Ein misslungener Einsatz von ChatGPT …

Bis nächsten Mittwoch muss ich für eine Zeitschrift einen Artikel zur Frage abgeben: „Warum Digitalisierung in der Bildung mehr ist als Lernen und Lehren mit digitalen Tools …“ Weil bei mir in den nächsten beiden Tagen viel los ist und ich für das Schreiben von Texten immer ein bisschen Ruhe brauche, habe ich mir überlegt, diesen Text schon jetzt am Wochenende zu schreiben. Allerdings war sehr schönes Wetter, ich saß draußen in der Sonne und hatte wenig Lust nach Hause zurück an den Schreibtisch zu gehen. Also überlegte ich mir, dass ich das Artikelschreiben vielleicht alternativ über eine Audioaufnahme und Weiterbearbeitung mithilfe von ChatGPT angehen könnte.

Um das umzusetzen ging ich zunächst spazieren und überlegte mir eine grobe Gliederung. Dann setzte ich mich auf eine Bank in der Sonne, nahm mein Smartphone und sprach die gewünschten Inhalte ein. Hier machte ich wahrscheinlich den ersten Fehler, indem ich einen sehr erzählenden Ton wählte, d.h. nicht einfach versuchte, einen Artikel zu diktieren. Ich dachte, dass ich das ja dann später unproblematisch weiter bearbeiten könnte. Insgesamt wurden es so fast 20 Minuten Aufnahme.

Zuhause gestaltete ich mithilfe des Tools Whisper aus der Aufnahme ein Transkript und gab dieses bei ChatGPT ein. Mein Prompt lautete, diesen erzählenden Text des Transkripts zu einem Text der Schriftsprache umzuformulieren. Leider funktionierte das überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Denn der Output von ChatGPT stimmte inhaltlich zwar schon weitgehend mit meiner Aufnahme überein. An sehr vielen Stellen waren meine Inhalte aber deutlich gekürzt, womit das Ergebnis aus meiner Sicht nicht mehr wirklich verständlich war. Vor allem hatte ich ja sehr erzählend mit vielen Beispielen gesprochen. Der Output von ChatGPT war dagegen ein sehr sachlicher und nüchterner Text.

Ich unternahm mehrere Anläufe, um das doch noch hinzubekommen. Zum Beispiel mit dem Prompt …

  • … anschaulicher und mit mehr Beispielen zu schreiben.
  • … sich stärker am ursprünglichen Transkript zu orientieren.
  • … insgesamt ausführlicher zu schreiben.
  • … mit dem Verweis auf einen anderen Text von mir und dem Prompt, sich am Schreibstil daran zu orientieren

Im Ergebnis war ich mit keinem Output zufrieden und je mehr ich versuchte, desto ärgerlicher wurde ich auf diese angebliche ‚Intelligenz‘. Am meisten zufrieden war ich mit dem Output auf dem Prompt, in dem ich nur Korrektur des Transkripts anforderte – aber damit hatte ich ja noch lange keinen weiternutzbaren Text. Schließĺich war ich kurz davor, von der Basis-Version, die ich nutze, auf Pro upzugraden, aber sagte mir da zum Glück noch rechtzeitig selbst ‚Stopp‘.

Jetzt ist dann also Sonntagabend und ich fange an, den Text ganz neu zu schreiben. (Immerhin weiß ich jetzt durch das viele Prompting sehr genau, was ich schreiben will und muss beim Schreiben hoffentlich nicht mehr lange überlegen.)

Meine Learnings

  • ChatGPT ist sehr gut darin, zu einem Transkript eine automatisiert generierte Zusammenfassung zu schreiben. Einen Text, in dem ich mich selbst wiederfinde, auf Basis eines Transkripts von einem erzählenden Text von mir, ist dagegen nicht möglich.
  • Je wichtiger mir Inhalte sind und je besser ich mich darin auskenne, desto weniger komme ich mit Sprachmodell-generiertem Output dazu zurecht.
  • Es ist ziemlich dumm, auf eine Software ärgerlich zu werden …

Insgesamt fühle ich mich darin bestärkt, was ich auch schon zu anderen Gelegenheiten festgestellt habe: Als Arbeitserleichterung beim Schreiben von Texten, die mir wichtig sind, taugt ChatGPT nicht. Wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich aber genau das in diesem Beispiel versucht, auch wenn ich natürlich nicht einfach ChatGPT an meiner Stelle zur Textproduktion aufgefordert habe, sondern meine Inhalte via Audio einbringen wollte …


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