Digital-unterstütztes Lehren und Lernen am Ende eines Lernprozesses

Veröffentlicht am 29.5.2019

Das Ende des Schuljahres (bzw. allgemein und bildungsbereichsübergreifend der Abschluss einer Lerneinheit) ist eine entscheidende Zeit im Rahmen eines Lernprozesses. Wichtig sind hier Aktivitäten für Feedback, Rückblick und Ausblick. Außerdem ist häufig Raum für das Experimentieren und Ausprobieren von Neuem. Digitale Unterstützung kann in dieser Phase aus meiner Sicht sehr gewinnbringend eingesetzt werden. In diesem Blogbeitrag stelle ich einige mögliche Aktivitäten vor. Vielleicht kann diese Ideen-Sammlung für manche zugleich auch allgemein ein Einstieg sein in kollaborative und kreative Formate und Methoden einer digital-unterstützten Bildung.

1. Gelerntes weitergeben: Lernen durch Lehren

Der Abschluss einer Lerneinheit ist der wahrscheinlich beste Zeitpunkt für die Methode ‘Lernen durch Lehren’: Lernende können dabei Gelerntes wiederholen und festigen, indem sie erworbene Kompetenzen und Wissen für andere Lernende aufbereiten und teilen. Sie übernehmen damit nicht nur Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess, sondern unterstützen auch andere Lernende bei ihrem Lernen.

Mit digitaler Unterstützung können Lernende vor diesem Hintergrund Bildungsmaterialien zu dem von ihnen Gelernten für andere Lernende erstellen. Optimal geeignet ist dazu die Open Source Software H5P. Mit dieser lassen sich z.B. interaktive Quizze oder Präsentationen gestalten. Auf der Website EinstiegH5P können Lernende die Software ohne die Notwendigkeit einer Registrierung und mit einer deutschsprachigen Benutzeroberfläche verwenden. (Um Inhalte längerfristig zu speichern kann sich die lehrende Person einen kostenfreien Account einrichten und die erstellten Inhalte der Lehrenden dorthin übertragen. Alternativ können die erstellten Inhalte auch lokal auf dem eigenen Gerät gespeichert werden.)

Die Methode ‘Lernen durch Lehren’ eignet sich auch gut für kollaborative Projekte. Gemeinsam kann eine Lerngruppe z.B. eine Liste von hilfreichen Punkten/ Tipps sammeln, die sie selbst gerne schon zu Beginn des Schuljahres gewusst/ gekonnt hätten. Diese kann dann an die folgende Klasse/ Lerngruppe weiter gegeben werden. Zum kollaborativen Sammeln und Schreiben eignen sich Etherpads (nutzbar z.B. über das ZumPad oder UnserPad) oder der kollaborative Editor HackMD. Eine Registrierung ist für keines dieser Tools erforderlich.

2. Rückblick, Feedback und Reflexion

Der Abschluss eines Schuljahres bzw. einer Lerneinheit ist natürlich wie gemacht für einen Rückblick bzw. eine gemeinsame Reflexion und Feedback. Neben der Übertragung von analogen Methoden in den virtuellen Raum wie eine Feedback-Pinnwand oder eine ‘Klebepunkte-Zielscheibe’ bietet digitale Unterstützung vor allem auch zahlreiche Möglichkeiten zum kreativen Gestalten eines persönlichen Rückblicks. Es folgen einige Tools und Ideen für beide Ansätze:

2.1 Digitale Anreicherung analoger Methoden

2.2 Rückblick mit kreativem Gestalten

3. Planungen und Ideen teilen

Der Abschluss einer Lerneinheit ist auch die Phase im Lernprozess, in der man sich auf eine Auszeit freuen und auch Pläne für Kommendes schmieden kann. Auf Twitter habe ich vor einiger Zeit die Idee einer Lehrerin entdeckt, die an ihre Schülerinnen und Schüler eine Ideensammlung für spannende Aktivitäten in den Ferien am letzten Schultag weitergab, z.B. ‘Gehe ins Freibad’, ‘Übernachte unter freiem Himmel’, ‘Schaue Dir den Sternenhimmel an’ … (Falls jmd noch den Original-Tweet kennt, ergänze ich ihn hier gerne). Solch eine Ideensammlung lässt sich natürlich auch von Lernenden für Lernende gestalten. Mit digitaler Unterstützung könnte das Vorgehen z.B. folgendermaßen aussehen:

Übrigens: Wer kommentierbare Tipps teilen möchte, kann auch das Tool Nachricht.io nutzen. Um die Kommentarfunktion zu aktivieren, muss ‘Diskussion eröffnen’ ausgewählt werden. Der QR-Code der Mini-Website wird bei diesem Tool automatisch mit erstellt.

4. Digital Sandbox Time

Aus dem Blog von Dan Summerell habe ich die Idee einer ‘Digital Sandbox Time’ entdeckt. Gemeint ist damit, dass Lernende Zeit erhalten, um sich ‘einfach so’ mit einer neuen digital-unterstützen Methode oder einem Tool im virtuellen Raum vertraut zu machen - und zum Ende dieser Zeit dann gemeinsam über Erkenntnisse und Erfahrungen reflektiert wird. Begründet wird der Ansatz unter anderem damit, dass Lehrende entlastet werden, technisch alles wissen und können zu müssen, dass auf diese Weise häufig neue Nutzungsmöglichkeiten entdeckt und erfunden werden und dass Unterschiede im Vorwissen ausgeglichen werden, weil Lernende sich beim Erkunden gegenseitig unterstützen.

Die Digital Sandbox Time zum Ende eines Schuljahres bzw. zum Abschluss einer Lerneinheit kann aber zudem auch eine gute Alternative sein zum ‘Wir schauen einen Film’ oder ‘Wir spielen Galgenmännchen’ ;-) Lernende haben die Möglichkeit zum gemeinsamen, spielerischen Erkunden von Technik - und alle (auch Lehrende) lernen in der Regel ziemlich viel dazu. Besonders gut klappt eine Digital Sandbox Time in diesem Sinne aus meiner Sicht mit den folgenden Angeboten und Tools:

5. Beteiligung an offenen Projekten: Lernen mit Selbstwirksamkeit und Relevanz

Der Abschluss einer Lerneinheit kann auch eine gute Gelegenheit sein, um etwas über ein bestimmtes Thema/ eine spezifische Lerneinheit Hinausgehendes zu machen. Im Sinne der Entwicklung von digitaler Mündigkeit und Souveränität kann hier die Beteiligung an offenen und kollaborativen Online-Projekten im Interesse der Allgemeinheit eine gute Idee sein.

Verbreitet ist hier insbesondere die Idee der Beteiligung an der Wikipedia. Denkbar wäre es z.B. die Einträge zur eigenen Schulen/ dem eigenen Ort zu aktualisieren bzw. erstmaloig anzulegen oder auch Erweiterungen an Wikipedia-Artikeln zum behandelnden Thenmengebiet vorzunehmen. Darüber hinaus lässt sich nicht nzr an Texten mitarbeiten, sondern auch Bilder oder mehr via Wikimedia Commons teilen. Letzteres ist z.B. auch eine gute Idee für Exkursionen und Schulauflüge: Schülerinnen und Schüler fotografieren Denkmäler/ Sehenswürdigkeiten und mehr - und teilen diese anschließend auf der Plattform. Mit dem Tool WikiShootMe erhält man hierfür eine hilfreiche Kartenanzeige, auf der markiert ist, welche Bilder für Wikipedia-Artikel noch fehlen. Viele weitere Tipps und Hinweise für Lehrkräfte (auch zum Texte schreiben für die Wikipedia) gibt es in dieser Broschüre von Wikimedia Deutschland.

Weitere Möglichkeiten sind die Beteiligung in der Community der iNaturalists. Hier werden weltweit Naturbeobachtungen gesammelt, geteilt und bewertet. Im Projekt MissingMaps kann man sich bei der Erstellung von Karten für potentielle Katastrophengebiete beteiligen, um Unterstützung in Notfällen einfacher zu ermöglichen. Und schließlich wird im Projekt CommonVoice die eigene Stimme ‘gespendet’, um offene Daten für Spracherkennungssoftware aufzubauen. All diesen Projekten ist gemein, dass eine Beteiligung relativ niedrigschwellig mögölich ist und die Projekte zum Teil schon mit nur einer Schulstunde unterstützt und für Lernende zugänglich gemacht werden können.

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