Nachklapp zum OERcamp in Lübeck

Ich bin auf dem Rückweg vom OERcamp in Lübeck, das heute, gestern und mit einem Vorab-Workshop auch schon vorgestern in Lübeck stattgefunden hat. Das Programm zum Nachlesen findet sich auf der OERcamp-Website. Der Session- und Workshoplan mit verlinkten Dokumentationen ist hier. In diesem Blogbeitrag möchte ich meine Beobachtungen und einige persönliche Highlights teilen und zudem aufschreiben, was ich mir als ‘To Do Liste’/ an Projekten zum Weiterverfolgen mitnehme.

Allgemeine Beobachtungen

Das #OERcamp in Lübeck fand statt zu einem Zeitpunkt, an dem fast alle Projekte der großen OER-Förderlinie der letzten beiden Jahre ausgelaufen sind. Das bedeutet aber alles andere, als das OER für Bildungsakteure nun weniger wichtig wären. Lübeck zeigte zumindest ein völlig anderes Bild. Die übergroße Mehrzahl der Teilnehmenden war zum ersten Mal bei einem OERcamp. Die OER-Community wächst!

Lübeck hat außerdem gezeigt, wie wichtig die OERcamps als regelmäßige Treffen der Community sind. Sie bieten zum einen die Option, Newbies in das Thema einzuführen und mitzunehmen. Zum anderen bieten sie die Möglichkeit zu Austausch, gegenseitiger Inspiration und Planung. Denn Teilgebende an einem OERcamp kommen fast immer mit eigenen Projekten und Ideen, was sie in der Bildung machen, voranbringen und gestalten wollen. Das war auch in Lübeck wieder so. Auf dem OERcamp lassen sich diese Projekte und Ideen bündeln, gemeinsam weiterentwickeln, besser machen und vernetzen. Für zeitgemäße Bildung haben die OERcamp damit ein riesiges Potential. Und es ist immer wieder bereichernd und befruchtend, wenn – so wie in Lübeck geschehen – bildungsbereichsübergreifender Austausch statt finden kann.

Dass die OERcamps so großartige Barcamps sind liegt zu großen Teilen auch an einem Veranstalter-Team, das das Format kontinuierlich verbessert und weiter entwickelt. In Lübeck insbesondere durch das erstmalig gestartete Lotsen-Newbie-Prohramm, bei dem ‘alte Hasen’ bis zu drei Mentees zugewissen bekamen, die sie in der OER Community und auf dem Camp willkommen hießen und bei Fragen unterstützten. Außerdem werden immer wieder viele Kleinigkeiten zur Gestaltung der so wichtigen Barcamp-Zwischenräume überlegt – wie dieses Mal z.B. eine Stadtführung durch Lübeck oder das ‘Namensschild-Buzzword-Spiel’.

Persönliche Highlights

  • In den von mir behandelten Workshops habe ich erstens Tools zur OER-Erstellung vorgestellt und wir haben sie gemeinsam ausprobiert. Zweitens haben wir uns mit der Erstellung von OER beschäftigt. Beide Workshops haben sehr viel Freude gemacht. Besonders schön fand ich das gemeinsame Weiterdenken in Richtung OER mit digitaler Souveränität (und damit erstellt mit Tools, bei denen ich die Hoheit über meine Inhalte behalten). Außerdem die Konzeption von OER vom Lernen aus und damit für eine auch pädagogisch/ didaktische Offenheit
  • Wunderbar geklappt hat der gemeinsam mit Jöran konzipierte ‘Pre-Workshop’ zur guten Barcamp Dokumentation. Das Konzept, sich schon vor dem eigentlichen Barcamp zusammen zu finden, über Dokumentation zu lernen und sich dann gemeinsam beim OERcamp dafür verantwortlich zu fühlen, ist perfekt aufgegangen. Im Ergebnis haben wir einen Session-Plan, der fast zu 100 Prozent dokumentierte Pads erhält. An dieser Stelle ein herzlichen Dankeschön an alle, die beim Workshop waren und gemeinsam die ‘Task Force Doku’ auf dem OERcamp gebildet haben. Ich fand es super!
  • Mit am meisten gefreut hat mich das Kennenlernen von Anne aus Polen und Merle aus Dänemark. Sie waren zum ersten Mal auf einem OERcamp. Anna hatte meinen ‘OpenAdvent-Kalender’ vom letzten Jahr in einer polnischen Facebook-Gruppe gefunden, sich danach dann in meinen Newsletter eingetragen und über diesen vom OERcamp erfahren. Gemeinsam mit ihrer Freundin Merle war sie dann angereist. Mich hat das sehr bestätigt, dass sich Bloggen und Veröffentlichen lohnt (auch wenn man vielleicht manches Mal daran zweifelt, dass das alles überhaupt jemand liest) und sich daraus wunderbare neue Kontakte und Vernetzungen ergeben können. Anna und ich haben die Geschichte auch im OERinfo-Twitter-Interview erzählt.

To Do Liste/ Projekte zum Weiterverfolgen

Was wäre ein OERcamp ohne viele Ideen und Planungen für neue Projekte? Die folgenden stehen unter anderem auf meiner Liste.

  • Nach dem erfolgreichen Barcamp-Doku-Workshop geht es nun darum, die Idee zu verstetigen und insbesondere die geplante ‘Barcamp-Doku-Kümmerer’ Gruppe ins Leben zu rufen.
  • Unbedingt will ich die Idee aus dem ‘Barcamp-Doku-Pre-Workshop’ weiter verfolgen, Session-Pads auffindbarer zu machen, indem man sie jeweils nach dem OERcamp z.B. in einen einfachen WordPress-Blog mit intelligentem Tagging überträgt. Vielleicht lässt sich das schon beim Hack4OER Sommercamp von Jointly in Weimar gemeinsam angehen.
  • Axel Klinger hat einen Workshop zu Gitlab angebote; ich habe in meinen Workshops viel zu Github erklärt. Über beide Plattformen gibt es ausgezeichnete Möglichkeiten, OER zu erstellen, kollaborativ weiter zu entwickeln und zu veröffentlichen. Gemeinsam haben wir überlegt, zu diesem Thema einen MOOC zusammen zu stellen. Auf diese Weise könnten wir mehr Menschen diese Möglichkeit aufzeigen und dabei unterstützen, die dafür nötigen Kompetenzen zu erwerben.
  • Die Inhalte meiner eigenen Workshops sind als nachnutzbares Konzept bzw. als Mini-Online-Kurs über oerworkflow.de und oertools.de zu finden. Ich habe zu Feedback dazu eingeladen und werde beide Websites darauf aufbauend aktualisieren.
  • Mit gutem Beispiel vorangehen möchte in Bezug auf meine eigenen Veröffentlichungen: die Inhalte der Edumail sind bis jetzt weder verschlagwortet, noch als OER auffind- und weiternutzbar. Gemeinsam mit Marina möchte ich diese Lücke schließen – z.B. durch Kooperation mit ihrem Projekt LeererSchreibtisch.de
  • Ich hatte einen guten Austausch mit dem Projekt Edutags zur Bildungsmaterialspende. Wir möchten gemeinsam daran arbeiten, eine Verknüpfung zwischen beiden Projekten hinzubekommen und haben dazu auch schon erste, konkrete Schritte überlegt.
  • Mit Anne von Edusharing habe ich eine Session angeboten ‘Wie wir prägnant und kurz andere von OER überzeugen können’. Gemeinsam haben wir dort viele Ideen zusammengetragen in drei Bereichen: eine ‘Elevator-Pitch’ Botschaft, eine Idee zum Starten und weitere Informationen. Mit all diesen Ideen möchten wir nun in der Arbeitsgruppe Open Education des Bündnis Freie Bildung ein weiternutzbares ‘OER-Überzeugungs-Material’ erstellen.
  • Sehr spannend fand ich die Idee aus der Session von Arne Spielhoff eine WordPress-Installation zur Selbst-Installation für einzelne Lehrende (bzw. die Schule/ Bildungsinstitution insgesamt) zu entwickeln mit vorinstallierten Plugins und einem passenden Theme, das die die Erstellung von Bildungsmaterialien (mit offener Lizenzierung und Metadaten) sowie die Strukturierung in Form von individuellen Online-Lernpfaden für Lernende ermöglicht.

Fazit

Ich freue mich schon jetzt aufs nächste #OERcamp. Dankeschön an das Orga-Team und an alle Teilgebenden. In Lübeck war es großartig 🙂

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