Gelungener Einstieg bei Veranstaltungen mit der Methode ‚Kennenlern-Kartentausch‘

In meinem Ideentagebuch habe ich gestern eine – wie ich finde – sehr schöne Idee entwickelt. Es handelt sich um eine Methode zum gegenseitigen Kennenlernen bei Veranstaltungen. Ich habe sie Kennenlern-Kartentausch genannt.

Ich mag daran:

  • Die Teilnehmenden können in kurzer Zeit mit sehr vielen anderen Teilnehmenden reden und so schnell in Austausch kommen (= Gewusel im Raum)
  • Die Methode ist wunderbar remixbar und auf alle möglichen Zielgruppen und Themen anpassbar.
  • Die Methode ist nicht aufwändig in der Vorbereitung und Durchführung
  • Die Methode eignet sich bei Veranstaltungen vor Ort genauso wie bei Online-Veranstaltungen
  • Die Methode kann sehr viel Spaß machen 🙂

Vor diesem Hintergrund erinnert mich die Methode ein bisschen an das wunderbare Kennenlern-Bingo, das ich inzwischen aber so oft gespielt und auch selbst genutzt habe, dass ich nach einer neuen Idee suchte 🙂

Lass uns also anschauen, wie die Methode genau funktioniert und wie Du sie nutzen kannst.

Wie funktioniert die Methode ‚Kennenlern-Kartentausch‘?

Hier ist die Beschreibung der Methode aus meinem Ideentagebuch:

Im Vorfeld einer Veranstaltung wird für jede Person eine Spielkarte erstellt. Das Thema der Spielkarten kann spezfisch festgelegt werden, z.B. Karten mit unterschiedlichen Eigenschaften darauf.

Bei der Veranstaltung erhält jede Person eine Karte. Anschließend wuseln alle durch den Raum. Wenn sich zwei oder mehr Personen treffen, zeigen sie sich gegenseitig ihre Karten und überlegen, für wen von ihnen welche Karte passender wäre. Gegebenenfalls tauschen sie die Karten.

Beispiel beim Eigenschaften-Kartenset:

  • „Ich bin immer so ungeduldig. Es wäre super, wenn ich von Dir die Karte mit Geduld bekommen könnte.“
  • „Das kann ich nachvollziehen. Ich kann an meiner Schule auch gar nicht genug Geduld haben. Aber ich sehe, dass Du digitale Affinität hast. Das fehlt mir tatsächlich komplett. Lass uns also gerne tauschen!“

Man spielt für einen festgelegten Zeitraum (z.B. 10-15 Minuten je nach Gruppengröße). Ziel ist, dass sich die Teilnehmenden möglichst viel miteinander ausgetauscht haben – und jede Person, die für sie beste Karte ertauscht hat.

Bei nicht zu großen Gruppen kann sich eine Vorstellungsrunde anschließen, bei der jede Person sagt, welche Karte sie sich ertauscht hat und ob sie damit zufrieden ist.

Welche Varianten zur Umsetzung gibt es?

Ich möchte Dir drei Varianten zur Umsetzung vorstellen:

Variante 1: Wer bist Du? (= spaßiger Einstieg)

In dieser Variante erhalten die Teilnehmende eine Rollenkarte als Spielkarte. Diese ist nach dem folgenden Muster gestaltet:

Ich bin … Aber: … Ich mag: …

Beispiel: Ich bin recht zielstrebig, aber manchmal zu selbstkritisch. Ich mag: Kuchen backen

Sehr wahrscheinlich werden nie alle drei Merkmale auf eine Person zutreffen. So muss man abwägen, was am besten passt – und das eben immer im Austausch mit den anderen. Es ergeben sich somit zahlreiche Gesprächsanlässe. Ich mag an diesen Rollenkarten vor allem, dass mit dem ‚aber‘ immer auch eine Schwäche bzw. nervige Eigenschaft aufgenommen ist. So startet man direkt damit, dass man auch Fehler zugeben kann.

Hier sind 20 mögliche Rollenkarten zum Download, die Du gerne direkt weiternutzen kannst.

Lizenz der Karten: CC0 1.0

(Hinweis: Bei der Struktur der Karten habe ich mich ein bisschen an diesem Persona-Generator orientiert und auch versucht, mit ChatGPT zu plaudern. Das hat zwar kaum zu direkten Ergebnissen geführt, aber mich zumindest immer wieder auf neue Ideen gebracht.)

Variante 2: Future Skills (= thematischer Einstieg)

Die Methode des Kennenlern-Kartenspiels kann auch für einen thematischen Einstieg genutzt werden. Ich bereite z.B. gerade eine Veranstaltung zu zeitgemäßen Kompetenzen vor – und hierfür liegt es nahe, die Methode mit einem Austausch über ‚Future Skills‘ zu verbinden. Die Aufgabe wird somit lauten: Du erhältst eine Spielkarte, auf der eine Zukunftskompetenz mitsamt kurzer Beschreibung aufgeführt wird. Begib Dich in den Austausch mit anderen und ertausche Dir die Karte, mit der Kompetenz, die Du sehr wichtig findest.

Hier sind 30 Spielkarten für diese Variante zum Download, die Du gerne direkt weiternutzen kannst:

Lizenz der Karten: CC0 1.0

(Hinweis: Mehr über Zukunftskompetenzen und die Liste, die ich für diese Karten nutze, findest Du in diesem Blogbeitrag)

Variante 3: Dein Remix (= genau passend für Deinen Einsatzweck)

Neben den von mir hier geteilten Varianten, kannst Du Dir auch ganz einfach eine eigene Version erstellen – mit den Themen oder Inhalten darauf, die Dir für Dein Angebot passend erscheinen. Um die Karten zu erstellen, gehe ich folgendermaßen vor.

  1. Ich erstelle ein Tabellendokument und speichere es als .csv Datei ab. Wichtig: die einzelnen Spalten benötigen einen Überschrift. Hier bei Cryptpad ist z.B. meine Tabelle für die obigen Rollenkarten.
  2. Ich lade die gespeicherte .csv-Datei auf dieser Website hoch. (Ich habe diesen CSV Row Printer übrigens neu entdeckt und finde ihn ziemlich cool!)
  3. Ich passe mir an, wie die Karten gestaltet sein sollen. Insbesondere kann ich unter ‚Advanced Options‘ einen Titel und einen Untertitel angeben und auch festlegen, was jeweils vor den Inhalten der einzelnen Spalten stehen soll (wenn ich nicht einfach den Spaltentitel verwenden will).
  4. Ich lasse mir die Spielkarten als .pdf ausdrucken. Manches Mal verschiebt sich eine Karte. Dann hilft es, die Skalierung auf 99% einzustellen.
  5. Ausdrucken und fertig!

Wie führe ich die Methode vor Ort und online durch?

Die Durchführung vor Ort ist etwas einfacher:

  1. Jede Person erhält eine Karte. Ich kann die Kartensets auch doppelt ausdrucken, falls ich sonst nicht für jede Person eine Spielkarte habe. Auf der anderen Seite ist es auch nicht schlimm, wenn nicht alle Karten verteilt sind.
  2. Ich erkläre die Spielregeln (‚Unterhaltet Euch mit so vielen Menschen wie möglich und versucht, die für Euch beste Karte zu ertauschen. Ihr habt dazu 15 Minuten Zeit‘)
  3. Alle starten mit Gewusel und Gesprächen im Raum.
  4. Nach Ablauf der Zeit kann vorgestellt werden, wer welche Karte ertauscht hat und wie die Person dazu steht.

Online funktioniert das Prinzip ähnlich. Herausfordernd ist allerdings, dass die Teilnehmenden eine Karte erhalten müssen und in den meisten Videokonferenzräumen nicht frei wuseln können. Ich könnte mir dieses Vorgehen vorstellen:

  1. Die ‚Karten‘ werden in einer nummerierten Liste hinterlegt.
  2. Die Teilnehmenden ‚zählen‘ durch. Jede Person merkt sich, welche Zahl sie ist.
  3. Der Link zur Liste wird geteilt.
  4. Jede Person sucht sich die Karte zur erhaltenen Nummer.
  5. Die Teilnehmenden werden per Zufall in BreakOutRäume mit 4-6 Personen geschickt und können dort ihre Nummern/ Karten tauschen.
  6. Es gibt weitere BreakOut-Runden, je nachdem, wie lange man spielen will.
  7. Vorstellung im Plenum z.B. über den Chat.

Fazit

Ich freue mich sehr darauf, die Methode bei zukünftigen Veranstaltungen zu nutzen. Und ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen Du damit machst. Ich wünsche Dir viel Freude beim Ausprobieren 🙂


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