Anfang dieser Woche ging bei uns in Sachsen-Anhalt die Schule wieder los. Ich bin seitdem wieder regelmäßig am Schreibtisch. Dabei merke ich, dass ich mein Lerntagebuch gerne wieder richtig aufnehmen will. Sonst geht so viel verloren, was an spannenden Dingen passiert. Ich starte deshalb erst einmal mit einem kleinen Recap von gestern:
Ich hatte erstens ein gutes Gespräch mit Ulrike Linz aus Hessen zur Vorbereitung einer Veranstaltung im November. Ich habe Hessen in meiner Arbeit bis jetzt nur wenig im Blick. Es scheinen mir dort aber einige spannende Projekte zu laufen. Insbesondere die Gestaltung von pädagogischen Tagen als zwei Halbtage mit einer kollegialen Selbstlernphase dazwischen. Aus dem Gespräch nehme ich außerdem die Idee mit, bei der Auftragsklärung nicht nur direkt mit den Vorgesetzten/ Leitungen zu sprechen, sondern möglichst vielfältige Perspektiven aus der Teilnehmenden-Gruppe mit einzubinden.
Danach habe ich zweitens mit Tobias Thiel von der evangelischen Akademie in Wittenberg gesprochen. Wir haben gemeinsam überlegt, wie wir ganz praktisch Projekte zu digitaler Mündigkeit und Offenheit im Kontext von KI bei uns vor Ort (= in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen) anstoßen können. Das scheint mir in der aktuellen Situation sehr wichtig, denn an grundsätzlichen Absichtserklärungen mangelt es inzwischen nicht mehr. Unsere erste Idee ist ein Strategie-Workshop dazu Anfang 2026 mit gezielter Einladung an Multiplikator*innen von vor Ort.
Spannend fand ich im Gespräch die Erkenntnis von Tobias, dass KI-Modelle zu ‚Faulheit‘ im Sinne möglichst wenig Einsatz für möglichst guten Output tendieren. Man kann das als Zeichen dafür werten, dass der Begriff der ‚Intelligenz‘ für diese Technologie doch irgendwie gerechtfertigt ist, weil wir als Menschen das intuitiv wahrscheinlich auch oft so versuchen. Vor allem hilft diese Perspektive aber auch bei einer kritischen Einordnung von generiertem Output. Denn sehr häufig brauchen gute Ergebnisse eben nicht vorrangig den kleinstmöglichen Einsatz, sondern eher sehr vertieftes Denken, was auch Umwege beinhaltet.
Intensiv gelesen habe ich drittens das Empfehlungspapier der Leopoldina zu Social Media Nutzung von Kindern und Jugendlichen. Mehrere Aspekte finde ich darin interessant:
- die klare Anerkennung, dass Korrelation und Kausalität bei Digitalisierung und psychischen Problemen nicht abschließend geklärt ist.
- die Darstellung, wie sehr Smartphone- und Social Media Nutzung für Jugendliche Chancen beinhaltet und gleichermaßen Risiken.
- die Darstellung, was nach EU-Vorgaben von anbietenden Unternehmen eigentlich bereits jetzt geleistet werden müsste und wie wenig davon umgesetzt wird, so dass jetzt auf das Vorsorge-Prinzip zurückgegriffen werden soll.
Mir fehlt bei den Empfehlungen eine dezidiert pädagogische Brille: Was ist wie möglich an digitaler Mündigkeit zu entwickeln? Umso mehr freue ich mich deshalb auf die Veranstaltung Smartphone-Nutzung an Schulen mit dem ForumBD am 1. September 2025, wo es genau um diese Perspektive gehen soll. Die Anmeldung und Teilnahme ist kostenfrei möglich.
Jetzt bin ich unterwegs nach Lüneburg zur Leuphana-Universität – und damit zum ersten ‚Auswärts-Termin‘ nach der Sommerpause.
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