Stationenlernen als Fortbildungsformat

'Stationen' kennen die meisten Lehrenden aus dem Kontext des selbstorganisierten Lernens. Als eigenes Fortbildungsformat ist es dagegen weniger verbreitet und von der Gestaltung her auch nicht unbedingt deckungsgleich. Bei der Edunautika Anfang des Jahres in Hamburg habe ich Stationen im Fortbildungskontext zum ersten Mal in einem größeren Kontext und als längeren Programmpunkt bewusst gestaltet kennen gelernt. Auf der Tagung #60Jahre Naumburg in der ver.di Jugendbildungsstätte am vergangenen Wochenende haben wir die Idee im Vorbereitungs-Team erneut aufgegriffen. Im folgenden möchte ich Erfahrungen und Ideen des Konzepts teilen sowie zum Nachmachen ermutigen.

Was meint Stationenlernen im Fortbildungskontext?

Stationenlernen aus Teilnehmenden-Perspektive lässt sich ein bißchen fassen als ein großer 'Markt der Möglichkeiten': Teilnehmende können aus einer Vielzahl von thematischen Stationen, die für sie relevanten aussuchen. An der jeweiligen Station können sie etwas erkunden, ausprobieren, ihre Fragen stellen und sich austauschen. Empfangen werden sie von einer betreuenden Person, die sich in dem Thema auskennt, ihre Erfahrungen teilen möchte und auf die Fragen und Erfahrungen der Teilnehmenden gespannt ist. Hinzu kommen weitere Teilnehmende, die ebenfalls an dem Thema interessiert sind und deshalb auch zu der jeweiligen Station gehen. Wie lange jeweils an einer Station verweilt wird, liegt im Ermessen der Teilnehmenden. Es gibt weder einen festen Zeitplan zum Besuch der Stationen, noch eine Mindest- / Maximal-Zahl an Stationen, die besucht werden müssen.

Wann eignet sich Stationenlernen für eine Fortbildung?

Stationenlernen als Fortbildungskonzept greift zahlreiche Ansätze von offenen Veranstaltungsformaten wie Barcamps auf: Teilnehmende haben kein vorgefertigtes Programm, sondern stellen sich ihre Stationen je nach eigenem Interesse zusammen. Das Format ist informell: man duzt sich und die Stationen sind offen, d.h. man kann jederzeit dazu kommen und auch wieder gehen. Vor diesem Hintergrund lässt sich in kurzer Zeit, sehr viel und sehr gezielt lernen. Gerade bei Digitsalisierungsthemen, wenn es häufig auch darum geht, anfängliche Berührungsängste abzubauen und ein bestimmtes Tool / eine Methodik praktisch auszuprobieren, sind Stationen ein aus meiner Sicht sehr geeignetes Format. Anders als z.B. in einem Workshop kommt man gleich zur Sache, es gibt kaum Hürden zum Fragen stellen und der Austausch ist für alle Beteiligten in der Regel sehr bereichernd.

Das Format ist besonders für größere Gruppen geeignet (ab ca. 30 Teilnehmenden.) Je höher die Zahl der Teilnehmenden, desto mehr Stationen können sinnvollerweise angeboten werden. In Naumburg kamen ca. 40 Teilnehmende auf 14 Stationen.

Was muss vorbereitet werden?

Inhaltlich und konzeptionell geht es in erster Linie um die Festlegung der Themen und um die Suche nach geeigneten ReferentInnen als betreuende Personen an den Stationen. Hierzu können Themen unter den Teilnehmenden im Vorfeld erfragt werden und/ oder es gibt ein bereits erarbeitetes Fortbildungsinteresse in der ausrichtenden Organisation.

Außerdem zahlt es sich aus, sowohl die ReferentInnen als auch die Teilnehmenden gut auf das Format vorzubereiten und ihnen den Hintergrund dazu erläutern. Bei den Teilnehmenden kann dies im Rahmen der Einladung und dann am jeweiligen Tag als Einstieg passieren. Den ReferentInnen sollte bereits mit der Anfrage weitergegeben werden, was von ihnen erwartet wird (Bereitschaft, Informationen und Erfahrungen zu teilen, flexibles Eingehen auf die Fragen der Teilnehmenden, Moderation des Austausches an der Station, Vorbereitung eines Handouts o.ä. für weiterführende Fragen) und was nicht erwartet wird (kein ausgearbeitetet Vortrag!)

Organisatorisch müssen die Stationen platziert und ausgestattet werden. Dabei sollte auf einen offenen Charakter geachtet werden. Gut funktionieren mehrere Stationen in größeren Räumen mit offenen Türen. Als Ausstattung werden in der Regel benötigt: eine Pinnwand, die die ReferentInnen selbst bestücken dürfen, Flipchart und/ oder Moderationsmaterial sowie bei Einsatz digitaler Geräte - Steckdosen und funktionierendes WLAN. Zusätzlichen Ausstattungsbedarf können ReferentInnen mitbringen oder im Vorfeld anfragen.

Wie läuft die Fortbildung praktisch ab?

Zu Beginn ist ein gemeinsamer Einstieg im Plenum hilfreich. Hier kann das Konzept erläutert, die ReferentInnen vorgestellt und die Stationen räumlich erläutert werden. Zeitlich kann sich Stationenlernen bei einer ausreichenden Anzahl an Stationen durchaus über einen ganzen Tag erstrecken, doch auch kürzere Varianten sind denkbar. Bei der Edunautika waren die Stationen z.B. nachmittags am Vortag des dann folgenden Barcamps.

Die Stationen selbst sollten nicht 'von oben' und in Gänze strukturiert werden. Stattdessen sollten den ReferentInnen die Freiheiten eingeräumt werden, ein 'Programm' oder bestimmte zeitliche Angebote für ihre Station zu machen. Diese können direkt an der Station visualisiert werden. Flexibles Dazukommen sollte aber überall möglich sein. Pausen können sowohl von den Teilnehmenden als auch von den ReferentInnen zwischendurch flexibel gestaltet werden. Bei Tagesveranstaltungen ist hier z.B. ein Zeitfenster fürs Mittagessen hilfreich, so dass das Programm nicht insgesamt unterbrochen werden muss.

Bei einer Tagesveranstaltung bietet sich ein gemeinsamer Abschluss im Plenum an. In Naumburg haben wir hier die Methode eines World-Cafés gewählt und in jeweils 10 Minuten uns in wechselnden Gruppen zum Tag ausgetauscht. Leitfragen waren z.B. 'Was möchtest Du den anderen zeigen? Was hat Dir gefehlt? Was nimmst Du mit? / Was sollte von Seiten der Organisation mitgenommen werden? etc.

Texte zum Weiternutzen

Um Dir die Konzeption und Durchführung einer Fortbildung im Stationen-Format möglichst einfach zu machen, kannst Du die folgenden Texte gerne weiternutzen. Sie sind unter CC0 freigegeben: