Ich nehme zurzeit an der ‚Presencing Series 2026‚ von der von Otto Scharmer und anderen initiierten U-School teil. Das heutige Thema war ‚Reclaiming Human Agency‘. Im Fokus standen hier die Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz. Ich fand die 90 Minuten sehr inspirierend und kann es sehr empfehlen,sich die Aufzeichnung anzuschauen und daran weiter zu denken.
Der für mich wichtigste Impuls zum Weiterdenken:
Eine bessere, weil gemeinwohlorientierte und vielleicht auch wirkungsvollere KI wäre eine KI, die nicht im Sinne von Kontrolle, sondern dezentral und damit mit Potential für Verbindung gestaltet ist.
Ich habe diesen Gedanken im Fediverse noch etwas ausführlicher folgendermaßen geteilt:

Hier sind meine weitere Notizen zur Session:
- Wichtig fand ich zu Beginn den Impuls, dass es unterschiedliche Formen von Intelligenz gibt. Der Fokus liegt zurzeit sehr stark auf der so genannten künstlichen Intelligenz, die im weiteren Sinne ein Resonanzraum von den von uns Menschen in den letzten Jahren geschaffenen und digitalisierten Inhalten ist. Eine weitere Form von Intelligenz ist die organische Intelligenz, die wir in uns und in der uns umgebenden Natur wahrnehmen können. Und uns Menschen ist eine schöpferische (’social field‘) Intelligenz zu eigen, die wir besonders dann gut entwickeln können, wenn wir uns verbinden und gemeinsam ‚in die Zukunft lehnen‘.
- Wenn wir organische Intelligenz betrachten, dann ist ihr vor allem zu eigen, dass wir sie nicht kontrollieren können. Wenn wir uns mit ihr verbinden, dann kann sehr viel entstehen. Wenn wir mit diesem Blick auf künstliche Intelligenz schauen, dann wäre auch hier eine andere Perspektive möglich, wenn wir sie verbindend, statt wie bisher kontrollierend (= monopolisierte Big Tech mit Machtkonzentration) gestalten. Das würde eine Gestaltung im Sinne von Dezentralität erfordern, wie wir es zum Beispiel bei sozialen Medien mit dem Fediverse (im Gegensatz zu Social Media Plattformen, die zentralisiert und damit kontrollierend gestaltet sind) sehen.
- In meiner letzten Edumail habe ich auf die Notwendigkeit von dynamischer Spannung – wo stehen wir und wo wollen wir hin? – verwiesen, um zu Entwicklung und Lernen zu gelangen. Sehr schön dazu passend fand ich in der Session die Darstellung, dass Veränderung vor allem auch durch die Spannung angetrieben wird, auf der einen Seite eine sehr große Trauer angesichts so viel Gewalt und Zerstörung in dieser Welt zu empfinden und auf der anderen Seite eine große Liebe zur Natur, zu anderen und zu uns selbst. Veränderung kann also entstehen, wenn wir zulassen, sowohl unsere Trauer um die Welt, als auch unsere Liebe zur Welt zu fühlen.
- Die Frage, was uns als Menschen im Gegensatz zu KI ausmacht, wurde in der Session insbesondere damit beantwortet, dass Menschen fähig zu Liebe sind. Und es gab den optimistischen Zusatz, dass Liebe regenerativ ist, sich immer wieder erneuert und ausweitet. (Wenn ich jemanden anlächle, dann kommt ein Lächeln zurück; Umarmungen ziehen weitere Umarmungen nach sich.)
- Ich mochte sehr gerne den Verweis darauf, dass Großzügigkeit etwas ganz Wunderbares und vor allem dann sehr wirkungsvoll ist, wenn man mit der Welt und mit anderen verbunden ist. Denn wenn ich dann etwas vielleicht auch nur Kleines gebe, dann kann ganz viel daraus entstehen und wachsen. Mit versuchter Kontrolle über die Welt kann dagegen nur so viel weniger entstehen.
- Ein weiterer Gedanke und ein Begriff war: Proprietäre, kontrollierende Technologie setzt auf Big Data. Offene, verbindende, dezentrale Technologie hätte ‚Deep Data‘ zur Grundlage. Sie könnte organische, künstliche und schöpferische Intelligenz verbinden. Um Deep Data in uns zu kultivieren und zu entwickeln, können wir unseren Körper als Portal nutzen.
- Deep Data, Verbindung, Bereitschaft zu Dezentralität etc. setzt Demut voraus: Ich muss und sollte darauf verzichten, meinen Impact messen zu wollen. Da ich verbunden bin mit dieser Welt, ist das ohnehin nicht möglich. Zentralisierte Plattformen organisieren aber Technologie genau um diesen Gedanken herum.
- Dargestellt wurde außerdem die Perspektive: „From Critical Mass to Critical Yeast“. Für Veränderung ist oft nicht die Quantität entscheidend, sondern die Qualität der Verbindungen, so dass etwas Wachsen kann.
- Sehr hilfreich und wunderbar weiternutzbar fand ich eine direkte Körperübung in der Session, angelehnt an das Social Presencing Theatre. Diese beinhaltete mehrere Schritte:
- Eine Herausforderung (= ‚Stuck‘) verkörpern, dazu überlegen: Welche Kräfte formen dich? (Dieses Feststecken ist – wenn wir es uns bewusst machen – wie ein Samen, aus dem etwas entstehen kann)
- In den Körper spüren und ihn entfalten lassen: Wo will ich stattdessen hin? (Der Samen kann wachsen)
- Beobachten, wie auch andere sich entfalten und aus dieser Verbundenheit Kraft schöpfen. (Wir wachsen gemeinsam)
Wenn du Interesse an den weiteren Sessions dieser Reihe hast, kannst du dich hier (auf Spendenbasis) dazu anmelden.
Auf meine ‚Näher anschauen und ansehen‘-Liste kommt dieser Link zum Film-Trailer und weiteren Infos ‚The AI Doc. How I became an Apocaloptimist.‘
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