Produktives Lernen und Arbeiten mit ‚Zwischenraum-Notizen‘

Diese Woche bin ich zufällig auf einen Blogeintrag der Ness Labs gestoßen zum Thema ‘Interstitial Journaling’. Die Idee klang für mich spannend und ich habe angefangen, es ein bißchen für mich auszuprobieren. Es klappte gut – und weil die Methode somit vielleicht auch für andere nützlich sein kann, teile ich sie in diesem kurzen Blogbeitrag.

Was ist ‘Interstitial Journaling’?

Den Begriff ‘Interstititial Journaling’ habe ich für mich mit ‘Zwischenraum-Notizen’ übersetzt. Denn genau das wird mit der Methode gemacht. Die grundsätzliche Idee lautet: Jedes Mal, wenn ich von einer Aufgabe/ einer Aktivität zu einer anderen wechsle, halte ich dazu ein paar Notizen für mich fest. Dabei notiere ich, was ich zuletzt gemacht habe und was ich als nächstes vorhabe. Dazu schreibe ich die Uhrzeit.

Das hier sind beispielhaft meine Zwischenraum-Notizen von heute morgen:

  • 7:15 Uhr: Ich habe Mails, Twitter und Nachrichten durchgesehen. Idee eines ‘Glossars zu wichtigen Begriffen im Online-Lernen’ für die FAQ Online Lernen erhalten. Ich verschiebe das erst einmal auf später.
  • 8:12 Uhr: Weiter geschrieben an einem begonnenen Konzept für einen Wikipedia-Einstig für Freiwillige. Das nimmt langsam Form an. Später möchte ich die benötigten Screencasts dazu aufnehmen. Jetzt erst einmal Frühstück und Kinder versorgen 🙂
  • 9:05 Uhr: Eigentlich sollte ich direkt mit dem Wikipedia-Projekt weitermachen, aber ich schiebe einen kurzen Blogeitrag zur ‘Zwischenraum-Notizen’-Methode davor. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht und ich möchte in meinem Blog ohnehin gerne mehr über Methoden und nicht fast immer nur über Tools schreiben.
  • 09:28 Uhr: Ich muss kurz unterbrechen. K2 braucht Unterstützung bei den Mathe-Aufgaben.
  • 09:42 Uhr: Weiter geht es mit Schreiben am Blogbeitrag. Zu ausführlich muss der Text wohl gar nicht werden – die Grundidee ist ja schnell erklärt.

Du siehst an diesem Beispiel: Zwischenraum-Notizen sind eine Mischung zwischen einer Art ‘Mini-Tagebuch’, ToDo-Liste und Zeiterfassung.

Wie funktioniert ‘Interstitial Journaling’?

Mit dem obigen Beispiel ist die Funktionsweise von ‘Zwischenraum-Notizen’ grundsätzlich schon erklärt. Als ‘Anleitung’ lässt sich festhalten:

  • Zu jedem Eintrag die genaue Uhrzeit notieren.
  • Nicht nur über eine Aufgabe/ Aktivität schreiben, sondern wo möglich auch kurz darüber reflektieren.
  • Sowohl zurückblicken (Was habe ich gemacht?), als auch voraus blicken (Was will ich jetzt tun?)
  • Auch die Aktivitäten mit notieren, die gar keine geplanten Aktivitäten sind, z.B. ‘Ich habe mich etwas in Twitter verloren’.
  • Kontinuierlich schreiben und möglichst über ein paar Tage dabei bleiben.

Besondere Technik braucht man nicht. Ich schreibe meine ToDo Listen bislang einfach auf Papier – und setze das jetzt mit den Zwischenraum-Notizen fort. Wer ein Online-Tool nutzt, kann das sicherlich ein bißchen umgestalten – oder einfach irgebdeine Notiz- / Schreib-App nutzen. Und wer seine Notizen gerne mit anderen teilen möchte, kann z.B. auch einfach in einem Etherpad schreiben und den Link z.B. in einer Lerngruppe / im Team öffentlich machen.

Einschränkend stelle ich bei mir fest, dass die Methode dann an Grenzen gerät, wenn ich mit vielen ungeplanten Ereignissen (z.B. durch zwei Kinder im Home Office) konfrontiert bin. Aber auch dadurch lässt sich lernen, z.B. jetzt lieber erst einmal eine Kinder-Pause machen und dann später ‘richtig’ weiter arbeiten …

Warum ist ‘Interstitial Journaling’ hilfreich für produktives Lernen und Arbeiten?

Ich habe früher ein paar Mal die Pomodoro-Technik angewendet. Bei dieser Technik wechseln sich produktive Arbeitsphasen (immer 25 Minuten) mit Pausenphasen (5 Minuten) ab. Das fand ich recht hilfreich, wenn ich ein bestimmtes Projekt fertig bekommen musste. Bei den Zwischenraum-Notizen mag ich, dass es selbstbestimmter ist (Ich muss nicht nach genau 25 Minuten eine Pause machen) und dass das Aufschreiben sehr gut dabei hilft, mit einer Aktivität gedanklich abzuschließen, um sich dann besser auf eine neue einlassen zu können. Wer kontinuierlich an Zwischenraum-Notizen schreibt, bekommt sicherlich auch eine bessere Selbstwahrnehmung fürs eigene Arbeiten und Lernen.

Für wen ist ‘Interstitial Journaling’ hilfreich?

Grundsätzlich kann die Methode aus meiner Sicht immer dann hilfreich sein, wenn man sehr selbstorganisiert etwas lernt bzw. an etwas arbeitet. In der aktuellen Corona-Situation betrifft das wohl ziemlich viele Menschen. Vielleicht ist es auch eine mögliche Methode, die Lehrkräfte an Schüler/innen zur Unterstützung beim Lernen weitergeben und gemeinsam mit ihnen ausprobieren können.

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