KI-Selbstexperiment: eine künstliche Nele 🙂

Immer mehr KI-Bildgenerierungstools bieten einem professionelle Bilder von einem selbst an. Das Prinzip ist überall ähnlich: Man lädt als erstes ein paar Bilder von sich hoch (am besten Selfies vor unterschiedlichen Hintergründen, wo ansonsten nichts drauf ist). Im zweiten Schritt werden diese Bilder von dem Tool analysiert. Das braucht ca. eine Stunde. Im dritten Schritt erhält man dann ein Set von Bildern, die künstlich sind, d.h. nicht eine direkte Fotografie und auch keine Kopie eines Bildes, sondern eine Zusammenstellung der von dem KI-Tool erkannten Merkmale als neues Bild. Manches Mal kann man sich noch bestimmte Stile und Hintergründe auswählen oder die Bilder nach der Erstellung noch weiter bearbeiten. Das Ganze kostet rund 20 Euro für 100 Bilder.

Ich fand das Ganze für mich ein spannendes, medienpädagogisches Selbstexperiment (ähnlich wie ich auch bereits ein Fake-Video von mir habe generieren lassen).

Das sind meine Beobachtungen:

  • Das Modell verändert mich tendenziell in Richtung ‚klassisches Schönheitsideal‘. (Auf so gut wie allen Bildern bin ich z.B. deutlich geschminkter, als ich es auf den von mir zur Verfügung gestellten Selfies war. Ich habe ein Muttermal am Hals, was auf den Bildern nie zu sehen ist. Wenn das Bild den Oberkörper mit umfasst, dann bin ich super schmal. Die Haare sind oft wallender oder lockiger oder mit einer Profi-Frisur …)
  • Mir selbst sind die Bilder oft deutlich fremder, als anderen Menschen, vor allem, wenn diese mich nicht sehr gut kennen. Während ich sage: ‚Das bin ja so etwas von überhaupt nicht ich!‘ sagen andere Personen: ‚Ich hätte nicht erkannt, dass das KI-generiert ist. Es hätte auch ein bearbeitetes Bild aus dem Fotostudio sein können.‘
  • Die Spanne der generierten Bilder ist sehr, sehr breit. Es geht (für mich) los mit Bildern von völlig fremden Personen bis hin zu Bildern, wo zumindest eine erkennbare Ähnlichkeit besteht. Hier sind ein paar Impressionen:

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich von dieser Möglichkeit halten soll. Es scheint mir ein bisschen die erwartbare Fortsetzung von ja schon seit längerem bestehenden Filtermöglichkeiten zu sein. Auf TikTok-Videos sah ich bei entsprechender Filternutzung z.B. auch nie so aus, wie ‚in echt‘. Zugleich ist es aber eine andere Qualität. Ein bisschen kommt es mir so vor, als würde ich nicht jemanden beauftragen, mich zu fotografieren, sondern im Foto-Stil zu malen. Dabei habe ich aber keinen Einfluss darauf, wie er mich malt, sondern er orientiert sich dabei an Normen und vielleicht auch Festsetzungen, die ich nicht kontrollieren kann und die für mich auch nicht direkt transparent sind.

PS. Bei einem Vortrag in Schwelm ein paar Tage später, bei dem ich zugeschaltet war, habe ich ein paar der künstlichen Bilder gezeigt, um Herausforderungen von KI zu verdeutlichen. Jöran, der die Veranstaltung vor Ort gestaltet hat, hat dabei dieses Foto aufgenommen, was ich eine sehr gelungene Gegenüberstellung von ‚echt‘ und ‚künstlich‘ finde.

Fotos von künstlicher und echter Nele bei einer Zuschaltung.


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