Kurzanleitung für die Twitter-Alternative „Mastodon“

Dieser Beitrag ist für all diejenigen gedacht, die aktuell darüber nachdenken, sich in einem sozialen Netzwerk umzusehen, das nicht einfach mal schnell von einem Multimilliardär aufgekauft werden kann. Es geht nicht darum, …

  • … dass das doch ohnehin nichts bringt, weil man doch schon so viele Wechselwellen erlebt hat, die dann alle immer wieder verpufft sind.
  • … dass die dezentralen Netzwerke aber doch leider viel zu wenig intuitiv sind und deshalb ohnehin nur Nische bleiben werden.
  • … dass man doch auch andere proprietäre Podukte nutzt und jetzt nicht wegen Elon Musk plötzlich in Bezug auf Twitter Alternativen suchen muss. (Außerdem war Twitter ja auch vorher schon fragwürdig.)

Ich kann all diese Argumente gut nachvollziehen und finde es deshalb sehr verständlich, wenn Menschen ihr ‚Online-Zuhause Twitter‘ jetzt nicht aufgeben wollen. Auch ich gehe für mich das erneute Erkunden des Fediverse mit einer fragenden Haltung an. All das ist aber nicht das Thema dieses Beitrags.

Stattdessen möchte ich hier all denjenigen, die nach Alternativen suchen und dafür praktische Unterstützung benötigen und/ oder Alternativen besser verstehen wollen, mit diesem Beitrag etwas helfen. Ich denke, dass das vor allem deshalb gut funktionieren kann, weil ich auch noch sehr neu im Fediverse bin.

Vorab: das Ganze ist wirklich kein Hexenwerk 🙂. Los geht es!

Was ist das Fediverse?

Der Begriff ‚Fediverse‘ setzt sich zusammen aus ‚Federated Universum‘. Es handelt sich dabei um ein offenes und dezentrales Netzwerk, über das man mit anderen kommunizieren kann. Offenes und dezentrales Netzwerk bedeutet: Ich erreiche Menschen überall – egal, ob sie bei meinem ‚Anbieter‘ sind – oder bei einem anderen.

Am besten lässt sich das mit dem System von Mailadressen vergleichen: Egal ob ich eine gmx.de oder eine posteo.de Adresse habe: alle können mit allen kommunizieren. Noch viel besser ist: Die einzelnen Instanzen ‚gehören‘ in der Regel nicht großen Firmen, sondern werden von gemeinnützigen Organisationen oder Ehrenamtlichen betrieben – und ich kann mir ja ohnehin genau die auswählen, die ich möchte – und da sehr oft auch gerne mitentscheiden und mitgestalten. Wenn es mir da doch nicht mehr gefällt, richte ich eine Weiterleitung ein – und ziehe zu einer anderen Plattform um. Mein Netzwerk ist dann aber weiterhin da.

Was ist Mastodon?

Mastodon ist aktuell die Software im Fediverse, die Twitter am meisten ähnelt. Statt zu twittern, trötet man – aber ansonsten gibt es auch Hashtags, man kann anderen folgen und kurze Nachrichten schreiben – wie bei Twitter auch mit Medienanhängen. Was mir gefällt, kann ich liken oder weiter teilen. Die Bedienung von Mastodon wird für bisherige Twitter-Nutzer*innen somit kein Problem darstellen. Etwas hakelig kann es nur sein, sich erst einmal zu registrieren und zu beginnen.

Wie starte ich bei Mastodon/ im Fediverse?

Wie dargestellt gibt es nicht den einen Mastodon-Anbieter. (Das ist genau so wie bei anderer Open Source Software: Es gibt nicht ein Moodle, sondern viele verschiedene Installationen von Moodle auf unterschiedlichen Servern. Und bei jedem dieser ‚Moodles‘ sind vielleicht andere Plugins freigeschaltet und gibt es Kurse mit anderen Schwerpunkten.) Viele entdecken aber als erstes, die Instanz, die die Entwickler*innen der Software online gestellt haben. Im Interesse der erwünschten Dezentralität, ist es aber viel besser, sich kurz Zeit zu nehmen und den Anbieter auszuwählen, der einen am besten gefällt.

Auswahlkriterien können zum Beispiel sein:

  • Gibt es einen thematischen Schwerpunkt? Für Bildungsmenschen ist z.B. bildung.social spannend.
  • Gibt es bestimmte Regeln zu den Inhalten / geschützte Räume?
  • Gibt es bewusste Gestaltung des Raums? Das wird z.B. bei digitalcourage.social mit dem Rahmenbau versucht.

Einen Überblick über alle Instanzen findest Du zur Auswahl bei instances.social. Wenn Du aus dem #twlz kommst, dann bist Du wahrscheinlich bei bildung.social gut aufgehoben – und kannst die Suche somit abkürzen.

Der nächste Schritt ist dann: Den Link der Instanz aufrufen, registrieren, Mail bestätigen, Profil einrichten. Dann kann es richtig losgehen!

Wie finde ich Vernetzung?

Bei Twitter hilft der Algorithmus bei der Vernetzung: Ich folge einer Person – und schon werden mir drei weitere angezeigt, die für mich vielleicht auch spannend wären. Bei Mastodon ist das ‚Handarbeit‘. Ich finde folgende Schritte hilfreich:

  • Über Hashtags Menschen finden: Für Bildungsmenschen ist hier vor allem der Hashtag #FediLZ (= das dortige #TWLZ) oder #FediCampus von Interesse.
  • Empfehlungen folgen: Wenn Du erste spannende Menschen gefunden hast, kannst Du schauen, wem sie ansonsten noch folgen.
  • Gefunden werden: Wenn Du mit dem Hashtag #neuhier trötest – und dazu schreibst, was Dein Interesse ist, dann wirst Du von vielen anderen gefunden – wichtig ist eben, dass Du zuvor Dein Profil ausgefüllt hast.

Daneben hast Du gleich drei Timelines:

  • Deine ’normale‘: Hier sind alle Beiträge, von Menschen, denen Du folgst.
  • Deine ‚lokale‘: Hier sind alle Beiträge von Deiner Instanz (Auch darum ist es sinnvoll, sich bewusst eine Instanz auszuwählen).
  • Die ‚föderierte‘: Hier findest Du alle Beiträge, die gerade irgendwo getrötet werden – und das sind gerade jetzt eine ganz schöne Menge.

Was Du nicht hast, ist – wie beschrieben – ein Algorithmus wie bei Twitter, den Du mit Deinen Vorlieben ‚füttern‘ kannst und auf diese Weise eine von ihm kuratierte Timeline erhältst – wobei es auch hier ja nie nur Deine Vorlieben sind, sondern der Algorithmus auch von der Plattform selbst mit bestimmten Kriterien, die Du nicht beinflussen kannst, gefüllt ist.

Wie folge ich anderen Accounts?

Am einfachsten geht das Folgen von anderen Accounts über den Suchschlitz auf Mastodon. Dort gibst Du die gewünschte Fediverse-Adresse ein – und bekommst dann den Account angezeigt. Ich habe es hier kurz vorgeführt:

Damit andere Dir folgen können, ist es deshalb – außerhalb von Mastodon- am besten, wenn Du Deine Fediverse-Adresse angibst, so dass andere diese in den Suchschlitz eingeben können. Diese ist: NAME@Instanz – bei mir: ebildungslabor@digitalcourage.social. (Damit kannst Du das Folgen auch gerne direkt üben ;-))

Gibt es auch eine App?

Ja. Für Android kann ich die Tusky-App empfehlen. Am besten stellst Du diese Frage aber direkt auf Mastodon und bekommst dort sicherlich gute Empfehlungen. Ansonsten kann man Mastodon aber auch gut im Browser nutzen.

Und sonst?

Für mich habe ich entschieden, dass ich gezielt versuchen möchte, die aktuelle Empörung über Elon Musks Twitter-Kauf zu nutzen, um für die Alternative des Fediverse zu werben und darin mitzugestalten. Ich gebe Twitter im Gegenzug nicht auf – aber würde mir wünschen, dass mein Account dort mit der Zeit immer unwichtiger wird, weil die für mich wichtige Bildungsvernetzung im Fediverse stattfindet.

Was mich zusätzlich überzeugt: Die im Fediverse nicht über Likes/ Retweets gesteuerte Diskussionskultur hat das Potential, auch völlig unabhängig vom aktuellen Elon Musk-Skandal eine bessere, weil konstruktivere und weniger Empörungs-geleitete Form der Kommunikation zu ermöglichen. Ich bin neugierig und gespannt, ob das klappt.

In diesem Sinne: Ich freue mich darauf, Dich bald vielleicht auch im Fediverse zu treffen!

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