Im Tunnel …

Manche Tage sind beruflich doof. Ich habe das Gefühl, im Tunnel zu stecken, und noch ist kein Licht vom Ausgang in Sicht.

(Ich wollte darüber zunächst nichts schreiben. Denn eigentlich ist das nicht so wichtig, wahrscheinlich nur eine Momentaufnahme und vielleicht auch zu sehr Selbstbeschäftigung. Dann habe ich aber gedacht, dass es weder mir noch anderen etwas bringt, ein Lern- und Arbeitstagebuch zu veröffentlichen, in dem fast immer alles Sonnenschein ist … )

Warum ist aktuell ‚alles doof‘?

Zunächst einmal geht es um die pädagogische Gesamtsituation. Ich mache mir zunehmend Sorgen darüber, wo die KI-Debatte uns in der Bildung hinführt. Im letzten Jahr bestand meiner Wahrnehmung nach noch ein relativ großes Interesse daran, zu verstehen, um was es da geht und die Technologie einordnen zu können. Jetzt erreichen mich immer mehr Anfragen, die darauf orientieren, KI möglichst geräuschlos in den bisherigen Bildungsalltag zu integrieren. Vor allem wird nachgefragt, wie man mit welchen Tools möglichst niederschwellig Übungen und Lerninhalte generieren kann. Die Perspektive zu digitaler Mündigkeit, zu Veränderung einer im Kern überholten Lernkultur und zu einer Ermächtigung zu demokratischer Gestaltung auch des digitalen Raums fällt hinten runter. Ich versuche zwar in meinen Veranstaltungen ein anderes Bild aufzuzeigen, darüber zu bloggen, Inhalte zu teilen …, aber ich weiß zugleich dass meine eigenen Wirkungsmöglichkeiten natürlich sehr, sehr begrenzt sind. Das führt dann zu einem ziemlichen Gefühl der Ohnmacht.

Erschwert wird diese Situation, weil es mir nach wie vor an einem tragenden Online-Netzwerk fehlt, über das ich noch zu Twitter-Zeiten verfügte. Ich mag meine neue Online-Heimat im Fediverse und bin zugleich auch auf anderen Plattformen mit Menschen im Austausch. Es bleibt aber das Gefühl, dass nirgends ein wirklicher ‚Resonanzraum‘ entsteht. Gerade in den oben geschilderten Ohnmachtssituationen fehlt mir das sehr.

Hinzu kommen kleinere Nervereien, über die ich mich ärgere (und mich fast noch mehr darüber ärgere, dass ich sie so wichtig nehme und mir so etwas nicht einfach egal ist …).

Schließlich gibt es noch eine Unzufriedenheit von mir selbst mit meiner Arbeit: Ich habe in den letzten Wochen sehr viele Veranstaltungen zu KI bestritten. Da ließ es sich gar nicht umgehen, manche Vorträge zumindest teilweise zu wiederholen bzw. sehr ähnlich zu gestalten. Mich stört es dann aber sehr, wenn ich mir selbst zuhöre und denke: ‚Nicht schon wieder diese Kassette …!‘

Und wo ist vielleicht trotzdem Licht?

Licht gibt es trotz alledem auch:

  • Das Aufschreiben hat geholfen. Meine Gedanken sind sortierter und ich habe nicht mehr den Eindruck, mich im Kreis zu drehen. 🙂
  • Nächste Woche ist das OERcamp, kurz darauf das Educamp und etwas später die Edunautika. Also sehr viele Gelegenheiten, spannende Menschen für direkten Austausch zu treffen – und das hilft eigentlich immer, um wieder neue Energie zu schöpfen. 🙂
  • Ich habe mir beim Aufschreiben vorgenommen, die wichtigsten Inhalte meines aktuellen KI-Vortrags aufzeichnen und offen zur Verfügung zu stellen. Dann muss ich nicht mehr Leierkasten spielen, sondern kann stattdessen eine gemeinsame Diskussion oder Vertiefungen zu dem Thema gestalten. 🙂

Außerdem scheint heute die Sonne und ich gehe jetzt weg vom Schreibtisch und spazieren!

Update: Gerade als ich diesen Beitrag veröffentlicht hatte, habe ich diesen Remix von einer von mir geteilten Kritzelvorlage gesehen. So etwas ändert nun natürlich nichts an großen Bildungsherausforderungen, aber trotzdem hat es mich gefreut, zu sehen, dass aus meinem Teilen immer wieder Neues entsteht …