Einordnung von und Annäherung an agentische KI

Ein Screenshot der Website workshopscreen - mit einem Workshopscreen.

Die aktuelle KI-Debatte erlebe ich als sehr Hype-gesteuert. Ständig wird irgend etwas Neues veröffentlicht, was angeblich immer gleich die nächste technologische Revolution ist. In dieser Situation ist es gar nicht so einfach, zu unterscheiden, was jetzt einfach nur Hype- und damit der bewusste Versuch der Generierung von Aufmerksamkeit ist – und wo tatsächlich tiefergehende, strukturelle Möglichkeiten neu entstehen.

Der beste Weg, um das herauszufinden, ist für mich, neu entstehende Technologie auszuprobieren. Das habe ich deshalb auch mit ‚KI-Agenten‘ getestet – und zwar mit ganz konkreten Ideen, die ich umsetzen wollte. So war das gestern mit meinem Linkheftchen Projekt. Heute habe ich darauf aufbauend dann direkt ein Update für meine Zupfzettel-Website gestaltet.

Ich habe erstens einiges dabei neu gelernt, was für Interaktion mit solchen KI-Coding Tools, speziell mit Claude Code, hilfreich ist:

  • Es ist super hilfreich, ähnlich wie eine Lernkontext-Datei, eine claude.md Datei anzulegen, indem man vorgibt, wie vorgegangen werden soll und welche Grundsätze einem wichtig sind (z.B. eine Credits-Seite anlegen für verwendete Open Source Projekte)
  • Während der Erstellung lässt sich immer zurück gehen vom Erstellungs- in den Planungsmodus. Wenn man also merkt, dass etwas nicht so funktioniert, wie man das will, dann ist das eine gute Idee. Denn meistens ist das dann ein Fehler im Konzept.
  • Es zahlt sich aus, wenn man gute Fehlermeldungen formulieren kann. Es hilft gar nichts, wenn ich schreiben würde: ‚Das funktioniert nicht!‘. Wenn ich aber schreibe: ‚Ich kann in das Formular keinen Text eingeben‘, dann ist eine erfolgreiche Korrektur viel wahrscheinlicher.

Dieses technische Lernen war aber nur ein Aspekt meines Lernens. Vor allem brachte mich dieses Ausprobieren zweitens in eine Reflexion darüber, was in Zukunft denn überhaupt noch relevant sein dürfte im Kontext von Webgestaltung und wo sich das Internet hin entwickeln könnte. Das ist mir vor allem bei meiner Zupfzettel-Website klar geworden: Wenn ich so eine Website nun deutlich schneller und funktional besser ins Internet bringen kann, als früher, dann ist das gar nicht mehr so relevant, dass ich das mache, denn es wird ja dann für alle einfacher, sich solch ein Tool auch selbst generieren zu lassen. Hier kommen wir aus meiner Sicht somit tatsächlich in einen Bereich, wo sich strukturell gerade viel ändert.

Diese Feststellung brachte mich zu einer neuen Idee, die nicht mehr nur eine bestimmte Funktion auf einer Website anbietet, sondern das mit eigener Gestaltungsmöglichkeit und auch einem Community-Aspekt verbindet: die Website Workshopscreen.de

Meine erste Idee war hier ähnlich wie beim Zupfzettel oder dem Linkheftchen. Ich dachte, dass ich für Workshopgebende hilfreiche Tools anbiete (z.B. ein Tool zur Gruppeneinteilung oder eine QR-Code Anzeige), die sie in ihren Workshops nutzen können. Solch ein Angebot ist jetzt auch weiterhin Teil der Website. Aber viel wichtiger sind weitere Bereiche:

  1. Es gibt die Option, sich – mit Unterstützung mit KI- eigene und spezifische Tools zu programmieren und diese in den eigenen Workshopscreen zu laden.
  2. Es gibt die Option, besonders gelungene Tools mit anderen zu teilen und sich auch geteilte Tools von anderen zu importieren.
  3. Und es gibt die Option, sich seinen jeweils erstellten Workshopscreeen zu sichern und beliebig weiter zu verwenden.

Im Ergebnis habe ich also nicht mehr einfach nur ein Tool online gestellt, sondern ein Tool, um sich selbst passende Tools zu erstellen und dabei auch von einer Community-Verbindung zu profitieren. Die Website ist bis jetzt noch sehr im Entwurfsstadium, aber tatsächlich schimmert für mich damit schon jetzt durch, wo das Internet sich vielleicht weiter hin entwickeln könnte: noch viel mehr in Richtung ‚Mitmach-Web‘. Das zu beobachten und darin auch selbst zu erkunden und zu gestalten, finde ich gerade ziemlich spannend!

(Mir ist klar, dass diese Betrachtung erst einmal sehr individuell-erkundend ist und Rahmenbedingungen und systemische Konsequenzen dieser Entwicklung weitgehend außer acht lässt.)

Update 10. Februar: Inzwischen habe ich das Tool ausführlicher vorgestellt und breiter geteilt.


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