7 Tipps für produktives Lernen bei Online-Barcamps

Veröffentlicht am 25.4.2020

Dieser Blogbeitrag enthält 7 Tipps zum produktiven Lernen bei Online-Barcamps. Er ist aus meiner persönlichen Erfahrung und nach dem Educamp 2020 geschrieben, das corona-bedingt nicht wie geplant in Frankfurt, sondern online stattfand. Ich war vorher eher skeptisch, da ich den persönlichen Austausch gerade bei Barcamps sehr schätze. Im Ergebnis sehe ich zwar weiterhin viele Herausforderungen und offene Fragen, aber bin insgesamt positiv überrascht, wie viel Austausch und Inspiration in diesem Online-Setting doch möglich war. Vielleicht helfen Dir meine gesammelten Erfahrungen und Reflexionen, um selbst produktiv bei einem Online-Barcamp lernen zu können. Wenn Du schon Online-Barcamp-Erfahrung gesammelt hast, dann bin ich gespannt darauf, von deinen Überlegungen zur Ermöglichung produktiven Lernens zu lesen.

Bitte beachte: Der Blogbeitrag ist aus Teilgebenden- nicht aus Organisations-Perspektive geschrieben. Für eine Organisations-Perspektive empfehle ich diesen Beitrag in der FAQ Online Lernen

1. Keine Scheu haben

Wenn man zum ersten Mal zu einem Präsenz-Barcamp fährt, ist man oft unsicher, was einen erwartet. Bei einem Online-Barcamp ist das nicht anders. Allerdings macht Online-Barcamps aktuell einfacher, dass sie für fast alle ungewohnt und gewöhnungsbedürftig sind: für diejenigen, die schon viele Präsenz-Barcamps besucht haben ganz genauso wie für Barcamp-Neulinge. Ich finde es sehr entspannend in diesem Sinne auf ein Online-Barcamp als einen gemeinsamen Lernprozess zu blicken. Denn man kann eigentlich gar nichts ‘falsch’ machen, weil niemand weiß, wie es ‘richtig’ funktioniert.

2. Verschiedene Beteiligungsformen ausprobieren

Das vorherrschende Format von Online-Barcamps sind Videokonferenzen. Sie entsprechen den realen Treffen in Sessionräumen beim Präsenz-Workshop. Philippe Wampfler hat in dieser Grafik sehr schön zusammengefasst, warum Videokonferenzen für uns oft so ermüdend sind. In meinen eigenen Worten: Es fehlt der Augenkontakt mit den anderen Teilnehmenden, man tendiert dazu, viel parallel zu erledigen, man ist irritiert darüber, sich selbst ständig zu sehen und nicht ‘natürlich’ bewegen zu können und es kann zu technisch bedingten Verzögerungen / Unsicherheiten kommen. Mir hat angesichts dieser Schwierigkeiten beim Online-Educamp geholfen, ganz bewusst in den Sessions mit verschiedenen Beteiligungsformen zu spielen. Mal habe ich nur zugehört (zum Teil auch mit ausgeschalteter Kamera), mal habe ich ganz gezielt den Chat genutzt und dort z.B. Fragen gepostet und Erfahrungen weitergeben und mal habe ich mit Wortmeldungen mitdiskutiert.

(Wer allgemein unsicher ist in Bezug auf Videokonferenzen ist, dem empfehle ich im Vorfeld der Teilnahme eines Online-Barcamps einen Videokonferenzraum für sich selbst einzurichten und zu öffnen - und einfach ein bißchen ausprobieren: Wo kann ich die Kamera aktivieren/ deaktivieren? Wo schalte ich das Mikro ein und aus? Wo kann ich mich melden? Und - auch wenn Du Dir dabei sicherlich erst einmal blöd vorkommst - Du kannst in Deinem Test-Videokonferenzraum auch kurz eine Aufnahme von einem Selbstgespräch von Dir machen und es Dir danach ansehen. Das kann zusätzlich Sicherheit geben.)

3. Non-verbale Kommunikation ausbauen

In Videokonferenzen ist das eigene Mikro, wenn man gerade nicht spricht, meist ausgeschaltet. Zwischenartikulationen sind damit kaum möglich bzw. recht aufwändig. Non-verbale Kommunikation kann bei angeschalteter Kamera stattfinden, aber ist zum Teil zuwenig sichtbar. Meiner Erfahrung nach hilft es vor diesem Hintergrund sehr, wenn man non-verbale Kommunikation gezielt ausbaut und sehr deutlich ‘artikuliert’: mit lautlosem Applaus, Daumen hoch oder runter oder auch ‘Symbole in die Kamera halten’. Auf diese Weise kann man sich aktiv an Sessions beteiligen.

4. Zwischenraum-Möglichkeiten ausloten

So genannte ‘Zwischenräume’ sind bei einem Barcamp sehr wichtig. Dazu gehört z.B. das gemeinsame Rausgehen aus einem Raum am Ende einer Session, das zufällige Treffen an der Candy-Bar, das Anstehen in der Essenschlange oder das Kaffeeholen. In diesem ‘Zwischenräumen’ kann man sehr beiläufig das Gespräch mit einer anderen Person suchen, es entwickeln sich oft neue Kontakte und es kommt zu spannenden Gesprächen. Direkt ersetzen lassen sich diese Präsenz-Zwischenräume in der Online-Kommunikation meiner Erfahrung nach nicht, aber man kann sie durchaus auch gestalten. Ich habe beim Online-Educamp z.B. während Sessions den Chat im Videokonferenzraum genutzt und andere Teilnehmende entweder über eine Direktnachricht oder auch mit @name im allgemeinen Chat persönlich angesprochen und auf diese Weise Kontakt hergestellt. Eine andere Möglichkeit war, ein Gesprächsanliegen direkt nach der Session via Mail, Twitter oder einen anderen Kanal anzugehen - und die Person dazu vorab zu googeln. Das ist sicher nicht ganz so schön, wie ein Face-to-Face Gespräch, das sich einfacher entwickelt. Es ist auf diese Weise aber möglich, dass auch bei Online-Barcamps neue Kontakte entstehen.

5. Begleitende Kommunikation und Angebote nutzen

Das Online-Educamp bestand nicht nur aus Online-Sessions, sondern bot mit der EDU-Fuck-Up-Night auch eine Abendveranstaltung mit anschließendem ‘Videokonferenz-Ausklingen-Lassen’. Außerdem war für eine begleitende Kommunikation eine Kaffeeküchen-Telegram-Gruppe eingerichtet. Zwischen den Sessions konnte man in den ‘Haupt-Zoom-Raum’, in dem auch gemeinsamer Beginn und Abschluss des Educamps stattfand, jederzeit Menschen treffen. Sehr wahrscheinlich wird auch Dein Online-Barcamps diese oder ähnliche Angebote machen. Meine Erfahrung ist, dass es sich gerade im Online-Kontext unbedingt lohnt, an solchen zusätzlichen/ beleitenden Austausch-Möglichkeiten teilzunehmen. Der Vorteil im Online-Setting ist, dass man sehr einfach mal kurz reinschauen kann, aber dann auch schnell wieder gehen kann, wenn etwas doch nicht passt - oder auch erst einmal die Kamera ausgeschaltet lassen kann, bis man sich etwas ‘sicherer’ fühlt.

6. Sessions aktiv mitgestalten

Ein Barcamp lebt von den Teilgebenden. Das gilt auch für Online-Barcamps. Das Angebot eigener Sessions kann bei einem Online-Angebot vielleicht sogar einfacher sein. So konnte man sich beim Online-Educamp z.B. jederzeit Sessions in den Sessionplan eintragen (nicht nur zu einer festgelegten Sessionplanung). Doch auch wenn man keine eigene Session anbietet, kann man man bei Online-Barcamps eine aktive Rolle haben. Beim Online-Educamp waren z.B. ‘Technikengel’ beteiligt. Diese haben nicht nur Videokonferenzräume zur Verfügung gestellt, sondern insbesondere auch in den Sessions moderiert. Wenn Du keine eigene Session anbieten willst, dann hast Du in Online-Barcamps somit noch andere und mehr Möglichkeiten zur Teilgabe. Und gerade durch Teilgabe kannst Du selbst viel lernen.

Wenn Du selbst eine Session bei einem Online-Barcamp anbietest, dann findest Du als ein Ergebnis des Online-Educamps in diesem Padlet eine schöne Sammlung von Online-Energizern. Es lohnt sich sehr, davon oder von anderen Möglichkeiten etwas in Sessions zu probieren.

7. Auszeiten nehmen

Die Beteiligung an einem Online-Barcamp ist einerseits einfach, weil sehr flexibel, von Zuhause aus und ohne Fahrtaufwand. Auf der anderen Seite ergeben sich dadurch neue Herausforderungen bei der Gestaltung des Barcamp-Tages. Meine Empfehlung ist hier, sich bewusst Auszeiten zu nehmen. Das bedeutet, in einer Auszeit den Rechner auszuschalten und das Headset abzusetzen - und danach dann wieder bewusst teilzunehmen. Wahrscheinlich muss hier aber jede Person einen Weg finden, der für sie passt.

Fazit: Mitmachen!

Auf der Barcampliste erfährst Du in der Rubrik Bildung über anstehende Online-Barcamps. Such’ Dir eines aus, nimm teil und lass uns gemeinsam lernen!

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