An einer Pinnwand hängt ein handschriftlicher Zettel mit den Hashtags leicht/ unbeschwert, fröhlich und neugierig.

Nach vier Wochen selbst gewählter Auszeit bin ich wieder zurück am Schreibtisch – mit sehr vielen Ideen im Kopf und ganz viel Motivation.

Ich bin bewusst sehr offen an meine Auszeit herangegangen. Das bedeutet: Ich hatte keine festen Vorhaben oder Pläne, sondern wollte einfach auf mich zukommen lassen, was entsteht. Rückblickend kann ich sagen, dass das genau richtig war! Anders als ich erwartet hatte (Ich dachte, dass ich vor allem Ruhe und Pause brauche), habe ich ziemlich viel gelesen und dabei einiges Neues entdeckt. Jetzt habe ich eine lange Liste mit Sachen, über die ich bloggen und die ich ausprobieren will und ganz viele Ideen für die Gestaltung meiner zukünftigen Arbeit.

Nebenbei habe ich mir immer Mini-Erkenntnisse notiert, die ich hier einmal gesammelt festhalte. So kann ich sie mir selbst noch einmal bewusster machen. Vielleicht sind sie auch für andere inspirierend. Gerade jetzt ‚zwischen den Jahren‘ ist ja grundsätzlich eine ganz gute Zeit für solche Reflexionen:

  1. Bildung bewegt sich immer in der Ambivalenz zwischen Anpassung und Emanzipation. Auf der einen Seite braucht es Bildung, um sich in der Welt zurecht zu finden. Auf der anderen Seite braucht es Bildung, um die Welt zu verändern. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Spannend ist, wie das immer wieder neu und sinnvoll austariert werden kann.
  2. Freude und Angst sind als Emotionen wie ein Kippbild: Man kann nicht gleichzeitig freudig und ängstlich sein. Eine spielerische Herangehensweise an das Leben kann dabei helfen, von ängstlich zu freudig zu switchen. Der Zwischenraum zwischen Reiz (= ich bin mit etwas konfrontiert) und Reaktion (= ich reagiere darauf) kann dadurch vergrößert werden.
  3. Als Mensch ist man missgünstigen Gefühlen nicht einfach ausgeliefert, sondern kann ihnen bewusst entgegen wirken. Hilfreich ist dazu zunächst innerlich ganz bewusst ‚Stopp‘ zu sagen und sich zu fragen: „Füttere ich gerade das Vergleichsmuster?“. Dann die eigenen Gefühle benennen und sie akzeptieren („Ich bin … und das ist in Ordnung.“). Daraus dann ableiten, was in der jeweiligen Situation das eigene Bedürfnis ist und sich am besten eine Handlung dafür überlegen. Außerdem hilft Verankerung im Hier und Jetzt (Was ist das Muster, was gerade abläuft? Was passiert tatsächlich?)
  4. Es ist eine gute Idee, sich die Welt um einen herum ganz bewusst zu einem Ort zu machen, an dem man sich sicher fühlt. Das gelingt zum Beispiel durch Freundlichkeit und oft einfach mit Kleinigkeiten, wie andere Menschen anzulächeln, einfach so (z.B. mit Nebensitzer*innen im Zug) in eine Konversation zu gehen, anderen zu helfen …
  5. Selbstkritik ist gut und hilfreich, aber sollte mit Selbstmitgefühl in einer guten Balance sein. Häufig kann auch ein ‚Beobachtungsabstand‘ (= das buddhistische Akzeptieren) helfen, um bewusster mit den eigenen Gefühlen umzugehen.
  6. Es gibt nicht nur fehlendes Vertrauen in andere Menschen (z.B. im pädagogischen Kontext in Lernende), sondern meist ist das sogar negatives Vertrauen (= „Ich bin mir sicher, dass die das nicht hinbekommen“). Es ist hilfreich, sich dessen bewusst zu sein, um entgegen wirken zu können. Wenn man ein Lernangebot gestaltet oder eine Veranstaltung moderiert, dann kann es zum Einstieg vor diesem Hintergrund zum Beispiel sehr hilfreich sein, allen im Raum ganz bewusst ‚bedingungslose Liebe‘ (so formuliert es Beth Jandernoa) zu schenken.
  7. Eine positive Art und Weise auf Spannungen (sowohl in der persönlichen Entwicklung, in der Pädagogik oder im Beruf) zu blicken, ist sie als Möglichkeitsräume für Veränderung einzuordnen. Denn eine Spannung entsteht oftmals aus dem Widerspruch zwischen dem Ist-Stand und der Möglichkeit, wie etwas sein könnte.
  8. Mit dem so genannten Adaptive Leadership wird versucht, nicht primär technische Probleme zu klären, sondern Entwicklungsräume zu schaffen, in denen gemeinsam gestaltet werden kann. Das ist ein hilfreicher Ansatz z.B. auch in der KI-Debatte in der Bildung, die eben gerade nur zu einem sehr kleinen Teil ein technisches Problem ist.
  9. Angesichts von Herausforderungen ist oft weder übertriebener Optimismus, noch Pessimismus hilfreich. Stattdessen geht es um Akzeptanz (Das ist die Situation!), Bereitschaft zur Gestaltung (Wir haben es in der Hand, was wir daraus machen) und Zuversicht (Das kann gelingen!). Um das zu erreichen hilft es, die Realität um einen herum in all ihrer Vielschichtigkeit wahrzunehmen, denn auch hier ist es niemals so, dass alles ganz schrecklich wird oder alles ganz toll ist, sondern es gibt immer viele Gegen- und Zwischenentwicklungen.
  10. Stillstand und Unzufriedenheit entsteht nicht nur, weil eine angenommene negative Zukunft vor einem liegt, sondern vor allem, wenn eine uninspirierte Zukunft vor einem liegt. (Ich lasse es einfach laufen, aber weiß nicht, wo ich hinwill). In diesem Sinne können auch gesellschaftliche Krisen als fehlende Inspiration für die Zukunft gedeutet werden.
  11. Es ist eine sehr hilfreiche Übung, bewusst besseres Zuhören zu lernen. Das bedeutet insbesondere, nicht nur Informationen aufzunehmen, sondern auch empathisch mitzudenken (= Aus welcher Situation agiert mein Gegenüber?) und schöpferisches/ generatives Zuhören zu praktizieren (= Ich höre, was entstehen könnte.)
  12. Selbstsichere Posen (insbesondere: geöffnet und Raum einnehmend) führen dazu, dass man tatsächlich auch selbstsicherer wird. Das ist eine hilfreiche Erkenntnis z.B. zur Nutzung vor Vorträgen oder ähnlichem. (Ausführlich in diesem Ted-Talk)
  13. Weder in der Komfortzone noch in der Stresszone kommt es zu gutem Lernen. Die pädagogische Kunst ist hier, beide Pole hin zu einer Lernzone auszubalancieren.
  14. In der Psychologie kennt man die so genannte ‚allostatische Last‘. Das sind Verletzungen oder Überforderungen, die sich mit der Zeit immer mehr im Körper ansammeln. Sich dessen bewusst zu sein, ist hilfreich. Denn sonst versteht man gar nicht, warum plötzlich – angesichts einer vermeintlichen Kleinigkeit – alles für einen zusammenbricht. Das ist dann wie ein Tropfen, der alles zum Überlaufen bringt. Auch deshalb sind regelmäßige Pausen und Erholung wichtig.
  15. Ein systemischer Blick ist gerade im Bildungskontext super hilfreich. (Wenn eine Pflanze schlecht wächst, würde ich niemals die Pflanze beschimpfen, sondern mir über die Beschaffenheit ihrer Umgebung Gedanken machen. Genau das fehlt aber oft in der Pädagogik)
  16. Es ist ein sehr großes Privileg, funktionieren zu können, aber es nicht zu müssen.

Ich freue mich, jetzt wieder mit dem Bloggen zu beginnen. Insbesondere möchte ich noch einige Buchnotizen festhalten und auch eine Projektskizze zu einem Vorhaben notieren, das ich 2026 gerne angehen möchte.


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Reaktionen im Fediverse
2 Antworten
  1. @nele

    Hoffentlich hast du dich gut erholt! 👍

    1. Oh ja, ich hatte eine sehr gute Zeit!

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