Barcamp + Learning Circles = BarCircles

Bei einer Veranstaltung am Freitag habe ich mit einem Lernformat experimentiert, das wesentliche Elemente eines Barcamps und von Learning Circles zusammenbringt. Auf diese Weise wird Peer-to-Peer Austausch zu selbst gewählten Fragen mit gleichzeitigem Input ermöglicht. Ich finde, dass dieses Format viel Potential hat. Deshalb schreibe ich in diesem Blogbeitrag auf, was sich hinter diesem Lernformat genau verbirgt, wie man es gestalten kann und welche Fehler man nicht unbedingt wiederholen muss.

Barcamp + Learning Circles

Ein Barcamp ist ein Peer-to-Peer Lernformat, bei dem sich Teilnehmende untereinander zu selbst gewählten Fragen austauschen können. Das bedeutet: Es gibt kein vorgegebenes Programm. Stattdessen wird das Programm von den Teilnehmenden entwickelt. Der Austausch findet in einem klar vorgegebenen zeitlichen Rahmen statt: Jedes Thema wird 45 Minuten lang diskutiert. Dann sind 15 Minuten Pause. Danach folgt der nächste ‚Session-Slot‘.

Learning Circles sind ein Peer-to-Peer Lernformat, bei dem Teilnehmende für sich in einem Online-Lernangebot lernen. Parallel treffen sie sich in regelmäßigen Abständen in so genannten ‚Learning Circles‘ mit anderen, die ebenfalls in diesem Lernangebot lernen, um sich untereinander über das Gelernte auszutauschen und gemeinsam darüber zu reflektieren.

Werden die skizzerten wesentlichen Elemente beider Veranstaltungsformate zusammengebracht, entsteht ein neues Lernformat. Ich nenne es ‚BarCircles‘. Was verbirgt sich dahinter genau?

= BarCircles

Die Durchführung eines ‚BarCircles‘-Lernformats gestaltet sich wie folgt:

  1. Die Veranstalter*innen einigen sich auf ein Oberthema für das Lernangebot.
  2. Im Vorfeld der Veranstaltung werden Teilnehmende dazu eingeladen, die Fragen oder Themen über ein Formular einzureichen, die ihnen in Bezug auf dieses Oberthema wichtig sind.
  3. Die Veranstalter*innen clustern die Themen bei Bedarf und nehmen zu jedem Thema einen kurzen Impuls auf (max. 10 Min). Außerdem notieren sie Anregungen für den Austausch in Form von Reflexionsfragen sowie weiterführende Links
  4. Bei der Veranstaltung wird jedes Thema einem Raum zugeordnet. Jede teilnehmende Person wählt aus den parallel stattfindenen Themen eines aus und geht in den dafür vorgesehenen Raum.
  5. Alle Teilnehmer*innen, die dieses Thema gewählt haben, treffen sich in dem Raum und starten damit, dass sie sich gemeinsam den kurzen Inpuls anhören. Danach beginnen sie ihren Austausch dazu. Falls gewünscht können sie dazu die vorgeschlagenen Reflexionsfragen nutzen.
  6. Im Anschluss an das Lernangebot bleiben alle Impulse online. Wer mag kann also noch für sich die anderen Themen-Impulse anhören und/ oder mithilfe der weiterführenden Links vertiefen.

Beispiel: Lernen in einer vernetzten Gesellschaft

Bei meiner Durchführung haben wir uns vorab auf das Thema ‚Lernen in einer vernetzten Gesellschaft‘ geeinigt. An dem Lernangebot nahmen rund 50 Personen teil und es gab 8 Themen. Wir hatten Zeit für zwei Session-Blöcke. Da wir die Gruppen zum Austausch nicht zu groß werden lassen wollten, gab es in jedem Sessionblock alle 8 Themen zur Auswahl. Die Teilnehmenden konnten sich somit in jedem Sessionblock für eines der 8 Themen entscheiden.

Ich hatte die aufgezeichneten Impulse mitsamt der Reflexionsfragen und der weiterführenden Impulse auf einer Unterseite meiner Website veröffentlicht. Da die Fragen zum Teil sehr spezifisch sind und ich die Impulse für den Kontext der Teilnehmenden (gewerkschaftliche Bildungsarbeit) aufgezeichnet habe, eignen sie sich wahrscheinlich weniger für eine breite Weiternutzung. Falls es bei Dir passt, dann sehr gerne. Sie sind offen lizenziert. Falls nicht, erhältst Du über die Website aber in jedem Fall einen Eindruck davon, wie dieses Format praktisch aussehen kann.

Warum ist dieses Format empfehlenswert?

  • Das Format ermöglicht sehr viel Peer-to-Peer Austausch. Zugleich erhalten die Teilnehmenden einen Impuls für den Einstieg in die Diskussion. Sie sind also nicht ganz auf sich allein gestellt.
  • Das Lernen geht von den Interessen der Lernenden aus.
  • Das Lernen wird entzerrt und kann auch nach der Veranstaltung fortgeführt werden.
  • Mit den aufgezeichneten Impulsen entstehen offene Inhalte, die auch außerhalb der Veranstaltung weiter genutzt werden können.
  • In der Vorbereitung muss das Rad nicht immer neu erfunden werden, sondern man kann auch bestehende Videos als Impuls kuratieren.
  • Als referierende Person muss man nicht zwingend vor Ort sein, da die Impulse in aufgezeichneter Form zur Verfügung stehen.
  • Es passt in den klassischen Rahmen eines Fortbildungsangebots. Nur die Vorbereitung der Teilnehmenden findet ‚flipped‘ statt, aber da sie nur wenige Minuten braucht, ist das niederschwellig genug.

Das Format ist ein bisschen eine Weiterentwicklung eines ‚Peer-to-Peer Space‘. Dazu habe ich hier gebloggt. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Teilnehmenden nun nicht allein gelassen werden, sondern einen Impuls zum Einstieg bekommen.

Was kann schief gehen?

Es ist wichtig, dass für das Lernformat gut erklärt wird, warum und wie Fragen/ Themen vorab eingereicht werden. Ich habe das mit einem kurzen Video gemacht. Ansonsten sehe ich die Gefahr, dass keine Themen genannt werden.

Wichtig ist außerdem, dass man sich als referierende Person zu dem gewählten Oberthema sicher genug fühlt, um in kurzer Zeit Impulse zu allen gewünschten Themen aufzunehmen. Wenn man zu einem Thema gar keine Ahnung hat, bleibt immer noch die Möglichkeit, einen Impuls einer anderen Person zu kuratieren. Ich hatte außerdem einen Joker-Raum angelegt, in dem Menschen ohne Impuls zu Themen diskutieren konnten, die ihnen spontan in den Sinn kamen oder zu denen ich nichts zur Verfügung stellen konnte.

Beim nächsten Mal würde ich mehr Wert auf Dokumentation legen. Ich hatte die Möglichkeit eingerichtet. die wesentlichen Ergebnisse aus den Gruppendiskussionen über die Kommentarfunktion festzuhalten. Da die Website aber öffentlich im Netz steht, war das den Beteiligten eher suspekt bzw. häte von mir besser erklärt werden müssen. So wurde es gar nicht genutzt, was gerade in der Nachbereitung sehr schade ist.

Fazit: Ausprobieren!

Ich finde, dass es sich lohnt, mit diesem Format weiter zu experimentieren. Teile gerne, wenn Du Erfahrungen sammelst und/ oder das Format weiter entwickelst. Viel Freude und viel Erfolg!


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