Zwischenraum-Notizen von der Edunautika Tag 1

Heute und morgen findet die Edunautika in Hamburg statt. Es handelt sich dabei um ein Barcamp in/ trotz digitalem Wandel.

Vor dem eigentlichen Beginn habe ich einen Workshop über gute Dokumentation bei Barcamps angeboten. Zu solch einer guten Dokumentation gehört für mich auch, die Ideen und Impulse aus den ‚Zwischenräumen‘ (dem Gespräch im Rausgehen aus dem Raum, das Ergebnis eines bewussten Ausprobierens, die Anregung aus einem Gespräch …) festzuhalten.

Hier kommen in diesem Sinne (und vielleicht auch, um andere zum Nachmachen einzuladen) ganz schnell aufgeschrieben meine Notizen von einem sehr wunderbaren Tag 1.

Nachtrag: Mein Notizen von der ganzen Edunautika habe ich nach dem Barcamp hier veröffentlicht.

1. Doku-Umgebung erweitern

Die für mich beste (und eigentlich auch sehr naheliegende) Idee (von @gibro) aus dem Dokumentationsworkshop war, das bis jetzt klassische Barcamp-Setting zum Dokumentieren mit einem Etherpad pro Session zu erweitern hin zu einer kollaborativen Upload-Umgebung. Hier sollte auch ein kollaboratives Pad vorhanden sein, aber dann vor allem auch die Möglichkeit Bilder, Skizzen, Fotos, Audios … zur eigentlichen Sessiondoku ergänzend hochzuladen. Umsetzbar müsste das z.B. mit der Nextcloud sein. Ich freue mich aufs Ausprobieren bei einem zukünftigen Barcamp.

2. Flipped-Angebote können funktionieren

Mein Dokumentations-Workshop war nicht nur ein Pre, sondern auch ein Flipped Workshop. Und das hat hier tatsächlich funktioniert, d.h. die Teilnehmenden hatten sich die Flipped-Materialien vorher angesehen. Hilfreich war dafür denke ich:

  • die Materialien waren überschaubar
  • die Materialien waren überwiegend Text, d.h. auch bei der Anreise durchsehbar.
  • schon mit den Materialien habe ich kommuniziert, worüber wir uns dann austauschen wollen, d.h. es war klar, dass es keine Wiederholung des Inputs geben würde.

Als Plan B hatte ich mir übrigens überlegt, noch vor Ort und als Alternative zur Mitdiskussion im Workshop die Option anzubieten, sich gemeinsam mit anderen die Materialien durchzusehen. Das war hier nicht nötig – aber ich merke mir die Idee für zukünftige Veranstaltungen.

3. QR-Codes sind bei Vor-Ort Angeboten sehr hilfreich

Auch vor Corona gab es QR-Codes. Mit den ersten Veranstaltungen vor Ort merke ich, wie wunderbar hilfreich sie gerade hier sind: Wenn Menschen sehr schnell weiterführende Informationen oder auch einen Online-Ort zum Mitarbeiten finden sollen, dann sind sie der beste Weg.

4. Es muss nicht immer alles ‚digitaler‘ werden

Ein kurzes Gespräch an einer meiner Stationen hat mich nachdenklich gemacht: eine Kollegin berichtete davon, wie schwer es ihr zum Teil fällt, auch mal ‚Methoden ohne Strom‘ zu verwenden statt immer ein neues digitales Tool. Dabei fände sie das gerade nach langen Phasen oft reinen Online-Lernens sehr hilfreich. Damit verbunden ist die Sorge, deshalb in die Ecke der ‚Digitalisierungsverweiger*innen‘ gestellt zu werden bzw. mindestens ins Hintertreffen zu geraten, weil ‚mehr digital‘ doch oft gleichgesetzt wird mit ‚besser‘.

Ich finde, dass hier sehr selbstbewusst agiert werden kann. Ich teile es, dass gute Pädagogik gerade jetzt nach langen Online-Lernphasen bedeuten kann, auch bewusst Methoden ganz ohne Strom zu nutzen. So wie wir ja auch bei der Edunautika ganz bewusst mit ‚Präsenzverherrlichung‘ spielen. Was überhaupt nicht eiß, dass es nicht auch ganz viel mit und über Digitales geben würde. Und so bedeutet das dann ganz und gar nicht, dass man deshalb das Rad wieder komplett zurückdrehen will in die gute, alte Pre-Corona-Zeit.

5. Karten-Gruppenpuzzle Methode funktioniert

Ich habe bei den ersten wieder stattfindenden Veranstaltungen vor Ort eine Karten-Gruppenpuzzle Methode wiederentdeckt – und jetzt auch beim Dokumentations-Workshop verwendet. Sie funktioniert ziemlich einfach:

  1. Ich überlege mir vorab, zu welchen x Aspekten weitergedacht werden könnte. Diese Aspekte schreibe ich groß auf farbige Blätter.
  2. Ich gebe einen ganz kurzen Input zu jedem der Aspekte. Am besten in Thesenform, wobei jede These auf eine Karte in der jeweiligen Farbe des Aspekts, zu dem sie gehört, geschrieben wird.
  3. Diese Thesen stelle ich vor und platziere sie dabei direkt zu den Aspekten auf den Fußboden.
  4. Die Teilnehmenden wählen sich je einen Aspekt aus, zu dem sie in der ersten Runde mit anderen vertieft weiter diskutieren wollen. Sie können dabei meine Thesen erweitern, ergänzen oder natürlich auch verwerfen.
  5. Es folgt ein Gruppenpuzzle. Das heißt jede Gruppe teilt sich so auf, dass anschließend neue Gruppen gebildet werden können, in denen aus jeder vorherigen Kleingruppe mindestens eine Person berichten kann.

Wenn mehr Zeit ist, lassen sich die gewünschten Aspekte zum Weiterdenken auch direkt mit den Teilnehmenden entwickeln.

Die Methode ist toll, weil Teilnehmende eigentlich die ganze Zeit untereinander in Austausch sind, immer ein klarer Rahmen da ist und man trotzdem Input geben kann.

Und sonst?

Vor allem war es bei der Edunautika richtig toll, so viele Menschen mal wieder ganz in echt wiederzusehen. Und ich hatte viel Spaß beim gemeinsamen Ausprobieren von Kreativitätsmethoden aus dem Design Thinking. Ich freue mich auf morgen!

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