Wir Menschen können lernen!

Auf dem Fußboden liegen Zettel, die groß mit den Worten: Zukunftsgestaltung, Ermächtigung, l(i)ebenswerte Welt beschrieben sind.

Ich bin auf der Rückfahrt von einer Veranstaltung. Noch heute Vormittag hätte ich diesen Beitrag als ‚Fail‘ eingeordnet. Seitdem kam aber so vieles und so intensiv in Bewegung, dass ich die Tage vielmehr als sehr wichtigen Lernprozess einordne. Ich möchte hier nicht über Hintergründe und Verlauf schreiben, weil ich das mit den anderen Beteiligten nicht abgesprochen habe. Sehr gerne teile ich aber drei Learnings von mir, die ich sehr ermutigend finde und die vielleicht auch für andere hilfreich sein können:

  1. Der Satz ‚Störungen haben Vorrang‘ ist in der Pädagogik weit verbreitet. Ich habe ihn bislang überwiegend so verstanden, dass Lernen unmöglich ist, wenn eine Störung vorliegt und deshalb eben diese erst behoben werden muss. Ich würde hierbei nun ergänzen, dass es gar nicht nur darum geht, den Weg für Lernen wieder freizuräumen, sondern dass Störungen und Irritationen im Sinne von ‚Das klappt nicht so, wie ich oder wie wir uns das gedacht haben‘ ein sehr, sehr großes Lernpotential im Sinne von Wachstum und Selbstentwicklung für alle Beteiligten haben können.
  2. Pädagogik ist an vielen Stellen immer noch so viel mehr Einzelkämpfer*innentum als Zusammenarbeit und auch gesamtgesellschaftlich gilt in so vielen Bereichen immer noch das Ideal, Herausforderungen auf sich allein gestellt bewältigen zu müssen. Das ist nicht nur individuell wirklich blöd, sondern auch in Hinblick auf gemeinsames Lernen. Denn wenn ich in einer pädagogischen Situation ehrlich sage, dass ich mich mit einer Herausforderung allein und überfordert fühle, dann gibt es dadurch ja nicht nur für mich die Perspektive, dass mir geholfen wird, sondern vor allem ermögliche ich anderen Menschen, sich zusammenzuschließen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, wobei alle gemeinsam so viel lernen und weiterkommen können.
  3. Es ist so wertvoll und hilfreich, immer wieder am eigenen Vertrauen zu arbeiten, dass Menschen ‚im Grunde gut‘ sind, wie Rutger Bregman schon vor einigen Jahren schrieb. Weil wir alle – mal mehr und mal weniger – in systemischen Zwängen stecken und dadurch natürlich auch in unseren Handlungen und Verhaltensweisen geprägt sind, kann man das leider so leicht aus dem Blick verlieren. Dann kann es so schnell passieren, dass Menschen in eine bestimmte Schublade einsortiert und von einer offenen und vertrauensvollen Zusammenarbeit Abstand genommen wird. Ich nehme mit, wie wichtig es ist, das immer wieder zu reflektieren, um gemeinsam vorankommen zu können.

Mein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten! ♥️


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