Mit dem Aufkommen von sogenannten KI-Agenten (= Technologie, der ich direkten Zugriff auf bestimmte Anwendungen auf meinem Gerät gebe und diese Anwendungen dann nicht mehr selbst nutze, sondern vermittelt über ein KI-Modell) wird gerade viel durcheinander gewirbelt.
So stelle ich bei mir selbst fest, dass ich hier manche pädagogische Praxis überdenken und andere Herausforderungen dafür neu aufgreifen muss. Insbesondere gilt das im Bereich der Erstellung von Bildungsmaterialien. Denn vor allem hier potenziert sich mit agentischer KI nochmals die Gefahr des Irrwegs, mit dieser Technologie einfach nur im Sinne eines Zementmischers Bestehendes zu verfestigen, anstatt im Sinne von Komposterde neu zu denken.
Die Komposterde-Variante ist für mich in diesem Bereich, dass ich als lehrende Person noch viel mehr als ohnehin schon immer auch lernende Person sein muss. Und ich muss Technologie und die damit verbundenen Möglichkeiten als selbstverständlichen Teil von Lernen betrachten. Lernen endet in diesem Sinne nicht an der Schädelgrenze, sondern bezieht die uns umgebenden Ressourcen mit ein.
Übergreifend möchte ich vor diesem Hintergrund drei Aspekte für meine pädagogische Arbeit im Bereich der digitalen Bildungsmaterialerstellung und speziell der Webgestaltung festhalten. Ich sehe diese Aspekte als sehr vorläufig im Sinne eines ‚lauten Nachdenkens‘ an:
1. Nicht tolle Tools für Lernende entwickeln, sondern ermächtigen, dass sie so etwas selbst lernen!
Meine erste Begeisterung über neue technologische Möglichkeiten mit KI-Agentensystemen führte zu einer hektischen Produktivität. Ich begann ein Tool nach dem anderen zu entwickeln. Das ist sicher nicht ganz verkehrt, weil es erst einmal einfach Freude macht, eine eigene Idee sehr viel niederschwelliger als früher umsetzen und teilen zu können. Pädagogisch betrachtet sollte ich aber zugleich innehalten und aufpassen, dass ich mich in dieser Begeisterung eben nicht dazu leiten lasse, sofort ein digitales Bildungsmaterial nach dem anderen für Lernende zu entwickeln. Stattdessen ist meine pädagogische Aufgabe vorrangig, über die Reflexion meines Lernens und der Gestaltung von entsprechenden Lernräumen, Lernende dazu ermächtigen, dass sie solch einen für sich produktiven Umgang mit Technologie auch selbst lernen, reflektieren und nutzen können.
2. Inspirationen verbreiten!
Insbesondere in der Erwachsenenbildung werde ich als Pädagogin nicht nur angefragt, um Lernräume zu gestalten und Lernprozesse zu begleiten. Zugleich stehe ich auch vor der Herausforderung, Inspirationen zu gutem Lernen zu teilen. In diesem Sinne bin ich also immer auch Inputgeberin. Für diese Rolle, die ich ja nicht nur in Vorträgen einnehme, sondern in meinem Fall vor allem eben auch durch Webgestaltung und Blogbeiträge, kann agentische KI auch gut im Sinne einer Ideen-Umsetzungslogik helfen. Ein Beispiel ist mein Tool Linkheftchen.de. Ich verbinde mit diesem Online-Tool, das sich in der Tat eigentlich auch jeder für sich selbst erstellen könnte, einen bestimmten Impuls. Nämlich möchte ich dazu ermutigen, das Internet gerade angesichts zunehmender Interaktion mit KI-Sprachmodellen wieder direkter als Erkundungsraum zu nutzen. Somit lassen sich über linkheftchen.de kleine faltbare Heftchen mit individuell kuratierten Links erstellen und teilen.
Wichtig an diesem Projekt ist somit gar nicht das Tool an sich, sondern der damit verbundene Impuls, den ich eben über die niederschwellige Umsetzung mithilfe von agentischer KI gut transportieren kann.
3. Mitmach-Web ermöglichen: Digitale Bildungsmaterialien als Lernräume denken
Ich möchte verstärkt Ideen entwickeln und umsetzen, bei denen es nicht ein bestimmtes Angebot von mir auf einer Website gibt, das Lernende dann für sich erschließen können. Vielmehr möchte ich solche Websites stärker in Richtung eines Mitmach-Webs denken. Nutzer*innen sollen die Möglichkeit haben, diese Website für sich spezifisch so zu entwickeln, wie sie sie haben wollen. Das hat natürlich dann erst einmal direkt die Folge, dass für sie auf dieser Website etwas Nützliches entsteht. Vor allem aber ist damit der Anspruch verbunden, dass ich zu einem neugierigen Erkunden mit sich entwickelnder Technologie ermutige. Zweitens kann ich in solche Websites Community-Aktivitäten einbauen.
Fazit
Ich finde diese Entwicklung gerade sehr spannend. Vor allem weil für mich dabei trotz aller sehr berechtigten Kritik an KI-Technologie auf systemischer Ebene gerade einiges an emanzipatorischem Potential durchschimmert. Das macht Mut und motiviert, sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen, in der solche technologischen Möglichkeiten überwiegend gemeinwohlorientiert statt nur profitorientiert entwickelt und genutzt werden.
Beitrag weiternutzen und teilen
Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY 4.0 und kann somit gerne offen weitergenutzt und geteilt werden. Hier kannst du dir den Beitragslink und/oder den Lizenzhinweis kopieren. Wenn du den Beitragslink in das Suchfeld im Fediverse (z.B. bei Mastodon) eingibst, wird er dir dort angezeigt und du kannst ihn kommentieren.
