Gestaltung nachhaltiger Lernprozesse in einer digitalisierten Gesellschaft

Stichpunkte zum Workshop im Bildungshaus Riesenklein bei der Veranstaltung Bildung ist Nachhaltig am 2. Juni 2022. Ausführlich sind die Thesen des Workshops in diesem Blogbeitrag dargestellt.

Hardware: Nötig ist eine bessere digitale Ausstattung für Schulen und andere Bildungsinstitiutionen. + Nötig ist mehr Nachhaltigkeit von Technik in der Bildung.

  • Wir setzen uns dafür ein, für unsere Schule digitale Geräte (möglichst in einer 1 zu 1 Ausstattung) zu erhalten.
  • Wir thematisieren an der Schule die Konsequenzen von übersteigerter Wegwerf-Digitalproduktion.
  • Wir lernen als Schulgemeinschaft über nachhaltige Möglichkeiten der Digitalisierung. Ein guter Ausgangspunkt ist dieser Kurs.
  • Wir schauen, was wir im Kleinen tun können z.B. testen wir den Fußabdruck unserer Schul-Website auf websitecarbon.com und nehmen gegebenenfalls Änderungen vor.
  • Wir schicken Kundschafter*innen aus der Schulgemeinschaft auf Veranstaltungen der Bits&Bäume Community, die zu Nachhaltiger Digitalisierung arbeitet.
  • Wir informieren über und unterstützen wo möglich nachhaltige Alternativen digitaler Geräte (z.B. das Fairphone)

Software: Lernende und Lehrende brauchen gut funktionierende, digitale Lernräume. + Lernende und Lehrende sollten ihre digitalen Lernräume für sich gestalten können.

  • Wir holen uns Expertise in die Schulgemeinschaft von Menschen, die sich mit Open Source Software auskennen (z.B. über das CCC Netzwerk oder die OER-Community).
  • Wir orientieren auf eine möglichst stabile Basis-Infrastruktur, die uns selbst gehört (Nextcloud oder Moodle)
  • Wenn wir noch gar keine Infrastruktur haben, starten wir mit einigen Open Source Best-Of-Tools z.B. via kits.blog/tools.
  • Genauso, wie wir Lernende ihre analogen Lernräume gestalten lassen, so beziehen wir sie auch in die Gestaltung der Online-Lernräume ein (Kleinigkeiten können einen großen Unterschied machen – z.B.: Wie heißen Online-Gruppenräumen? Was ist unser Startbild im Kurs? Welche Farben verwenden wir? …)
  • Wir ermöglichen Lehrenden und Lernenden Experimente und Ausprobieren von neuen und anderen Tools, als wir es in unserer Basis-Infrastruktur vorsehen.
  • Wir nehmen uns in der Schulgemeinschaft Zeit für Digital Sandbox Time (= gemeinsam neue Tools erkunden und überlegen, ob/ wie wir sie einsetzen wollen. Ausführlich erklärt in diesem Blogbeitrag.

Medienpraxis: Digitale Geräte sollten selbstverständlicher Bestandteil von Lernprozessen sein. + Abschalten und resiliente Mediennutzung sollten wichtige Lerninhalte sein.

  • Wir erarbeiten gemeinsam mit Lernenden Regeln zur Nutzung digitaler Geräte im Schulalltag.
  • Wir ermöglichen es, digitale Geräte zum Lernen zu verwenden. Dabei legen wir vor allem auch Wert auf eigenständiges Recherchieren und beschränken uns nicht nur auf Lernsoftware.
  • Wir verstehen Fehler, die im digitalen Raum passieren oder Merkwürdigkeiten, auf die Kinder im Internet stoßen, als Lernherausforderungen – und sprechen mit ihnen darüber.
  • Wir reflektieren gemeinsam mit Heranwachsenden über ihre Mediennutzung – und nehmen ihre eigenen Interessen und Vorlieben dabei ernst – anstatt unsere Nuttzungsgewohnheiten als Standard zu sehen (d.h. nicht: „Du hörst Musik beim Vokabellernen? Das kann nicht gut gehen, weil ich bin davon immer abgelenkt.“ Sondern: „Wie kannst Du am besten lernen und warum?“)
  • Wir bringen Lernenden eine bewusste Smartphone-Nutzung bei. (z.B. Schüler*innen dürfen jederzeit auf ihr Smartphone zugreifen. Bedingung ist aber, dass zuvor kurz notiert wird, was sie damit vorhaben und danach, was sie tatsächlich gemacht haben. Diese Mini-Protokolle sind hautpsächlich für die Lernenden selbst gedacht, lassen sich aber auch in Lernentwicklungsgesprächen gemeinsam reflektieren.)
  • Wir ermutigen zum’Stopp‘ sagen bei der Mediennutzung mit einer einfachen Handlungsroutine: Immer, wenn Du einen Link/ eine Benachrichtung anklicken willst, frage Dich zuerst: Will ich das jetzt tatsächlich tun?
  • Wir ermutigen zu Peer-to-Peer Reflexion der Mediennutzung – z.B. mit der Troika Consulting Methode: Lernende finden sich in Dreier-Gruppen zusammen. Die erste Person nimmt ihr Smartphone aus der Tasche und macht möglichst das, was sie normalerweise und ohne Beobachtung auch machen würde. Die zweite Person beobachtet und fragt nach: Was machst Du da genau? Warum rufst Du jetzt Youtube auf? Was siehst Du da? Was machst Du dann jetzt als nächstes? … Die dritte Person dokumentiert die Beobachtung. Diese kann dann später gemeinsam ausgewertet werden.
  • Wir nutzen – vor allem mit jüngeren Kindern – die Netzkinder-Angebote von Seitenstark (= kindgerechte Suchmaschinen und Websites: seitenstark.de/kinder/kinderseiten)

Pädagogik: Es ist wichtig, aktives Medienhandeln von Lernenden zu ermöglichen und zu unterstützen. + Es ist wichtig, mit Lernenden über die Grenzen von Selbstbestimmtheit im Internet zu reflektieren.

  • Wir machen (vor allem bei älteren Kindern) möglichst wenig Vorgaben bei der Präsentation von Lernergebnissen, sondern ermöglichen Lernenden ihre eigenen gewünschten medialen oder auch analogen Tools und Plattformen zu wählen.
  • Wir wissen, dass wir als Lehrende nicht Expert*innen für alles sein müssen. Es ist z.B. okay, dass ein Heranwachsender eine Präsentation mit einem Tool gestaltet, das wir noch nie gesehen haben. Wir sind dann neugierig und lernen.
  • Wir nutzen außerschulische Lernorte für aktives Medienhandel oder informieren darüber (Maker Day for Kids, Angebote in Bibliotheken, CCC, Fablabs/ MakerSpaces …)
  • Wir nutzen Lernangebote über die Funktionsweise des Internets, Algorithmen und Social Media – für uns und für (ältere) Schüler*innen. (Siehe kleine Liste hier – auch toll für Freistunden)


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