Asynchron-synchrone Lernformate

Veröffentlicht am 24.9.2021

In diesem Blogbeitrag möchte ich mein Experiment mit einem asynchron-synchronen Lernformat vorstellen. Ich kam dazu durch eine blöde Sache: Im Rahmen des EBmooc focus hatte ich zugesagt beim gestrigen Online-Treffen einen Workshop anzubieten, doch dann kam mir ein privater Termin dazwischen. Auf der Suche nach einer Lösung entstand die Idee für ein asynchron-synchrones Lernformat. Im Nachhinein freue ich mich sehr über meine Terminprobleme, denn das Experiment hat mit sehr viel Freude gemacht und ich werde ganz bestimmt noch mehr in diese Richtung ausprobieren.

Was ist ein asynchron-synchrones Lernformat?

Kurz gefasst ist ein asynchron-synchrones Lernformat eine Lernform, bei der sowohl asynchron (d.h. zeitversetzt) gelehrt und gelernt wird, als auch synchron (d.h. zur gleichen Zeit). In unserem Fall war es so, dass ich eine Aufzeichnung vorbereitete, die Lernende dann im Rahmen eines Online-Live-Termins gemeinsam nutzen und sich dabei dazu austauschen konnten.

Warum kann ein asynchron-synchrones Lernformat eine gute Idee sein?

Zunächst einmal klingt die Beschreibung eines asynchron-synchronen Lernformats für die eine oder andere Person vielleicht nicht unbedingt neu, geschweige denn vielversprechend. Man könnte einwenden, dass es eben einfach eine Aufzeichnung ist, wie man sie in Online-Konferenzen zur Genüge erlebt - und oft genervt davon ist. Denn: um eine Aufzeichnung anzuschauen, muss ich mich doch nicht live mit anderen treffen, sondern könnte das dann machen, wenn es bei mir reinpasst (wenn es mich denn überhaupt interessiert)…

Den ersten Unterschied zu einer einfachen Aufzeichnung und meinem Experiment sehe ich darin, dass ich in der Aufzeichnung bewusst auf das gemeinsame, synchrone Lernen orientiere. Das bedeutet: nicht jeder für sich schaut zu, sondern es wird tatsächlich gemeinsam Video geschaut. Das zeigt sich unter anderem daran, dass der Chat genutzt wird und so alle davon profitieren, dass man eben nicht alleine vor dem Bildschirm sitzt. Zweitens ist der Input beteiligungsorientiert gestaltet, d.h. Lernende schauen nicht einfach nur zu, sondern werden eingeladen, aktiv etwas auszuprobieren und mitzumachen. Und drittens ist die Aufzeichnung eingebettet in einen größeren Rahmen (hier das Programm vor und nach dem Workshop im Live-Termin und auch der kontextualisierende MOOC).

Bei solch einer Gestaltung kann ein asynchron-synchrones Lernformat aus meiner Sicht viel Potential haben:

Wie lässt sich ein asynchron-synchrones Lernformat umsetzen?

Wie dargestellt benötigt man für ein asynchron-synchrones Lernformat so wie ich es gestaltet hatte vor allem eine Aufzeichnung, in der Schritt-für-Schritt ein Thema zum Mitmachen aufbereitet wird.

Ich habe für die Aufzeichnung das Tool Classroomscreen genutzt und war damit sehr zufrieden. Eigentlich ist Classroomscreen vor allem ein Tool, das in Vor-Ort-Veranstaltungen genutzt werden kann, um anzuzeigen, um welches Thema es gerade geht, QR-Codes zu teilen oder Aufgabenstellungen aufzuschreiben. All das ist auch für eine Aufzeichnung für asynchron-synchrone Lernformate hilfreich. Zusätzlich gibt es die wunderbare Möglichkeit bei der Einbettung von Medien auf dem Classroomscreen auch ‘Webcam’ zu wählen. Auf diese Weise kann man sich somit auch selbst auf die Pinnwand packen.

Aufgezeichnet wird dann mit einem Aufzeichnungstool der eigenen Wahl. Wer hier nichts anderes hat, öffnet für sich selbst einen Videokonferenzraum, schaltet dort die Kamera aus (das ist wichtig; zumindest bei mir, gab es sonst Probleme bei der Darstellung im Classroomscreen) und teilt dann den eigenen Bildschirm, auf dem man zuvor den Classroomscreen inklusive der Webcam-Übertragung geöffnet hat. Dann nur noch auf Aufnahme drücken - und fertig!

Ich finde es hilfreich und authentisch aus einem Guss aufzunehmen - und in diesem Sinne auch Pausen zur Bearbeitung mit aufzuzeichnen. Lernende müssen dann gar nicht zwischendrin stoppen. Damit das funktioniert und man zwischendrin neben dem Sprechen nicht auch noch immer Sachen eintippen oder reinkopieren und neu auf dem Classroomscreen platzieren muss, bin ich folgendermaßen vorgegangen.

Geteilt werden kann das fertige Video dann von der moderierenden Person während des Live-Termins entweder über Bereitstellung auf Youtube oder Nutzung der Videodatei.

Kann ich ein Beispiel sehen?

Mein Beispiel war wie dargestellt ein Mini-Design-Thinking Workshop für den EBmooc focus zum Thema ‘Entwicklung innovativer Lernformate’. Die Teilnehmenden waren hier zunächst im Plenum und konnten sich dann für unterschiedliche Workshops entscheiden, die jeweils 30 Minuten dauerten. Hier kannst Du Dir das Video ansehen (und natürlich gerne auch weiternutzen):

Das erste Feedback zu diesem Experiment war übrigens sehr positiv. (Besonders nett fand ich, dass eine teilnehmende Person schrieb: ‘Nele wirkte sehr präsent’.) Ich freue mich sehr über weitere Einschätzungen aus der Runde der gestrigen Teilnehmenden!

Fragen, Ideen und Erfahrungen?

Soweit also ein kurzer Bericht zu meinem gestrigen Experiment. Die Methode des Design Thinking und die Entwicklung innovativer Lernformate als Thema war hierzu natürlich wunderbar passend. Meine nächste Idee ist nun, für einzelne Einstiegsfortbildungen ähnliche Angebote zu konzipieren. Wenn Du mit überlegen und/ oder eigene Ideen teilen willst, dann geht das z.B. unter diesem Tweet.

PS. Weil ich ein paar Anregungen zum Brainstormen geben wollte, habe ich für die Aufzeichnung auch einen ‘Lernformate-Ideen-Generator" entwickelt, den ich via QR-Code einblendete und den ich auch gewtwittert habe (inklusive Link zum Remix):

Ein Zufallsgenerator mit Inspirationen und Ideen, um immer mal wieder mit neuen und anderen Lernformaten zu experimentieren.
🔗https://t.co/nLisUV711A

(Eigener Remix geht hier: https://t.co/13DIwtzDrT
Danke an @jilliangmeehan für das ursprüngliche @glitch -Projekt)
!B pic.twitter.com/S75SeAmy3V

— Nele Hirsch (@eBildungslabor) September 24, 2021

Bild des Beitrags: Screenshot aus der Aufzeichnung im Design Thinking Workshop

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