Präsentationen programmieren – nicht nur für Nerds!

Vor ein paar Wochen habe ich mit Jöran und Lambert einen Artikel zur Frage geschrieben, wie sich Präsentationen möglichst gut (d.h. goldstandardmäßig) als OER erstellen und veröffentlichen lassen. Der Artikel ist bei OERInfo veröffentlicht. Ganz am Ende beinhaltet er einen ‘Extra’-Kasten‘. Darin heißt es unter anderem zu unserem Artikel:

Der Artikel beschreibt die klassische Form der Gestaltung von Folien. Die alternative Gestaltung sieht vor, Folien nicht direkt als Folien zu erstellen, sondern die Präsentation aus einer hierfür gestalteten Datei zu generieren.

Diesen Weg, d.h. nicht Drag and Drop von Bildern, Text und weiteren Elementen auf Folien, sondern Text schreiben und diesen dann in eine schicke Präsentation verwandeln, möchte ich in diesem Blogbeitrag vertiefen. Anlass ist, dass ich neben HackMD (bzw. in der Open Source Version seit Neustem nicht mehr CodiMD, sondern HedgeDoc) mit Presenta Lib ein vielversprechendes weiteres Open Source Tool dafür entdeckt habe.

Was bedeutet ‘Präsentationen programmieren’?

Wer mit Tools wie Powerpoint oder GoogleSlides arbeitet, kennt Drag and Drop als Prinzip der Präsentationserstellung: Text, Bilder und andere Elemente werden an die passende Stelle der Folie geschoben und platziert, so dass am Ende eine schicke Präsentation rauskommt. Layoutvorlagen helfen bei der Erstellung. Wenn ich dagegen Präsentationen ‘programmiere’, schreibe ich meine Präsentation in Textform – und füge dort alles ein, was ich haben möchte. Aus diesem Text kann ich dann eine Präsentation generieren. Für den Text kann ich einfache Befehle nutzen, was in meiner Präsentation passieren bzw. wie die Gestaltung erfolgen soll.

Das Ganze klingt wahrscheinlich komplizierter als es ist. Für das Tool CodiMD habe ich im folgenden Screencast gezeigt, wie solch eine ‘Programmierung’ praktisch funktionieren kann. Um schon vorab ein bisschen Sorge zu nehmen: Der wichtigste Befehl lautet: ‘Leerzeile — Leerzeile’. Damit wird eine neue Folie gestartet. Ähnlich einfach sind auch andere Befehle: z.B. Hashtag für Überschrift oder Sternchen für eine Aufzählung …

Warum muss ich eine Präsentation ‘programmieren’ (vor allem, wenn ich eigentlich gar nicht programmieren kann) und wenn es doch viel einfachere Tools gibt?

Präsentationen programmieren ist ganz bestimmt kein ‘Muss’. Ganz sicher kann man auch mit anderen Präsentationstools gut zurecht kommen – und im oben erwähnten Artikel haben wir auch einiges an Informationen zusammen getragen, wie solche ‘klassisch’ erstellten Präsentationen sich dann auch offen und weiter nutzbar teilen lassen.

Ich mag es aus mehreren Gründen, Präsentationen zu ‘programmieren’:

  • Seit ich mich daran gewöhnt hatte, finde ich die Erstellung über diesen Weg deutlich einfacher. Denn Drag and Drop ist bei mir immer eine endlose Frickelei …
  • Es ist sehr einfach Online-Inhalte zu integrieren und einzubetten: Giphys, H5P-Inhalte, Videos …. Da all diese Medien dann irgendwo im Netz stehen, ist meine eigentliche Präsentations-Datei nur super klein. Und sie lässt sich damit auch ganz einfach teilen.
  • Bei manchen Tools wie z.B. bei HackMD ist die Erstellung auch kollaborativ möglich (nicht nur technisch, sondern auch praktisch, denn wenn mehrere Menschen in kollaborativen Folienprogrammen Elemente hin- und herschieben kann das leicht etwas chaotisch werden – gemeinsam in Text schreiben, klappt meist einfacher)
  • Anpassungen/ Weiterentwicklungen gehen ganz einfach in einem Texteditor.
  • Ich kann mir vorstellen, dass programmierte Präsentationen barrierefreier sind, da es ja – neben der generierten Präsentation – auch einfach eine Textdatei gibt, die man sich von einem Screenreader vorlesen lassen kann. (Dazu bin ich aber nicht Expertin und würde mich sehr gerne mal mit Menschen, die zu dem Thema Ahnung haben, austauschen!)
  • Es gibt total tolle Möglichkeiten wie Giphys im Hintergrund, schicke Übergänge … und überhaupt ist Präsentationen programmieren einfach sehr cool

Meine Empfehlung ist also: Ausprobieren schadet ganz bestimmt nicht!

Neue Open Source Software: Presenta Lib

Ich habe oben schon das Tool CodiMD/ HackMD bzw. HedgeDocs vorgestellt. Ich mag dieses Tool sehr gerne und arbeite viel damit. Neu entdeckt habe ich nun Presenta Lib. Das Tool ist noch in Beta – und gegenüber CodiMD fehlen noch viele Funktionen wie z.B. die Möglichkeit zu Kollaboration oder einer einfachen Online-Veröffentlichung. Ich gehe aber davon aus, dass es hierzu in der nächsten Zeit noch Weiterentwicklungen geben wird. Schon jetzt kann ich mir wunderbar eine Nutzung für schnelle Impulse / einen Diskussionseinstieg etc. vorstellen. Vor allem aber scheint es mir sehr einstiegsfreundlich zu sein!

Was mir schon jetzt sehr gut gefällt:

  • Die Folien-Gestaltung basiert darauf, dass Folien nicht das Skript des Vortrags und auch nicht die Notizen des Vortragenden sein sollen, sondern im besten Fall den Vortrag ‘nur’ begleiten und auflockern. Angeboten werden deshalb insbesondere kurze und groß geschriebene Text-Blöcke sowie großflächige Bilder, Gifs oder Videos.
  • Ich muss meinen Text nicht wie bei CodiMD in Markdown schreiben, sondern ich kann eine Präsentation auch einfach nur mit ganz normalem Text und Links erstellen. Um ein paar Thesen in eine sehr schicke Präsentationsform zu bringen, braucht es nur ein paar Minuten.
  • Links zu Bildern oder Videos wandeln sich automatisch in ganzflächige Bild- oder Video-Folien um.
  • Ich kann sehr einfach zwischen unterschiedlichen Layouts, Übergängen und Farbkombinationen wählen.
  • Ich sehe beim Erstellen direkt eine Vorschau der Folien.
  • Im Playground arbeite ich nur lokal im Browser – über Datenschutz muss ich mir somit keine Sorgen machen.

Wo finde ich das Tool und wie funktioniert es?

Alle Informationen zum Tool findest Du auf dieser Website. Der Playground zum Ausprobieren und Präsentieren ist hier. Im folgenden Screencast erhältst Du einen ersten Einblick in das Tool:

Das Wichtigste zum Schluss: Mille grazie an Fabio fürs Programmieren und Teilen. Danke!


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