Zurück von der edunautika und Reflexion zur Beteiligung bei Barcamps

Hinter mir liegt ein ganz wunderbares Wochenende bei der diesjährigen edunautika in Hamburg. Im Blog habe ich viel dazu veröffentlicht: über das RIESENSPIEL am Freitag, über meine Session am Samstag zu Storytelling und über die Intensivsession am Sonntag zur Rettung der KI-Debatte mithilfe von Reformpädagogik :-)

Im Nachhinein treibt ich wieder einmal die Frage der Beteiligung um. Das Orga-Team hat ausgewertet, wie sich Frauen und Männer am Samstag beteiligt haben. Das Ergebnis war, dass es ungefähr doppelt so wahrscheinlich war, dass ein Mann eine Session anbietet, als das eine Frau es macht.

Bei der letzten edunautika hatte ich dazu mit Jöran eine Session gemacht und wir hatten darin viele spannende Aspekte festgehalten. Gestern haben wir noch einmal kurz darüber geredet und ich habe dann ein bisschen daran weiter gedacht.

Diese Punkte möchte ich für mich gerne festhalten:

  • Natürlich gibt es gesamtgesellschaftlich sehr viel mehr Diskriminierungsmuster, als die durch Geschlecht und eine binäre Geschlechteraufteilung lässt viele Diskriminierungsmuster selbst in diesem einzelnen Bereich unberücksichtigt. Das bedeutet aber nicht, dass es deshalb keine gesamtgesellschaftliche Diskriminierung gegen Frauen geben würde. Wenn man diese eine Ungleichheit, die sich bei Barcamps sehr einfach an Zahlen zeigen lässt, als Muster nimmt und versucht dagegen zu wirken, ist es wahrscheinlich, dass man die Gestaltung so verändert, dass auch Menschen, die mit anderen oder weiteren Diskriminierungsmustern konfrontiert sind bzw. einfach stiller sind, davon profitieren. Deshalb kann das erst einmal ein hilfreicher Ansatz sein.
  • Jöran hatte die Idee von einer Visualisierung in durchsichtigen Säulen während der Sessionplanung. Wer eine Session anbietet, wirft anschließend einen Schaumstoffball in eine der Säulen – entweder bei Frau* oder bei Mann. Dann ist die Frage der möglicherweise ungleichen Beteiligung als Thema präsent und alle haben es im Blick. (Ich denke, dass es dann wichtig ist, dass es nicht zwei gleich große Säulen sind, sondern wenn die Gesamtgruppe auf der Konferenz sehr unterschiedlich ist, dann müsste auch die Größe der Säulen unterschiedlich sein oder man müsste mit Markierungen arbeiten. Sonst wird das Problem gar nicht intuitiv visualisiert.)
  • Julia hatte die Idee am Ende der Sessionplanung einen ‚Last Call‘ zu machen. Das bedeutet: Wenn die Sessionplanung fast vorbei ist, wird noch einmal aufgerufen, ob das eigene Thema schon dabei ist oder ob man nicht jetzt noch einmal nach vorne kommen will. Dahinter steht die Überlegung, dass ’stillere‘ Menschen oft erst einmal mit der Haltung kommen: ‚Ich höre mir erst einmal an, was andere sagen.
  • Ich habe mich daran erinnert, dass wir bei der Session im letzten Jahr über eine Wusel-Phase vor der Sessioneinreichung nachgedacht haben: Alle bewegen sich durch den Raum und wer schon häufiger dabei war, könnte gezielt Menschen ansprechen, von denen man denkt, dass sie sich sonst vielleicht nicht trauen und noch einmal einen kleinen Schubs brauchen. Auch wäre in dieser Wusel-Phase Raum, dass Menschen sich verabreden, gemeinsam eine Session einzureichen, was ja oft einfacher ist, als allein.
  • Außerdem ist mir eingefallen, dass ich mal auf einer Konferenz war, wo ganz zu Beginn eine Person gesprochen hat, die ein Jahr zuvor das erste Mal bei dieser Veranstaltung war. Und sie hat erzählt, wie es ihr damals als Newbie gegangen ist und was ihr zu aktiver Beteiligung geholfen hat. So etwas kann glaube ich für viele eine wertvolle, weil sehr authentische Unterstützung sein.

Daneben habe ich festgestellt, dass es sehr oft hilft, wenn man Menschen gezielt anspricht und sie fragt, ob sie nicht eine Session machen wollen. Unterstützend kann es oft sein, dass man anbietet, auch selbst mit dabei zu sein. Ich nehme mir vor, das häufiger zu machen.

Blick in den Raum während der Sessionvorstellung von vorne.


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