Schutzraum Schule?

Ankündigung einer Veranstaltung mit Bildern von Quentin Gärtner, Florian Nuxoll, Katharina Scheiter und Nele Hirsch

Gestern Nachmittag fand eine vom Forum BD organisierte Online-Veranstaltung zum Thema Smartphone-Nutzung an Schulen statt. Ich habe aus pädagogischer Perspektive einen Einstieg gegeben und dann gemeinsam mit Katharina Scheiter, Florian Nuxoll und Quentin Gärtner gemeinsam diskutiert.

Inzwischen ist auch die Aufzeichnung verfügbar:

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Nach der Veranstaltung war ich eher unzufrieden, weil ich den Eindruck hatte, dass wir in der Diskussion nicht wirklich weitergekommen sind. Das ist keine Kritik an Moderation oder Mitdiskutant*innen, sondern vor allem an mir selbst. Ich hatte ja schließlich den größten Teil der Redezeit.

Mein Versuch war es, mit einem ziemlich ausführlichen Disclaimer einzusteigen, bei dem ich auf das langsame Denken orientiert und sinngemäß dargestellt habe, dass unterschiedliche Perspektiven uns weiterbringen können und dass wir die bei diesem Thema oft vorhandene emotionale Betroffenheit reflektieren müssen, um gemeinsam zu guten Lösungen zu kommen. Anschließend habe ich mehrere Impulse aus meiner pädagogischen Perspektive geteilt. Hier zum Nachlesen:

Die Diskussion war dann ein sehr höflicher Austausch mit vielen Berichten aus Lehrer- und Schülerperspektive sowie aus der Wissenschaft. Außerdem haben wir uns über die Herausforderung von Medienpädagogik unterhalten. Dem Chat nach zu urteilen, war es für viele Zuhörende aufschlussreich.

Im Nachhinein ist mir allerdings aufgefallen, dass wir an zwei für mich sehr grundlegenden Fragen doch eher vorbei gegangen sind, auch wenn es immer mal wieder angesprochen wurde:

  1. In wie weit ist ‚Störungsfreiheit‘ im Unterricht ein wichtiges Ziel?
  2. In wie weit ist Schule ein ‚Schutzraum‘ bzw. sollte einer sein?

Beide Fragen thematisieren sehr grundsätzlich die Rolle von Unterricht und von Schule. Je nachdem, welche Vorstellung man hier hat, wird auch der Blick auf Smartphones unterschiedlich sein. Darum würde es sich für zukünftige Veranstaltungen vielleicht lohnen, gezielt mit diesen Fragen zu beginnen – und es wäre wahrscheinlich sinnvoller gewesen, in meinem Impuls genau auf diese Fragen zu fokussieren.

Meine Antworten sind hier sehr stark vom Zitat von Reinhard Kahl geprägt: „Zukunft entsteht in radikaler Gegenwart“. Daraus lässt sich ableiten, dass es weniger um ‚Störungsfreiheit‘ geht, sondern Störungen gezielt als Lernherausforderungen verstanden und gemeinsam reflektiert werden sollten. Und Schutz würde ich eher als ‚Freiraum und Unterstützung zum Ausprobieren und Erkunden‘ verstehen. Aber natürlich gilt auch hier, dass es ein ‚Sowohl als auch‘ statt ‚Entweder Oder‘ braucht. Also: Es braucht natürlich als Grundlage, dass es nicht nur Störungen gibt, sondern ein gemeinsames Lernen möglich sein muss. Und es gibt klare Grenzen, was Kindern und Jugendlichen zugemutet werden kann. Damit sind wir dann aber schnell auch wieder bei der netzpolitischen Herausforderung, das Internet zu einem besseren Raum für uns alle zu machen.

Für mich war es die erste öffentliche Diskussion gezielt zum Thema Smartphoneverbote – und vor diesem Hintergrund verbuche ich die Veranstaltung vor allem auch als Lernen für mich selbst. :-)


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