezeigt. -> Hier ist das Ergebnis
  • HTML Website, die ChatGPT imitiert. Nutzer können Text eingeben. Als Antwort erhalten sie zufällige Sätze, die auf unterschiedliche Art und Weise ‚Keine Ahnung‘ ausdrücken. -> Hier ist das Ergebnis
  • HTML Website mit einem Eingabefeld. Nutzer sollen vier Zahlen eingeben. Nur bei der Zahlenkombination 3672 erscheint die Nachricht: ‚Hurra, ihr habt das Rätsel gelöst‘. In anderen Fällen erscheint. Das stimmt leider nicht. Die negative Nachricht wird nur für 10 Sekunden angezeigt und verschwindet dann. Die positive Nachricht bleibt online und ersetzt das Eingabefeld. -> Hier ist das Ergebnis
  • Code für HTML Website, auf der in ein Eingabefeld eine Zahl in Sekunden angegeben werden kann. Darunter ist ein Button mit Starten. Wenn eine Zahl eingegeben wurde und der Button betätigt wurde, laufen die eingegebenen Sekunden als Countdown herunter (dabei ist das Eingabefeld nicht mehr sichtbar). Wenn der Countdown bei 0 ankommt, stoppt der Countdown und anstelle der 0 kommt die Anzeige: Die Zeit ist um. Darunter ist ein Button, mit dem man das Eingabefeld für einen neuen Countdown wieder anzeigen lassen kann. Alle Elemente sollen groß in der Mitte der Seite angeordnet sein. -> Hier ist das Ergebnis

All diese Beispiele habe ich nicht durch weitere Prompts verfeinert, obwohl das ja ohne Probleme möglich wäre. Darum sind sie alle noch in einer völligen Rohversion und es würde so wahrscheinlich nur wenig Spaß machen, sie zu nutzen. Mir ging es erst einmal darum, zu testen, was ganz ohne weitere Mühe möglich wäre – und ich stelle fest, dass ich direkt Lust bekomme, weiter zu verfeinern, zu lernen und tatsächlich gut nutzbare Sachen für den ein oder anderen anstehenden Workshop zu gestalten.

Warum schreibe ich das auf? Das hat mehrere Gründe:

  1. Ich habe schon viel dazu gelesen, dass ChatGPT beim Coden sehr hilfreich ist. Ich hatte das bisher aber immer abgetan mit ‚Das ist etwas, was Programmierer*innen nutzen können‘ und hatte mich selbst auf Experimente mit Sprache beschränkt. Ich kann mir vorstellen, dass es anderen Coding-Newbies ähnlich geht – und dass ihnen diese Beispiele Lust machen, auch einmal ein bisschen in diese Richtung auszuprobieren.
  2. Ich finde es sehr spannend, dass eine KI, die für viele erst mal wenig greifbar erscheint und Technologie deshalb potentiell mystifiziert, auf diese Weise zugleich das Potential hat, zur Entmystifizierung von Technologie beizutragen. Denn indem ich nicht mehr mit ‚Programmiersprachen‘ programmieren muss, sondern meine eigene Sprache verwenden kann, wird Coding für viele Menschen zugänglicher. Natürlich brauche ich weiterhin ein Grundverständnis, was da überhaupt steht. Indem ich mir aber immer direkt die ‚Übersetzungen in Programmiersprache‘ zu meinen Prompts anschauen und mit ihnen experimentieren kann, kann es einfacher werden, mir solch ein Grundverständnis zu erarbeiten.
  3. Die oben verlinkten Ergebnisse meiner Spielereien zeigen, wie viel einfacher es für Pädagog*innen zukünftig werden kann, passende digitale Tools (= im Sinne von ‚Alltagshelfern‘) zur Verfügung zu haben. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, irgendwo etwas Passendes zu finden (was dann oft voller Werbung und Tracking oder doch nicht ganz so ist, wie ich es brauche … ), sondern kann es mithilfe von KI-Anwendungen einfach schnell selbst machen. Ich denke hier z.B. an solche Alltagshelfer wie Gruppenzuteilungen, virtuelle Schlösser für Edu BreakOuts, Zufallsanzeigen und vieles mehr. Die Suche nach solchen Tools hat in der Vergangenheit sehr viel Zeit und Mühe gekostet. Es ist zu hoffen, dass diese Zeit nun besser eingesetzt werden kann – und die Konzeption von Lernen in einer digitalisierten Gesellschaft nicht mehr bei der Frage stehen bleibt: ‚Wo finde ich digitale Tools?‘

Du willst das Coden mit ChatGPT oder einer anderen Anwendung als Coding-Newbie auch ausprobieren? Hier kommen ein paar Tipps:

  1. Du musst sehr genau angeben, was das Programm machen soll. Sonst produzierst Du Chaos. Schau Dir dazu z.B. dieses Youtube-Video an. Auch bei mir kam zum Teil Blödsinn heraus, wie dieses Beispiel einer eigentlich erwünschten ‚Danke-Seite mit Konfettiregen‘ belegt :-)
  2. Wenn Du Deinen Code einfach online stellen willst, dann schreibe in den Prompt, dass Du eine HTML-Website willst. Die Veröffentlichung geht dann z.B. über Glitch oder Github Pages (einfach Code kopieren und als index.html Datei in ein neues Repository einfügen).
  3. Verbessere Dein Ergebnis. Entweder, indem Du den Prompt verfeinerst oder auch direkt im Code anpasst. Beispielsweise kannst Du Text und Beschriftungen im Code finden und verändern.

Was ich für mich mitnehme: Bei allen Schwierigkeiten und Gefahren, die mit Tools wie ChatGPT in der Bildung auftreten können: Das hier sind Nutzungsmöglichkeiten, die ich aus der Perspektive einer lehrenden Person durchweg begrüßenswert und arbeitserleichternd finde.

Ich wünsche Dir viel Freude beim Erkunden!


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