Geschäftsmodell des Teilens

Veröffentlicht am 6.12.2020

Im eBildungslabor arbeite ich nach einem Geschäftsmodell des Teilens. Kurz zusammengefasst bedeutet das, dass ich die Ergebnisse und Learnings aus meinen Aufträgen offen mit allen Interessierten teile. Für mich persönlich hat dieses Modell den Vorteil, dass sich durch das Teilen häufig neue Aufträge und Kooperationen ergeben, denn mein Name bzw. das eBildungslabor wird dadurch bekannter. Für die Bildungscommunity insgesamt hat es, denke ich, den Vorteil dass es immer mehr offene und freie Bildung zum Weiternutzen für alle gibt. Auftraggeber:innen haben keine Nachteile - sondern neben der bezahlten Leistung vielleicht auch das gute Gefühl, Bildung insgesamt ein bisschen besser gemacht zu haben.

In diesem Beitrag erläutere ich, wie dieses Geschäftsmodell des Teilens funktioniert.

I. Meine Annahmen

Beim Geschäftsmodell des Teilens gehe ich von drei Annahmen über Bildung und Lernen aus:

  1. Bildung wird für alle besser, wenn man sie teilt: Marie von Ebner-Eschenbach wird der Satz zugesprochen, dass Bildung das einzige Gut sei, das sich vermehre, wenn man es teile. Das wird für alle nachvollziehbar sein, denn Bildung wird ja nicht ‘verbraucht’, wie man es von anderen Ressourcen kennen mag. Ich finde noch dazu, dass Bildung durch das Teilen auch besser wird. Denn durch das Teilen kann es zu Feedback und Weiterentwicklungen kommen, kann Kollaboration unter Lehrenden aufgebaut und kann auf diese Weise Qualitätsentwicklung im Prozess erfolgen.

  2. Mit Bildung sind wir niemals ‘fertig’: Der Bedarf nach guter Bildung ist riesengroß. Wenn ich Materialien offen teile, mache ich mich nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil: Wenn Menschen mit den Materialien lernen, ergeben sich daraus neue Fragen und Ideen. Meine Erfahrung ist sogar: Je mehr und je umfassender ich teile, desto mehr und desto spannendere neue Kooperationen ergeben sich. Wer von mir zum Beispiel einen offen nutzbaren Kurs zu Kollaborationstools findet, wird mich zwar wahrscheinlich nicht mehr mit einem Webinar zum Einstieg in eben diese Kollaborationstools beauftragen - aber vielleicht mit mir beratschlagen wollen, wie mit diesen Kollaborationstools zeitgemäße Lernprozesse gestaltet werden können oder wie diese Kollaborationstools speziell im Bereich z.B. der Politischen Bildung Anwendung finden können.

  3. Pädagogik steht im Fokus - nicht Material: Natürlich sind Materialien zum Lehren und Lernen wichtig. Wenn ich aber als Pädagogin tätig bin, dann werde ich nicht nur bzw. wahrscheinlich sogar nicht vorrangig für ein Arbeitsblatt oder ein Erklärvideo bezahlt, sondern vor allem auch dafür, dass ich dieses Material klug und passend für Lernende zur Verfügung stelle und sie bei der Auseinandersetzung damit begleite und unterstütze.

II. Meine Arbeitsweise

Auf Grundlage der skizzierten Annahmen sind mir bei meiner Arbeit die folgenden drei Aspekte wichtig:

  1. Erstellte Produkte und Materialien teile ich offen. Wenn ich im Rahmen eines bezahlten Auftrags ein Material zum Lehren und Lernen erstelle, dann ist es mir wichtig, dass dieses Material nicht nur für den jeweiligen Auftraggeber, sondern für alle Interessierten offen und weiter nutzbar zur Verfügung steht. Praktisch bedeutet das, dass das Material unter einer offen Lizenz steht (in der Regel CC BY oder CC 0). Wenn das Material für eine geschlossene Lernplattform erstellt wird, auf die Lernende nur nach Registrierung und/ oder mit anderen Zusatzvoraussetzungen Zugang haben, dann versuche ich eine weitere Veröffentlichung sicherzustellen, bei der das Material ohne Zugangshürden nutzbar ist.

  2. Ich bin lernende Lehrende - und lerne vorrangig durch Austausch: Ich blogge und twittere über das, was ich in meiner Lehrpraxis ausprobiere und kennenlerne. Außerdem veröffentliche ich ca. einmal im Monat meine Edumail. Über diesen Weg trete ich in Austausch mit anderen Lehrenden: Sie können von meinen Erfahrungen profitieren; ich von ihren Erfahrungen. Und gemeinsam können wir voneinander und miteinander lernen. Dieses Teilen von Erfahrungen ist neben dem Teilen von erstellten Materialien der zweite große Bereich, der das Geschäftsmodell des Teilens zum ‘Laufen’ bringt. Unter ‘Teilen von Erfahrungen’ fällt auch, dass ich oft ‘einfach so’, d.h. ohne Auftrag etwas erstelle und teile - einfach, weil es mir gerade wichtig ist und weil ich durch ausreichend bezahlte Aufträge den nötigen zeitlichen Freiraum dafür habe.

  3. Ich erfinde das Rad nicht immer wieder neu: Ich bin nicht der Auffassung, dass alles für jedes Lernangebot immer wieder neu gestaltet werden muss. Stattdessen ist der erste Schritt bei der Gestaltung eines Lernangebots die Frage: Wer hat dazu schon einmal etwas gemacht, was ich weiternutzen könnte? Ich finde es in diesem Sinne sehr in Ordnung dafür bezahlt zu werden, dass ich passende und gute Materialien für Lernende kuratiere (oder auch sie direkt dabei unterstütze, für sich selbst die passenden Materialien zu finden). Auf diesem Weg arbeite ich an den Materialien oft weiter und ergänze sie. Auch von mir erstellte Materialien nutze ich oft in mehreren Lernangeboten - und verbessere sie dabei kontinuierlich.

III. Praktische Beispiele aus diesem Jahr - eine Auswahl von ‘Lieblings-Projekten’

Fazit: Danke!

Im Ergebnis des Geschäftsmodell des Teilens bin ich in der sehr privilegierten Situation, dass ich das tun kann und mich dafür einsetzen kann, was mir wichtig ist - und dabei ausreichend Geld verdiene, dass ich gut davon leben kann. Das funktioniert nur deshalb, weil sich Auftraggeber auf das Abenteuer der Offenheit einlassen - und sehr häufig auch gegenüber Geldgeber:innen dafür argumentieren müssen, dass und warum dies ein guter Weg ist. (Besonders großartig ist es, wenn ich von mir aus und erst einmal unbezahlt etwas erstelle und veröffentliche - und sich dann nachträglich Auftrageber:innen finden, die genau dafür ein Lernangebot benötigen und ich dann sozusagen ‘nachträglich’ bezahlt werde). Ich bedanke mich ganz herzlich dafür - und freue mich auf zahlreiche weitere spannende Kooperationen im Interesse von zeitgemäßer Bildung für alle! Außerdem bedanke ich mich bei so vielen anderen Menschen, die offen teilen - und die mich inspiriert haben, nach diesem Geschäftsmodell des Teilens zu arbeiten.

PS. Beim Startcamp der HOOU im letzten Jahr habe ich zu diesem Thema eine Session angeboten, die hier dokumentiert ist. Dort findest Du weitere Informationen zum Thema.

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