KI-Ganztag an der Winterhuder Reformschule

Foto von Nele vor drei Stühlen mit einem Kuscheltier Papagei und Blume.

Ich hatte heute einen gleichermaßen intensiven wie lohnenden Vormittag an der Winterhuder Reformschule in Hamburg. Auf dem Programm stand für die Kolleg*innen ein Fortbildungstag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Jetzt auf der Rückfahrt möchte ich erstens festhalten und teilen, was vielleicht auch für andere Schulen und Bildungseinrichtungen zum Nachmachen von Interesse sein kann. Zweitens notiere ich auch meine eigenen Learnings und Erfahrungen.

Lohnend zum Nachmachen

Als sehr gelungen habe ich erstens den einfachen, aber gerade deshalb sehr wirkungsvollen Aufbau des Tages erlebt:

    • Start mit einem gemeinsamen Plenum und hier unter anderem auch einem Impuls von mir als Überblick zu KI.
    • Dann ein sehr schnelles Barcamp. Schnell deshalb, weil die übliche Sessiondauer von 45 Minuten auf 40 Minuten verkürzt war und nur jeweils 5 Minuten Pause zwischen den Slots waren. Auf diese Weise passten vor die Mittagspause drei Slots, was den Kolleg*innen sehr viel und vielfältigen Austausch sowie Lernen ermöglichte.
    • Jetzt am Nachmittag treffen sich die Jahrgangsteams, um das Thema in ihren jeweiligen Bereichen zu vertiefen und zu konkretisieren.

    Zweitens: Bestuhlt war im Plenum als Oval, das an zwei Seiten geöffnet war. In eine Reihe hätte das ganze Kollegium nicht gepasst. Somit war im Oval in drei Reihen gestuhlt. Trotzdem machte das auf mich von vornherein einen sehr viel partizipativeren und kollaborativeren Eindruck als die ansonsten meist übliche Reihenbestuhlung. Ich habe von dem Aufbau in der Ankommenszeit ein Foto gemacht. (Man sieht, dass die Räumlichkeiten an dieser Schule mit der großen Aula natürlich sehr luxuriös sind. Solch eine Bestuhlung wäre aber durchaus auch in einem kleineren Raum möglich.)

    Ovalbestuhlung in der Aula der WIR im Plenum zu Beginn

    Drittens fand ich sinnvoll, dass es nach meinem Impuls keine Nachfragen im Plenum gab. Ich habe stattdessen einfach eine Session zu ‚Austausch und Fragen zum Impuls‘ angeboten. Daraus ergab sich eine kleine, aber sehr intensive Runde, in der wir gezielt an den Thesen weiter gearbeitet haben. Das finde ich für alle Beteiligten sehr viel zielführender als die ansonsten üblichen Nachfragen im Plenum.

    Meine Learnings und Erfahrungen

    Ich fand den Tag auch deshalb so schön, weil ich einiges für mich selbst mitnehmen kann:

    1. Ich habe meinen Vortrag ohne Folien gehalten – unterstützt mit einer an die Kolleg*innen verteilten Vorlage für einen Kritzelmitschrieb – sowie mit klarer Unterteilung in Mikro-, Meso- und Makroebene von KI aufgebaut. Das hat aus meiner Sicht gut geklappt und das Verständnis erleichtert. Das werde ich beibehalten.
    2. Relativ neu war für mich der Aufbau des Parts zur Makro-Ebene. Ich habe mich hierbei sehr an dem orientiert, was ich diese Woche auch schon zu gemeinwohlorientierter Digitalpädagogik gebloggt habe, und ich habe es bewusst als Appell formuliert im Sinne von: Das ist ein Feld, wo wir gemeinsam noch vor großen Herausforderungen stehen. Im Kollegium der Winterhuder Reformschule fiel dieser Appell auf sehr fruchtbaren Boden, weil es im Kollegium schon einige Menschen gibt, die in eine ganz ähnliche Richtung arbeiten. So hatte eine Kollegin eine Session mitgebracht, in der sie mit dem Aufruf von Marc-Uwe Kling zum DiDay beim Chaos Communication Congress startete und die Frage stellte: Wie können wir an der WIR digitale Souveränität in unserem Medienbildungskonzept verankern? (Das finde ich im Übrigen eine großartige Frage, die sich an vielen weiteren Bildungseinrichtungen sicherlich zu stellen lohnt.)
    3. Mein haptisches Bild für die Makroebene war, dass ich mein Smartphone präpariert hatte, sodass ich darunter eine Art Mobile aufklappen konnte. Damit versuchte ich den unsichtbaren Teil des Eisbergs (= die digitale Infrastruktur und die damit verbundenen Interessen) deutlich zu machen. Das werde ich als Bild weiter nutzen; es funktioniert aus meiner Sicht gut.
    Digitale Infrastruktur als Mobile visualisiert

    Die anderen Sessions, die ich besucht habe, drehten sich sehr stark um die Frage, wie wir mit KI tatsächlich in ein vertieftes Denken kommen können. Ich habe hier immer wieder gemerkt, wie tief verankert es ist, dass KI im Sinne einer Antwortmaschine genutzt wird (= Wie können wir Lernende unterstützen, dass sie wirklich gute Prompts formulieren, die zu gut weiternutzbarem Output führen?), anstatt zu unterstützen, sich in Resonanz zu begeben, was sehr viel mehr Offenheit erfordert und z.B. bedeuten kann, die KI so zu instruieren, dass der lernenden Person Fragen gestellt werden, anstatt ihr Antworten zu geben.

    Ein zweiter Bereich, den ich interessant fand zu beobachten, war die Frage nach mehr Handlungsorientierung. Aus sehr nachvollziehbaren Gründen wird damit häufig verbunden: Weg von den digitalen Geräten und hin in die reale Welt! Hier zu einem Umdenken zu kommen, dass Digitales Teil der realen Welt ist und in dieser natürlich auch Handlungsorientierung möglich und wünschenswert ist, ist sicherlich noch ein längerer Prozess.

    Als konkrete Recherchefrage nehme ich noch einen Hinweis eines Kollegen mit, der darauf hinwies (im Kontext der Diskussion um digitale Souveränität), dass im schulischen WLAN aus behördlichen Gründen so etwas wie Startpage gesperrt sei, aber der Zugriff zu Google offen. Ich habe das direkt mal ins Fediverse als Frage weitergegeben. Hier Transparenz herzustellen (Wer sperrt was, und auf welcher Grundlage bzw. mit welcher demokratischen Legitimierung?), scheint mir ein lohnenswertes Unterfangen zu sein.

    Fazit

    Mir hat dieser Tag sehr viel Freude gemacht. Es war insbesondere sehr schön zu erleben, dass es Schulen wie die WIR gibt, an der schon ganz viel in Bewegung und aus meiner Sicht auf einem sehr guten Weg ist. Ich bedanke mich sehr für die Einladung und wünsche dem ganzen Kollegium weiterhin gutes Gelingen!

    Und wer Ähnliches erleben will, dem sei die edunautika, ein Barcamp zu Bildung im digitalen Wandel, ans Herz gelegt. Die Winterhuder Reformschule ist hier einer der Ausrichter. Die nächste edunautika ist am 18. April und man kann sich hier dazu anmelden.


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