Idee: Regionale OER-Promotor*innen

In der OER-Community ist mir in der Vergangenheit immer mal wieder der Wunsch nach Ansprechpersonen vor Ort begegnet, die in der praktischen Arbeit zu OER unterstützen und die Idee von OER verbreiten könnten. Beim Barcamp ‚Open Days BNE‘ habe ich gestern zufällig das öffentlich finanzierte ‚Eine-Welt-Promotor*innen-Programm‚ kennengelernt, das für solch eine Idee ein gut geeignetes Muster zum Nachmachen sein könnte. Also ganz im Sinne des OER-Gedanken, dass für ein Förderprogramm ‚Regionale OER-Promotor*innen‘ das Rad nicht neu erfunden werden müsste, sondern man sich bei der Gestaltung sehr viel von diesem bereits bestehenden und offensichtlich gut funktionierenden Programm abgucken könnte.

Gedacht ist der folgende Beitrag insbesondere als kleiner Impuls für die OER-Strategiedebatte am Tag 3 des anstehenden OERcamp.

Was sind ‚Eine Welt-Promotor*innen?‘

Bei den ‚Eine-Welt-Promotor*innen‘ handelt es sich um Menschen, die meist für eine bestimmte Region verantwortlich sind und dort das (oft ehrenamtliche) Engagement für globales Lernen und interkulturellen Austausch unterstützen. Sie sind in ihrer Arbeit relativ frei, d.h. sie können beispielsweise Initiativen zur Vernetzung von bereits aktiven Menschen ergreifen, an Veranstaltungen vor Ort teilnehmen und dort über globales Lernen berichten oder auch Kontakte zu unterschiedlichen Personen herstellen und für ‚Eine Welt‘-Aktivitäten werben. Ein finanzielles Budget steht ihnen nicht zur Verfügung, aber eben Zeit, weil sie für drei Jahre über das Programm finanziert sind.

Wie ist die Struktur des Förderprogramms?

Das ‚Eine Welt Promotor*innen‘-Programm kann auf eine bestehende Struktur im Eine-Welt-Kontext aufbauen: In jedem Bundesland gibt es ein ‚Eine Welt Landesnetwerke‘ – und zahlreiche Initiativen, die darin organisiert sind. Diese Netzwerke koordinieren und begleiten die Koordinator*innen, aufbauend auf den Vorgaben des Bundesverbandes. Angestellt sind die Koordinator*innen direkt bei einer Initiative vor Ort (aber eben nicht nur für diese eine Initiative verantwortlich, sie fungiert als Anstellungsträger). Die Entscheidung, wo die Anstellung erfolgt, treffen die Landesnetzwerke.

Neben Promotor*innen, die sich allgemein für das Thema ‚Eine Welt‘ stark machen, gibt es auch Promotor*innen mit bestimmten inhaltlichen Schwerpunkten z.B. wirtschaftliche Entwicklung oder Migration.

Warum könnte ein solches Program auch im OER-Kontext hilfreich sein?

Ich bin mir noch nicht sicher, ob solch ein Programm für OER passt, aber möchte die Idee gerne in die Community tragen. Interessant finde ich daran die folgenden Aspekte:

  • Ähnlich wie im ‚Eine Welt‘-Kontext arbeiten auch bei OER zahlreiche Menschen und Initiativen oft ehrenamtlich. Bei öffentlichen Förderprogrammen wäre es mir vor allem auch ein Anliegen, dieses Engagement zu stärken und zu unterstützen.
  • OER sind immer mehr ‚Nebenbei-Themen‘, d.h. es wird nicht primär über OER gearbeitet – sondern OER werden in der Bildungsarbeit genutzt. Hier zu vernetzen und Verbindungen herzustellen, was eine wichtige Aufgabe solcher Promotpr*innen wäre, könnte sehr produktiv sein. Vor allem könnte damit auch die Weiternutzung von OER gestärkt werden.
  • Die OER-Promotor*innen würden zwar bei einer Institution oder Initiative angestellt sein. Ihre Ausrichtung wäre aber bildungsbereichsübergreifend. Genau das zeichnet aus meiner Sicht OER-Aktivitäten aus – und führt immer wieder zu innovativen Ideen. Es wäre gut, das weiter zu unterstützen, wozu solch ein Programm eine gute Möglichkeit wäre.
  • Viele Menschen haben in den letzten Jahren sehr viel dabei erreicht, OER zu verbreiten. Trotzdem ist das Thema nach wie vor nicht so verbreitet, wie es sein sollte. OER-Promotor*innen könnten – ähnlich wie es die Eine-Welt-Promotor*innen für ihr Thema tun – dazu beitragen, die Idee von Offenheit weiter zu stärken.
  • Um die inhaltliche / strategische Arbeit zu OER voranzubringen, wäre es denkbar – so wie es auch im ‚Eine-Welt-Programm‘ gemacht wird – neben regionalen Promotor*innen auch Promotor*innen zu bestimmten Themen zu fördern.

Last but not least: Solch ein Förderprogramm hat nicht das Problem von vielen anderen Förderprogrammen, dass ein bestimmtes Projekt aufgebaut wird, was dann nach dem Ende des Förderzeitraums nicht mehr weiter fortgeführt werden kann. Zwar wäre es auch hier wünschenswert, dass es nicht nur einmalig für drei Jahre Promotor*innen gibt, aber selbst wenn dann die Förderung gestoppt würde, hätte die Arbeit der Promotor*innen (hoffentlich) etwas vorangebracht, weil ganz viele Keime für mehr OER-Aktivitäten gepflanzt und regionale Vernetzung verbessert wurde.

Fazit

Ich freue mich auf die Diskussion zu diesem und vielen weiteren Vorschlägen auf dem OERcamp in Hamburg vom 24.-26. Oktober 2022. Falls Du noch nicht angemeldet bist, kannst Du das hier machen. Die Teilnahme ist kostenfrei – und neben der strategischen Debatte an Tag 3, wird es auch ein Barcamp für Austausch, Lernen und Vernetzung geben (Tag 2) sowie vorbereitete Workshops an Tag 1.


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