Workshop-Konzept zum Weiternutzen: Komm, wir lernen mit offenen Tools!

Veröffentlicht am 9.5.2019

Relativ häufig werde ich angefragt zu Workshops, die das Erlernen von Tools für Lehr- und Lernzwecke zum Ziel haben. Manchmal geht es dabei um eine konkrete Software (z.B. Wie funktioniert H5P?), viel häufiger lautet die Anfrage aber: ‘Wir wollen ein paar Bildungs-Tools kennen lernen’. Mein entwickeltes Workshopkonzept zu dieser Anfrage (gerne zum Weiternutzen und Remixen) stelle ich in diesem Blogbeitrag vor. Es eignet sich grundsätzlich für Lehrende in allen Bildungsbereiche. Die Aufgaben/ Beispiele können entsprechend angepasst werden.

Notwendige Infrastruktur vor Ort ist eine funktionierende Interneterbindung - und eigene Geräte für die Teilnehmenden (möglichst ein Laptop oder Tablet). Um alle unten aufgeführten Bausteine durchzuführen benötigt man ca. 3 Stunden Zeit.

Das ‘Toolvermittlungs-Workshop-Dilemma’

Die Schwierigkeit bei Workshop-Anfragen zur ‘Tool-Vermittlung’ liegt für mich in dem folgenden Dilemma:

Mit meinem Workshop-Konzept versuche ich dieses Dilemma dahingehend aufzulösen, dass wir ‘angewandte Tool-Vermittlung’ machen, d.h. selbst einen Beispiel-Workshop zu einem selbst gewählten Thema durchlaufen und auf diese Weise sehr praxisorientiert inklusive pädagogischer Einsatzszenarien arbeiten. Die klassische ‘Tool-Vermittlung’ ist dann nicht mehr das ausschlaggebende Element, sondern findet praktisch ‘nebenher’ statt.

Und: Mein Fokus bei der Tool-Auswahl liegt auf webbasierten Tools, die offen nutzbar (d.h. keiner Registrierung oder Installation bedürfen) und bevorzugt Open Source sind. Diese Tools passen meistens wunderbar zu zeitgemäßer Bildung mit kommunikativen, kreativen, kollaborativen und eigenständigen Lernformen.

Grundsätze des Workshops

Workshop-Bausteine zum Weiternutzen

Alle folgenden Bausteine funktionieren nach dem gleichen Muster:

Der erste der folgenden Bausteine ist unbedingt erforderlich. Hier wird die gemeinsame Lernumgebung (= das Pad) eingerichtet. Alle weiteren Schritte sind variierbar.

1. Virtuelle Lernumgebung einrichten und erreichen (mit HackMD)

Auf der Website HackMD wird eine neue Notiz angelegt. Als Titel wird der Name des Workshops angegeben. Zusätzlich kann als erste Überschrift ‘Sandkiste’ oder ‘Ausprobieren’ eingegeben werden. Via KurzeLinks oder einen anderen URL-Shortener wird ein Kurzlink erstellt. Die Teilnmehmenden geben ihn auf ihren Geräten ein und haben damit Zugriff auf das gemeinsame Pad

Aufgabe für Teilnehmende: Öffne das HackPad und probiere das kollaborative Schreiben und die Funktionen von HackMD aus. Bunter machen kannst Du Deinen Text u.a. mit Emojis, die Du z.B. bei Unicode.Party findest.

Hinweis: Je nach Vorerfahrungen der Teilnehmenden kann diese Aufgabe abgekürzt werden. Gerade in Gruppen, die häufig schon mit Etherpads gearbeitet haben, wird HackMD intuitiv verstanden. Für andere ist das kollaborative Schreiben etwas sehr Neues und kann dann mit mehr Zeit erkundet werden.

Bekannte Probleme/ häufige Schwierigkeiten / Hintergrundinformationen:

2. Wir lernen uns kennen (mit telegra.ph)

Im eingerichteten Hackpad wird der Link zu Telegrap.h geteilt.

Aufgabe für Teilnehmende: Erstelle eine Mini-Website mithilfe von Telegra.ph. Als Titel gibst Du ein, für was Du Dich begeisterst, als Text eine Eigenschaft von Dir, die mit dem gleichen Buchstaben wie Dein Vorname beginnt. Außerdem ergänzt Du einen Lieblingssong von Dir von Youtube oder ein Bild z.B. von Pixabay oder Unsplash. Anschließend kopierst Du den Link ins Pad ohne Deinen Namen dazu zu schreiben. Schaue Dir anschließend die erstellten Websites der anderen an und versuche herauszufinden, wer sich jeweils dahinter verbirgt.

Diese Aufgabe ermöglicht wunderbar eine analog-digitale Verschränkung, weil die Teilnehmenden über ihre gestalteten Mini-Websites miteinander ins Gespräch kommen.

Bekannte Probleme/ häufige Schwierigkeiten / Hintergrundinformationen:

3. Wir erkunden Vorerfahrungen (mit Oncoo)

Über die Website Oncoo wird eine Kartenabfrage eingerichtet und (am besten der direkte Link) im Pad geteilt.

Aufgabe für Teilnehmende: Schreibe auf die digitalen Karteikarten alles auf, was Dir zum Thema ‘xxx’ einfällt - und schicke sie ‘an die Tafel’

ONCOO mögen erfahrungsgemäß alle gerne, weil es ein simples Tool ist, das in der Anwendung aus dem analogen Bereich bekannt ist

Bekannte Probleme/ häufige Schwierigkeiten / Hintergrundinformationen:

4. Wir erstellen eine kollaborative Präsentation (mit dem Präsentations-Modus von HackMD)

Im Schritt 1 haben wir HackMD bereits in seiner Form als kollaboratives Pad kennen gelernt. In diesem Schritt wird kurz der Präsentationsmodus ‘vorgeführt’ und erklärt, dass neue Folien über drei Bindestriche ‘entstehen’. Für die Präsentation wird ein neues Hackpad erstellt und der Link im ‘Haupt-Pad’ geteilt.

Aufgabe für Teilnehmende: Erstellt eine Präsentation zum Thema xyz. Wir schauen uns sie dann später gemeinsam an.

Wunderbar passt dieser Baustein, wenn der Workshop Teil einer längeren Tagung ist und die TN zuvor z.B. in unterschiedlichen Workshops waren, aus denen sie dann die Hauptergebnisse als Präsenation zusammentragen.

Bekannte Probleme/ häufige Schwierigkeiten / Hintergrundinformationen:

5. Wir führen eine Blitzlicht-Runde durch (mit MeinMeme oder BrushNinja)

Ins Pad werden Links zu Brush.Ninja und/ oder meinmeme.de gestellt.

Aufgabe für Teilnehmende: Erstellt ein Meme oder ein Gif als ‘Blitzlicht-Feedback’: Wie fühlt ihr Euch gerade? Teilt das Ergebnis im Pad.

Mir gefällt diese Aufgabe, weil Netzkultur dabei auf Bildungs-Methode trifft. Außerdem lockert es wunderbar auf.

Bekannte Probleme/ häufige Schwierigkeiten / Hintergrundinformationen:

6. Wir gestalten eine Fragerunde (mit Fragmich.xyz)

Auf der Website https://fragmich.xyz wird eine neue Fragerunde erstellt und der gewählte Code mit Teilnehmenden geteilt.

Aufgabe für Teilnehmende: Gebt alle Fragen ein, die für Euch zum Thema ‘Webbasierte Tools’ noch offen sind - und bewertet, welche Fragen von anderen TN Euch ebenfalls interessieren.

Dieser Baustein ermöglicht das geeordnete Beantworten von offenen Fragen - genau nach Interesse der Teilnehmenden. Hier trauen sich auch stille Teilnehmende Fragen zu stellen, die ihnen im Plenum vielleicht ‘zu dumm’ erscheinen würden.

Bekannte Probleme/ häufige Schwierigkeiten / Hintergrundinformationen:

7. Reflexion und Feedback zum Abschluss

Auf der Website BitteFeedback wird ein Feedback-Bogen direkt mit den Teilnehmenden erstellt und der Link zum Ausfüllen dann im Pad geteilt. Auch den Ergebnis-Link kann man transparent machen. Außerdem teilt man den Link zu Mailnudge

Aufgabe für Teilnehmende: Beantwortet den Fragebogen - und schreibt Euch dann selbst (oder einer anderen Person in diesem Workshop) einen Mailnudge, den Du bzw. die andere Person eine Woche nach diesem Workshop erhält.

Mailnudge ist eine Form von individueller Lernreflexion durch eine Mail an das zukünftige Ich. Eine Woche nach dem Workshop erhält man einen ‘Schubs’ sich vielleicht noch einmal etwas anzusehen oder jetzt dann wirklich auszuprobieren.

Bekannte Probleme/ häufige Schwierigkeiten / Hintergrundinformationen:

Erweiterungen für Fortgeschrittene bzw. mit mehr Zeit

In digital-affinen und/ oder aufgeschlossenen Gruppen stelle ich außerdem gerne Twine vor. (Mögliche Aufgabe: Erstelle einen wiki-artigen Beitrag zu Thema xyz mit vernetzten Verlinkungen). Auch AR.JS (Augmented Reality im Browser) stößt erfahrungsgemäß auf viel Interesse (Mögliche Aufgabe: Erstelle einen Feedback-AR-Code für eine andere Person im Workshop)

Wenn Zeit ist, dann ist auch H5P eine gute Wahl (Mögliche Aufgabe: In Kleingruppen einen ‘Test’ für die anderen Gruppen zu Thema xyz entwickeln). Wenn man EinstiegH5P nutzt, dann erspart man sich den Registrierungsprozess.

Persönlich mag ich auch das Kreislauftool sehr gerne (mache aber immer wieder die Erfahung, dass andere nur relativ wenig damit anfangen können.)

Um den Workshop noch etwas interaktiver zu gestalten, kann man mögliche Bausteine z.B. über das offene Tool Poll.Labs zur Abstimmung stellen - und dann mit den Bausteinen starten, für die das meiste Interesse bekundet wurde.

Achtung: Werbung ;-)

Ich freue mich, wenn Du den Workshop in dieser und/ oder angepasster Form ausprobierst sowie auf Dein Feedback dazu. Gerne kannst Du/ Deine Organisation zur Durchführung auch mich anfragen. Du erreichst mich per Mail oder Twitter

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