Ich war zwei Tage lang bei der OERcamp Werkstatt in Detmold – und bin jetzt gestärkt, inspiriert und sehr dankbar für so viele gute Gespräche, Austausch und gemeinsames Lernen auf der Rückfahrt. Meine Rolle in Detmold war Coach für Lernkulturveränderung und KI. Zugleich begleitete ich die offene Community, d.h. diejenigen, die noch ohne oder mit einem individuellen Materialvorhaben kamen.
Praktisch sah das so aus, dass ich einen Raum hatte, dort für das Programm mehrere kurze Impulse vorbereitet hatte und die Austauschphasen ‚meiner‘ Community moderierte. Die restliche Zeit gab es ‚Sprechstunden‘, d.h. gemeinsame Beratschlagungen.

Eingebettet waren diese Aufgaben in das Gesamtformat des OERcamp als Werkstatt: Die Teilnehmenden waren hier eingeladen, die Tage zu nutzen, um ein für sie relevantes OER, also ein offen lizenziertes Bildungsmaterial zu gestalten und zu veröffentlichen.
Die Werkstatt war gut besucht. Vor allem nutzten sehr viele Pädagog*innen, die Bildung weiterdenken und transformieren wollen, das Format, um sich zu vernetzen und gemeinsam ins Gestalten zu kommen. Für mich machte vor allem diese ganz wunderbar motivierende Zusammensetzung der Gruppe den Reiz der Werkstatt aus. Ich hatte viel Freude, gerade bei meinem Thema hier zu unterstützen und gemeinsam weiter zu denken.
Meine Impulse waren sehr komprimierte Anregungen von je nur ca. 10-15 Minuten. Für dieses Werkstatt-Format fand ich das sehr passend und vielleicht eignen sie sich somit auch gut für eine Weiternutzung, weshalb ich hier einige der Impulse auch für diejenigen teile, die nicht bei der Werkstatt dabei sein konnten:
Erweiterter Blick auf OER
Zu Beginn der Werkstatt lud ich dazu ein, den Blick auf ‚Materialien‘ im Kontext von KI zu weiten und in diesem Sinne von einem Lehr- zu einem Lernmaterial zu kommen. Für diese Reflexion nutzten wir die folgende Zusammenstellung:
- Weniger reingeben – mehr Raum geben
- Weniger kontrollieren – mehr vertrauen
- Weniger fertig – mehr offen
- Weniger neu beginnen – mehr nähren
- Weniger getrieben – mehr gerichtet
- Weniger Lärm – mehr Sorgfalt
- Weniger glatt – mehr lebendig
Ich habe dazu bereits auf der Hinfahrt ausführlicher gebloggt.
Zweitens warfen wir gemeinsam einen Blick auf die verschiedenen Dimensionen eines Materials, das in diesem Sinne in einen Lernprozess integriert ist:

Neben der Dimension der objektiven Fakten und der Wissensebene, die dabei meist im Fokus steht, gibt es die Ebene des individuellen Erfahrungshintergrunds, die Ebene des Austauschs und vor allem die schöpferisch-kollaborative Ebene, auf der sich Neues entfalten kann. Diese letztgenannte Ebene finde ich besonders spannend. Angelehnt ist die Darstellung an das SIOK-Modell, über das ich hier geschrieben habe.
Drittens schauten wir uns in diesem Bereich noch an, was alles ein ‚Material‘ in diesem Sinne sein kann, zum Beispiel eben auch eine gut formulierte und begründete Frage, eine Simulation, ein Baustein, eine Kuratierung …

Was braucht gutes Lernen?
Im nächsten Impuls diskutierten wir die folgende Gegenüberstellung, die immer dem Muster folgt:
Wenn x gegeben ist, dann kann y entstehen.
- Akzeptanz → Gestaltung
- Orientierung → Irritation
- Impulse → Kreativität
- Sicherheit → Neugier
- Verantwortung → resonante Räume
- Wertschätzung → Entfaltung
- Loslassen der Kontrollillusion → Ko-Konstruktion
- Radikale Gegenwart → Ausrichtung
- Verbundenheit → Kollektive Wirksamkeit
- Staunen → Demut
Diesen Impuls empfand ich persönlich am meisten weiterführend. Wir haben die obige Liste in vielen folgenden Gesprächen immer wieder zur Grundlage genommen. Ich werde sie sicherlich auch in weiteren Veranstaltungen nutzen.
Modell des inneren Teams und Selbstbestimmungstheorie nach Deci / Ryan
Für professionelles, pädagogisches Handeln beschäftigten wir uns im nächsten Impuls mit dem Modell des Inneren Teams nach Friedemann Schulz von Thun.
Ausgangspunkt war hier eine fiktive pädagogische Situation, die uns herausfordert. Hier lässt sich dann reflektieren, welche ‚inneren Stimmen‘ sich in dieser Situation zu Wort melden – und es lässt sich überlegen, welchen Stimmen man mehr und welchen weniger Raum geben will.
Dieses Bild des inneren Team hilft vor allem auch, wenn vermeintliche ‚Widerstände‘ bei Kolleg*innen oder auch Lernenden beklagt werden. Mit dem inneren Team im Blick wird deutlich, dass man hier nicht eine andere Haltung verordnen, sondern lediglich zu einer veränderten Haltung inspirieren kann.
Sehr gut passt dazu dann das zweite in diesem Impuls vorgestellte Modell: die Selbstbestimmungstheorie nach Deci/ Ryan. Betrachtet werden hier Grundbedürfnisse, die erfüllt sein müssen, damit Lernen möglich wird. Das sind die Bedürfnisse nach Verbundenheit, nach Sicherheit und nach Wirksamkeit.
Lernreflexion
Grundlegend für gutes Lernen ist, dass Raum für Lernreflexion immer mit gedacht wird. Wir haben überlegt, wie sich solch eine Reflexion auch auf Ebene eines Materials mitdenken lässt – und diese Fragen genutzt:
- Beschreibung → Wie habe ich gelernt?
- Gefühle → Wie ging es mir dabei?
- Bewertung → Wie war das?
- Analyse → Warum war das so?
- Schlussfolgerung → Was hätte ich anders machen können?
- Handlungsplan → Wie lerne ich zukünftig?

Basis ist hierfür das zirkuläre Modell von Graham Gibbs. Ich habe es hier ausführlich verbloggt.
Weitere Impulse
Als weitere Impulse habe ich unter anderem einen Einstieg ins Fediverse gestaltet, wozu ich auf diese Mikrofortbildung dazu verlinke. Außerdem zur Veröffentlichung von Inhalten via Publii auf einer eigenen Website, wozu diese Anleitung helfen kann. Und wir haben die Inner Development Goals (IDGs) thematisiert, die hier beschrieben sind.
Außerdem habe ich einige Best-Of Formate mit Fokus auf Austausch, Sprechen und Zuhören vorgestellt und wir haben zum Abschluss Improvisationsmethoden gemeinsam ausprobiert. Das hat viel Freude gemacht!
Ich mochte dieses Mal den Ansatz, völlig ohne Schnickschnack zu präsentieren und gestalten: Alle bekamen ein Heft für individuelle Mitschriebe und Kritzeleleien – und die Impulse hatte ich ganz kurz auf Ausdrucken zusammengefasst und zugleich auf Flipcharts visualisiert. Im Kontext von KI und super professionell-anmutenden digitalen Veröffentlichungsmöglichkeiten fühlte sich das gerade durch diesen so deutlichen Bruch sehr stimmig an. 🙃
In gut zwei Wochen folgt die zweite Werkstatt in diesem Jahr – dann an der Alemannenschule in Wutöschingen. Ich bin schon sehr neugierig darauf. Es gibt wieder ein paar freie Plätze. Hier geht es zur Anmeldung und weiteren Infos.
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