Kultur des Teilens als Thema und Praxis bei Veranstaltungen

Die letzten beiden Tage war ich als Impulsgeberin auf eine Klausurtagung von Hauptseminarleiter:innen am Lehrerfortbildungsinstitut in Hamburg (LI) eingeladen. Es ging um eine Kultur des Teilens – und darum, wie mit einer Kultur des Teilens anstehende Herausforderungen bewältigt werden können.

In diesem Blogbeitrag möchte ich einzelne Elemente des gemeinsam entwickelten Veranstaltungskonzepts teilen, die aus meiner Sicht auch für andere Organisationen spannend sein können. Denn auch wenn die konkreten Herausforderungen sicherlich überall andere sein werden, bin ich sehr überzeugt davon, dass es immer hilfreich ist, diesen mit einer Kultur des Teilens zu begegnen.

Vier Schritte: Orientierung, Klärung, Fokussierung und Konkretisierung

Wenn man es in einer Organisation unterstützen will, dass bestehende Herausforderungen über eine Kultur des Teilens angegangen werden, dann muss diese Kultur des Teilens konkret erlebt und entwickelt werden. Damit das gelingt, ist es hilfreich sich – so wie in meinem Beispiel in Hamburg erfolgt – gemeinsam Zeit für eine Klausurtagung zu nehmen. Wenn diese Klausurtagung erfolgreich ist, pflanzt sie viele Samen ein, aus denen dann im Anschluss vieles wachsen und entstehen kann.

Hierzu finde ich ein vierschrittiges Vorgehen hilfreich:

  1. Orientierung: Im ersten Schritt geht es darum, alle auf den gleichen Stand zu bringen und über relevante Herausforderungen zu informieren. Hier ist es sinnvoll, dass dies nicht als frontaler Input erfolgt, sondern bereits hier dialogorientiert gearbeitet wird – und Teilnehmende sich gezielt darüber informieren können, was für sie relevant ist. (In Hamburg gab es dazu das Angebot von ‚Gesprächsinseln‘ zu bestimmten Herausforderungen. An jeder Gesprächsinsel informierten verantwortliche Personen, beantworteten Fragen und moderierten erste Diskussionen.)
  2. Klärung: Im zweiten Schritt erfolgt eine Verknüpfung mit den je eigenen Interessen und Bedürfnissen. Teilnehmende überlegen sich, was für sie aus dem bisher Kennengelernten oder auch aus ihrer Arbeit relevante Themen sind, die sie mit anderen besprechen und diskutieren wollen. Dazu werden 45minütige ‚Sessions‘ angeboten, die in einer Art ‚Mini-Barcamp‘ mit mehreren Themen parallel diskutiert werden können. In den Sessions ist es wichtig, erstens mitzuschreiben, was besprochen wird. Und zweitens sich spätestens zehn Minuten vor Ende der Session dazu zu verständigen, was nun nächste Schritte sein könnten.
  3. Fokussierung: Im dritten Schritt erfolgt dann eine Fokussierung. Das bedeutet: die einzelnen Samenkörner werden gepflanzt. Dazu überlegt sich jede Person, eine konkrete Sache die sie ausgehend von den diskutierten Themen nun direkt angehen könnte und wollte – ohne dass es dazu schon struktureller/ übergreifender Änderungen, Budget oder Erlaubnis von übergeordneter Stelle bedürfen würde. Diese Überlegungen werden im Plenum vorgestellt.
  4. Konkretisierung: Nachdem alle die Vorhaben von allen gehört haben, startet eine ‚Wusel- und Vernetzungsphase‘. Alle haben Zeit, sich mit anderen zusammenzufinden, die ähnliche wie das eigene Thema vorgeschlagen haben – oder ein Thema genannt haben, an dem man unabhängig vom eigenen Vorhaben gerne mitmachen würde. In Kleingruppen werden dann erste Schritte überlegt und Verabredungen getroffen. Die eingepflanzten Samenkörner beginnen zu sprießen.

Da es vor der Fokussierungs- und Konkretisierungsphase die gemeinsame Klärungsphase in den Sessions gab, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich tatsächlich gemeinsame Vorhaben ergeben, die dann angegangen werden. Bei der Klausurtagung in Hamburg war ich als Zuhörerin sehr begeistert, wie toll sich bei der Vorstellung alles ineinander fügte – und wieviele sehr konkrete Vorhaben auf den Weg gebracht werden konnten.

Das Drumherum

Damit das oben beschriebene Konzept aufgeht und es zu konkreten Verabredungen kommt, ist es wichtig, dass die Tagung auch über die vier Schritte hinaus, sehr beteiligungs- und austauschorientiert gestaltet ist. Dazu eignen sich unter anderem die gezielte Nutzung von Vor-Ort-Methoden, viel Raum für Gespräche und Pausen sowie auch hybride Beteiligungsmöglichkeiten.

Vor Ort-Methoden

Vor Ort-Methoden sind für mich Methoden, die es ‚ausnutzen‘, dass eine Veranstaltung vor Ort stattfindet, d.h. so gestaltet sind, dass der gemeinsame physische Raum grundlegend ist – und nicht einfach nur eine Online-Veranstaltung an einem gemeinsamen physischen Ort verlegt wird. Ich habe solche Methoden vor allem in einem einleitenden Impuls zur Kultur des Teilens genutzt, indem ich bewusst auf einen Vortrag verzichtet habe und wir stattdessen wie in einem früheren Blogbeitrag beschrieben unter anderem theaterpädagogische Elemente zum Lernen genutzt haben.

Raum für Gespräche und Pausen

Zu den ‚Vor Ort Methoden‘ gehörte auch, dass bewusst sehr viel Zeit für Austausch und Gespräche gegeben wurden. So startete die Veranstaltung mit 30 Minuten ‚Meet & Greet‘, bei dem die Teilnehmenden einfach nur durch den Raum gehen und gemeinsam quatschen und sich ‚Hallo‘ sagen konnten. (So etwas scheint besonders dann angebracht, wenn eine Gruppe sich über einen längeren Zeitraum nicht gemeinsam erlebt hat.) Ein weiteres Angebot war ein ‚Ge(h)spräch, bei dem die Teilnehmenden in kleinen Gruppen von 2 oder 3 Menschen mit Leitfragen zu einem Spaziergang geschickt wurden. Schließlich gab es auch relativ lange Pausenzeiten zum Mittagessen.

Hybride Beteiligungsmöglichkeit

Wichtig war außerdem, dass sich auch Menschen die z.B. aufgrund einer Quarantäne nicht vor Ort sein konnten, mit beteiligen konnten. Sie hatten ‚Buddies‘ vor Ort, was wunderbar funktioniert hat. Ich habe es in diesem Tweet beschrieben:

Fazit: Nachmachen!

Ich nehme von der Hamburger Klausurtagung viele Erfahrungen und Impulse mit – und hoffe, dass einiges davon auch für andere Organisationen nachnutzbar ist. Insbesondere die vier Schritte halte ich für eine sehr lohnenswerte Grundstruktur, um sehr partizipativ zu konkreten und auch verbindlichen Verabredungen in einer Gruppe zu kommen.

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