Reflexion zu Karpathys LLM-Wiki-Idee

Grafitti auf dem Boden mit Schriftzug: Internet.

Karpathys LLM-Wiki-Idee ist auf den ersten Blick faszinierend: Statt einem Sprachmodell jedes Mal aufs Neue eine Wissensbasis zur Durchsicht zu geben, lässt man es durch eigene Fragen, Kuratierung und Interaktion ein sich immer weiter entwickelndes Wiki aufbauen. Es bleibt dann nicht mehr wie bei der RAG-Version bei einzelnen Wissensbausteinen, sondern Wissen wird vernetzt, strukturiert und verdichtet. Wir können Technologie so nutzen, dass sich Wissen vermehrt. Das klingt erstmal großartig.

Worüber ich mir Gedanken mache, ist die Logik, die aus meiner Sicht überwiegend dahinter steht.

  • Sie ist im Kern extraktiv: Das für das LLM Wiki verwendete Wissen wird aus dem Netz gezogen und lokal verarbeitet, d.h. losgelöst von den Quellen.
  • Die Nutzung ist vor allem auf Kontrolle ausgerichtet: Ich versuche immer mehr Wissen für mich zu beherrschen, um individuell möglichst effizient voranzukommen.
  • Die Rückkopplung wird zu wenig mitgedacht: Wissen aus dem Internet wird in das private LLM Wiki kuratiert. Aber was fließt zurück?

Im Grunde baut sich hier jeder dank technologischem Fortschritt bei LLMs sein eigenes kleines WWW nach. Und wer das am besten beherrscht, kommt am weitesten voran. Aber war das nicht einmal anders gedacht? War das Internet nicht die Idee, Wissen zu teilen, zu verbinden und gemeinschaftlich anzureichern?

Ich frage mich, ob die eigentlich spannende Richtung nicht eine andere wäre: Nicht ein privates LLM Wiki, sondern eine Technologie, die uns hilft, gemeinsam an Wissen weiterzuarbeiten und die kollektiv gedacht bei Strukturierung, Vernetzung und Vermehrung unterstützt. Das bedeutet: Nicht extrahieren, sondern beitragen. Nicht private Wikis generieren, sondern gemeinschaftliche Wissensorganisation voranbringen. Nicht vorrangig für sich arbeiten, sondern die digitale Allmende stärken.

An diesen Nordstern einer gemeinschaftlich gestalteten und genutzten sowie einer gemeinwohlorientierten Technologie finde ich es spannend, weiter gemeinsam nachzudenken.


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Reaktionen im Fediverse
2 Kommentare
  1. @nele Aber hast du dann nicht vom Gedanken (einziger Unterschied KI) wieder so etwas wie Wikipedia? Die Idee ist gut, aber kann man es mit den Menschen machen? Ich sage nur Editwar. Und kann nicht durch negative Beiträge und Desinformation die von dir so mühsam aufgebaute Wissensbasis kompromitiert werden? Wie könnte man das verhindern? Wer hat die Hoheit über die Daten? Grüße

    1. Danke für deine Gedanken dazu.
      Ich versuche diese Technologie-Perspektive gerade zusammen zu bringen mit dem, was ich im Kontext der ‚Inner Development Goals‘ gelernt habe. Die wichtigste These war hier: Die Krisen dieser Welt liegen ursächlich in einer Trennung des Menschen von sich, von anderen und von der Welt begründet. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir weg von Dominanz und Kontrolle und hin zu Fürsorge und Verbundenheit.
      Wenn ich diesen Gedanken auf Technologie übertrage, dann wäre das in der Tat so etwas wie ein ‚digitale Allmende‘-System, wie die Wikipedia, das ich nicht kontrolliere, sondern in dem ich mich beteilige.

      Und ja: Wie sich das genau umsetzen ließe, weiß ich auch noch nicht. Ich versuche gerade für mich erstmal den ‚Nordstern‘ zu entwickeln.

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