Virtuelle Klassenführung

Dies ist ein Entwurf für ein Online-Lernmodul, welches noch nicht freigegeben ist.

In den folgenden Abschnitten beschäftigen wir uns mit virtueller Klassenführung. Was Sie hier erwartet, ist im folgenden Video kurz zusammengefasst. Schauen Sie sich das Video an.  

1. Einordnung

Um zu verstehen, was virtuelle Klassenführung bedeutet, ist es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, in welchen Fällen virtuelle Klassenführung relevant ist. Das können Sie mit dieser Abfrage herausfinden:

Wir halten somit fest: Virtuelle Klassenführung betrifft alle Formen der Unterrichtsorganisation, bei denen Lehrende und Lernende nicht nur auf direktem Weg miteinander in Interaktion sind, sondern dafür auch oder ausschließlich virtuelle Möglichkeiten nutzen. Dies ist nicht nur in Pandemie-Zeiten im Rahmen etwaiger Schulschließungen relevant, sondern betrifft auch den ‚ganz normalen‘ zeitgemäßen Unterricht, bei dem Lehrende und Lernende gemeinsam an der Schule vor Ort sind.  

2. Herausforderungen

Wir haben bereits festgestellt, dass virtuelle Klassenführung für praktisch alle Formen des zeitgemäßen Unterrichts relevant ist. Dies stellt sowohl Lernende als auch Lehrende vor Herausforderungen.

2.1 Herausforderungen für Lernende

Um die Herausforderungen für Lernende anzusehen, lernen wir hier die fiktiven Lernenden Max und Zara kennen. Klicke die Info-Zeichen an, um zu erfahren, vor welchen Herausforderungen sie jeweils beim virtuellen Lernen stehen:

Wir halten fest: Für Lernende kann virtuelles Lernen eine große Herausforderung zur Selbstorganisation sein. Daneben fehlt es häufig an technischen und räumlichen Bedingungen, um gut Zuhause lernen zu können. Während wir für den ersten Fall mögliche Lösungen kennen lernen werden, kann eine einzelne Lehrperson im zweiten Fall individuell nur wenig ausrichten. Hier ist es zunächst wichtig, über die persönliche Situation der Lernenden Bescheid zu wissen, um dann gegebenenfalls mit übergreifenden Angeboten dagegen steuern zu können. Unter anderem kann die Schule das Angebot einer ‚Study Hall‘ machen, in der Lernende gut eingerichtete Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Oder es können Förderprogramme genutzt werden, um digitale Endgeräte für Lernende zu beschaffen.

2.2 Herausforderungen für Lehrende

Auch für Lehrende bedeutet virtuelle Klassenführung eine Umstellung ihrer gewohnten Arbeitsroutinen. Damit sind mehrere Herausforderungen verbunden. Wir lernen hierzu Frau Müller und Herr Meier kennen. Klicke die Info-Zeichen an, um zu erfahren, vor welchen Herausforderungen sie jeweils beim virtuellen Lehren stehen:

Wir halten fest: Lehrende stehen angesichts virtueller Klassenführung vor allem vor der Herausforderung der Entgrenzung der eigenen Arbeitszeit und benötigtem technischen Know-How.  Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist erstens ein gutes Unterstützungs- und Fortbildungssystem wichtig. Hilfreich können hier direkt an der Schule vor allem Peer-to-Peer Lernangebote sein – beispielsweise in Form von Mikrofortbildungen. Was die Entgrenzung der eigenen Arbeitszeit betrifft, so ist Verbindlichkeit und Transparenz wichtig. Niemand kann erwarten, dass Lehrkräfte rund um die Uhr erreichbar sind. Hier ist es hilfreich, mit Schülerinnen und Schülern zu vereinbaren, wann und in welcher Form auf Fragen eingegangen wird. Auch kann es eine gute Idee sein, dienstliche und private Kommunikation zu trennen, so dass ‚Abschalten‘ gelingt.

Neben diesen schulübergreifenden und persönlichen Handlungsstrategien, hängt es vor allem an der Gestaltung des Lernprozesses insgesamt, ob virtuelle Klassenführung gelingt. Das schauen wir uns im nächsten Abschnitt an.  

3. Gelingensbedingungen

Axel Krommer, Philippe Wampfler und Wanda Klee haben im Frühjahr 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland aus Anlass der ersten Schulschließúngen im Auftrag des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW sechs Impulse zum Distanzlernen verfasst. Diese Impulse finden Sie – jeweils mit weiterführenden Hinweisen und Links zu Seminar-Aufzeichnungen – auf der Website des NRW- Schulministeriums. Die Impulse geben Ihnen einen guten Rahmen, an dem Sie sich bei der Gestaltung Ihrer virtuellen Klassenführung – nicht nur im Distanzlernen, sondern auch bei den anderen vorgestellten Lernformen – orientieren können.

Die sechs Impulse sind in Form von ‚didaktischen Schiebereglern‘ formuliert, die jeweils eine Antagonie darstellen. Die Struktur der Schieberegler ist dabei stets in Form ‚So viel wie möglich und so viel wie nötig‘ gedacht.

Diese Darstellung zeigt, dass es nicht die eine richtige Form von Distanzlernen und virtueller Klassenführung gibt. Vielmehr muss in jeder Lernsituation abgewogen und entschieden werden, mit welcher Justierung der didaktischen Schieberegler es zu einem erfolgreichen Lernprozess kommt. 

Übertragen auf den Schüler Max aus dem obigen Fallbeispiel würden die didaktischen Schieberegler z.B. aufzeigen, dass Max mit dem vorhandenen Vertrauen und der Freiheit überfordert war. Für einen erfolgreichen Lernprozess wäre es in seinem Fall angebracht, seinen Lernprozess mindestens zu Beginn täglich zu kontrollieren, so dass er nicht abgehängt wird. Auch würden im einzelne synchrone Elemente gut tun.

👉 Jetzt sind Sie dran!

Reflektieren Sie über eine geplante Lerneinheit, die Sie auch mit virtueller Klassenführung umsetzen möchten. Überlegen Sie sich jeweils, wie die didaktischen Schieberegler in Ihren Fall justiert sein müssen, um allen Beteiligten erfolgreiches Lernen zu ermöglichen.

4. Beispiele

Im vorherigen Abschnitt haben wir allgemeine Gelingensbedingungen für virtuelle Klassenführung kennengelernt. Abschließend geht es nun noch um Beispiele für konkrete Formate. Sie können Ihnen Ideen liefern, auf welche Art und Weise Sie virtuelle Klassenführung umsetzen können.

4.1 Flipped Classroom 

Unter ‚Flipped Classroom‘ versteht man eine Lernform, bei der dem synchronen Lernen eine asynchrone Lernphase vorgeschaltet ist. Auf diese Weise soll die synchrone Zeit optimal ausgenutzt und unterschiedliche Vorkenntnisse und Fähigkeiten von Lernenden berücksichtigt werden. Der klassische Aufbau eines Flipped Lernangebots gestaltet sich somit in zwei Schritten:

  • Schritt 1: Schülerinnen und Schüler erhalten von der Lehrkraft Materialien, mit denen sie sich selbst in ein Thema einarbeiten können. Das kann zum Beispiel ein Text oder ein Erklärvideo sein.
  • Schritt 2: Die Klasse kommt synchron zusammen. Hier ist Raum, um gemeinsam über das Thema zu diskutieren und Fragen zu klären.

Das Flipped Classroom Modell eignet sich sowohl für rein virtuelle Lernangebote. In diesem Fall findet der zweite Schritt als Videokonferenz statt. Ganz genauso kann aber auch nur der erste Schritt (oder Teile des ersten Schritts) virtuell gestaltet werden und der zweite Schritt dann gemeinsam vor Ort stattfinden.  

4.2 Asynchrone Kollaboration

Neben der Möglichkeit, den Input zu einem Thema zu ‚flippen‘, können auch andere Lernherausforderungen vorgelagert werden. Beispielsweise können im Vorfeld Fragen gesammelt werden. Das bedeutet: Bevor gemeinsam in ein neues Thema eingestiegen wird, sind Schülerinnen und Schüler eingeladen, Fragen oder Assoziationen zu dem Thema in der Lerngruppe zu teilen. Dies kann dann Grundlage für die gemeinsame Bearbeitung sein.

Solch eine ‘Fragesammlung vorab’ ist eines von vielen Beispielen für eine asynchrone Kollaboration, die sehr vielfältig bei virtueller Klassenführung eingesetzt werden kann. Lernende können gemeinsam brainstormen, an Texten schreiben oder auch Mindmaps erstellen. Sie müssen dabei nicht immer zur gleichen Zeit arbeiten – und auch die Lehrperson kann sich dann, wenn es passt, einen Überblick zum Lernstand verschaffen.  

4.3 Freiarbeit/ Projektarbeit

Freiarbeit bzw. Projektarbeit ist vor allem in reformpädagogischen Schulen verbreitet. Vor dem Hintergrund zu Kompetenzentwicklung hin zu Kollaboration, Kommunikation, Kollaboration und Kritischem Denken, bietet sie sich aber auch darüber hinaus für zeitgemäßen Unterricht an. 

Die grundsätzliche Idee von Freiarbeit/ Projektarbeit ist, dass Schülerinnen und Schüler sich selbstorganisiert und in eigenem Tempo mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen. Am Ende haben sie die Möglichkeit, ihren Lernerfolg selbst zu überprüfen und/ oder ihre Ergebnisse anderen z.B. in Form einer Präsentation vorzustellen. Freiarbeit/ Projektarbeit kann dabei immer auch kollaborativ in Gruppen von mehreren Lernenden gestaltet werden. 

Eine einfache Umsetzung dieser Lernform, die schon ab der Grundschule funktioniert, ist die so genannte Forscherzeit. Sie funktioniert in drei Schritten:

  1. Lernende wählen sich ein Thema und überlegen sich zu diesem Thema für sie relevante Fragen. 
  2. Lernende machen sich auf die Suche nach Antworten. Sie können dazu zum Beispiel im Internet recherchieren. 
  3. Lernende präsentieren ihre gefundenen Antworten in der Klasse und erhalten Feedback. 

Vor dem Hintergrund virtueller Klassenführung ist diese Lernform relevant, weil die Freiarbeitsphasen immer auch virtuell unterstützt werden können – unabhängig davon, ob sich Lernende an einem gemeinsamen physischen Ort aufhalten oder nicht. Lehrkräfte können zum Beispiel eine kollaborative Sammlung in einer Taskcard anregen oder dazu einladen, die Fragen und Antworten in einer Lernplattform zu sammeln. Auf diese Weise ist immer virtuelles Feedback möglich.  

4.4 Patenschaften und kollektives Berichtssystem

Patenschaften sind eine gute Möglichkeit, um die Zusammenarbeit unter Lernenden zu stärken und allen eine Beteiligung zu ermöglichen. Im einfachsten Fall sind jeweils zwei lernende Personen füreinander verantwortlich. Wenn eine Person fehlt, berichtet ihr die andere Person, was sie verpasst hat. 

Dieses Patenschafts-Modell kann in Hinblick auf virtuelle Klassenführung in einem ausgeweiteten Modell für die gesamte Klasse genutzt werden. Es wird dann zu einer Art kollektivem Berichtssystem. Das bedeutet: Reihum ist eine lernende Person für einen Kurzbericht verantwortlich. Dazu schreibt sie auf, was in der Klasse gelernt und gemacht wurde. Dieser Bericht wird beispielsweise in der Lernplattform als eine Art ‘Klassentagebuch’ eingestellt. Auf diese Berichte haben alle Lernenden jederzeit Zugriff. Sie können genutzt werden von Schülerinnen und Schülern, die z.B. wegen Krankheit fehlen. Ganz genauso können aber auch andere Schülerinnen und Schüler die Einträge zur Nachbereitung nutzen. Für die Lehrperson sind die Berichte eine Möglichkeit, um zu sehen, ob alles verstanden wurde bzw. ansonsten zu intervenieren.

4.5 ‚Quasselstunde‘ und Internetquatsch

Während der Zeiten des Distanzlernens haben einige Lehrkräfte mit ihren Klassen so genannte Quasselstunden veranstaltet. Quasselstunde bedeutet, dass eine Lerngruppe ohne direktes Lernziel in einer Videokonferenz zusammenkommt. So soll ein gemeinsamer Raum für Austausch und auch für Spielerei und Lachen geschaffen werden.

Außerhalb von Zeiten des reinen Distanzunterrichts ist solch eine Quasselstunde wahrscheinlich weniger wichtig. Doch auch bei virtueller Klassenführung in anderen Modellen sollte immer beachtet werden, dass ausreichend Freiraum in dieser Art im Rahmen der virtuellen Kommunikation bleibt. 

Hier sind ein paar Ideen, wie dieser gestaltet werden kann: 

  • Über den Messenger wird zu Wochenbeginn ein schönes Bild zur Motivation geteilt. 
  • Nach einer geschafften Lernherausforderung wird eine kleine Belohnung z.B. ein Lied oder ein Sticker geteilt.
  • Einfach so und für zwischendurch gibt es Internetquatsch zur Auflockerung. Eine kuratierte Sammlung zur Auswahl findet sich z.B. auf der Website Internetquatsch.de.  

👉 Jetzt sind Sie dran!

Überlegen Sie sich, welche Formate sich für Ihre Lehr-Lern-Situation eignen. Sie können die unterschiedlichen Beispiele dabei auch miteinander kombinieren.

5. Weiterlesen

Wenn Sie einzelne Themen vertiefen möchten, finden Sie hier ergänzende Blogbeiträge:

  • Feedback ist das wahrscheinlich wichtigste Element im Rahmen virtueller Klassenführung. In diesem Blogbeitrag erfahren Sie mehr darüber, wie Feedback in einer Kultur der Digitalität gestaltet werden kann. 
  • Flipped Lernen kann auf unterschiedliche Art und Weise gestaltet werden. Dabei kann nicht nur Input geflipped werden. In diesem Blogbeitrag werden weitere Möglichkeiten vorgestellt. Geschrieben ist der Beitrag aus der Perspektive von Fortbildungen. Vieles ist aber auf die Schule übertragbar.
  • Soziale Präsenz lässt sich auch in virtuellen Lernformaten etablieren. In diesem Blogbeitrag werden 10 Ideen vorgestellt, die für die virtuelle Klassenführung genutzt werden können.  


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