Heute war zum ersten Mal eine edunautika außerhalb von Hamburg – und zwar in Hanau in Hessen. Da die edunautika zu meinen Lieblings-Barcamps gehört, war ich sehr neugierig, ob und wie solch eine Ausweitung gelingen würde. Jetzt auf der Rückfahrt halte ich dazu meinen ersten Eindruck und auch weitere Ideen und Einschätzungen zum heutigen Tag fest.
1. Mit einem Barcamp lässt sich eigentlich immer einiges voranbringen!
Ich bin immer wieder freudig erstaunt, wenn bei einem Barcamp zu Beginn aus der Moderation gefragt wird, wer heute zum ersten Mal an solch einem Format teilnimmt und dann weit mehr als die Hälfte aller Anwesenden sich meldet. Das war auch heute wieder so. Zwar sind die ‚Newbies‘ bei den Session-Angeboten dann meistens deutlich in der Unterzahl, doch das Prinzip, dass alle gemeinsam für das Programm verantwortlich sind, wird dennoch sehr schnell von allen gemeinsam gelebt.

Als eine Person, die schon bei sehr vielen Barcamps war, freue ich mich immer, wenn ich an Tagen wie heute zwischendrin viele (oft auch ungläubige Fragen im Sinne von: „Das wird doch niemals funktionieren!“) beantworten kann.
Nach solch einem Barcamp habe ich dann meistens, viel mehr als bei anderen Veranstaltungen, den Eindruck, dass ich bzw. wir gemeinsam etwas voranbringen können. Das schon allein deshalb, weil so viele der Anwesenden ein verändertes Lernen ganz konkret in der Praxis erleben und davon Teil sind.
2. Inhaltlicher Fokus der edunautika auch außerhalb der anbietenden Schulen?
Die edunautika ist aus meiner Sicht vor allem deshalb ein so spannendes Barcamp, weil sie einen für mich wunderbar passenden Fokus hat, indem sie reformpädagogische Ansätze mit Lernen im digitalen Wandel zusammenbringt. Bisher war das bei den in Hamburg stattfindenden edunautikas schon allein dadurch sehr offensichtlich, dass die gastgebenden Schulen (die Winterhuder Reformschule und die Max Brauer Schule) das Programm durch viele Teilgebende und auch durch ihre Räumlichkeiten prägten. Das war heute weniger der Fall. Trotzdem gab es zahlreiche reformpädagogisch-orientierte Sessions. Vielleicht lässt sich aber durch eine gezielte Wahl von reformpädagogischen Schulen auch außerhalb von Hamburg dieses Profil der edunautika noch besser realisieren.
3. Kinder und Jugendliche als Teilgebende
Meine beiden Kinder waren – wie auch schon bei vielen Barcamps zuvor – auch heute in Hanau mit dabei. Sie haben auch eine Session angeboten zum Thema: Wie lernt man an einer freien Schule?
Ich freue mich immer sehr darüber, wenn auch andere Kinder und Jugendliche Ähnliches machen. Gerade für die edunautika fände ich es gut, diese Möglichkeit noch stärker zu bewerben, was dann weniger ein Angebot von Kinderbetreuung, sondern mehr die Einladung zur Partizipation wäre.
4. Moderation zu Beginn: gemeinsame Sessionfindungsphase
Sehr gut gelungen fand ich die Moderation zu Beginn der heutigen Edunautika und hier insbesondere eine bewusste Sessionfindungsphase. Bereits auf der letzten edunautika in Hamburg und im Vorfeld der heutigen edunautika waren mögliche Fragen gesammelt worden, denen sich eine zukünftige edunautika stellen könnte. Diese Fragen waren auf Klebezettel notiert und auf die Stühle im Plenumsraum geklebt.

Die gemeinsame Sessionfindungsphase lief nun so ab, dass sich alle einen Zettel vom Stuhl vor ihnen nahmen und damit in einen Kartenaustausch mit Musik gingen. Das hier war die Anleitung dazu:
- Jede*r nimmt sich einen Zettel und läuft damit durch den Raum.
- Sobald die Musik stoppt, spricht man mit der nächststehenden Person.
- Beide Personen stellen sich die Themen auf ihren Zetteln vor.
- Nun bekommt die Person den Zettel, der das Thema wichtiger ist.
a. Wenn beide je ihr Thema wichtiger finden, behalten sie ihre Zettel.
b. Wenn beide je das andere Thema wichtiger finden, tauschen sie ihre Zettel.
c. Wenn beide Personen dasselbe Thema wichtiger finden, tun sie sich als Gruppe zusammen und ziehen gemeinsam weiter.

Die Fragen, die zu den ‚größten‘ Gruppen geführt hatten, wurden dann noch im Plenum vorgelesen.
Ich fand das Vorgehen erstens einen schönen inhaltlichen Einstieg und zweitens eine sehr gute Möglichkeit, um zu kollaborativ entwickelten Session-Ideen zu kommen.
Vielleicht könnte man zukünftig noch stärker auf dieses Vorhaben schon bei der Einladung hinweisen. Zumindest mir geht es so, dass ich sonst doch schon mit einer Frage oder sogar einem vorbereiteten Plan zu einem Barcamp komme. Würde ich dagegen explizit darauf hingewiesen, dass es die Idee ist, gemeinsam Sessionideen vor Ort zu entwickeln, würde ich das vielleicht anders machen.
5. Idee: Barcamp-Methoden als Pre-Session
Es gab heute in sehr vielen anderen Sessions einen sehr austauschorientierten Fokus oder die Möglichkeit, einfach nur Fragen zu stellen. Das finde ich sehr erfreulich! Ich könnte mir vorstellen, dass die Qualität des Austausches bei Barcamps wie der edunautika noch einmal deutlich gesteigert werden könnte, wenn man als einen Vorab-Workshop gemeinsam für solch einen Austausch hilfreiche Methoden kennenlernt. Das können ganz einfache Sachen sein, z.B. mit einem sehr schnellen Blitzlicht starten, so dass alle erst einmal mit ihrer Perspektive zu Wort kommen oder auch immer mal wieder ein ‚Silent Writing‘ für eine gleichberechtigtere Beteiligung zu etablieren.
Zugleich könnten auch umfangreichere Methoden vorgestellt und ausprobiert werden. Für meine Session – die ich gemeinsam mit Gratian durchgeführt habe – habe ich mir heute z.B. eine einfach weiternutzbare Methodik in Form einer Kombination aus Gruppenpuzzle und Future Backwards überlegt. Das genaue Vorgehen habe ich hier aufgeschrieben.
Vor einiger Zeit gab es bereits schon einmal Vorab-Workshops vor der edunautika. Damals zum Thema der Dokumentation. Es hat hier sehr gut geklappt, dass durch den Pre-Workshop eine Art ‚Taskforce‘ für gute Barcamp-Doku entstand, die dann entscheidend dazu beitrug, dass in vielen Sessions sehr gut dokumentiert wurde. Ähnlich könnte es auch eine ‚methodische Taskforce‘ geben.
Sehr gerne konzipiere und gestalte ich an dieser Idee gemeinsam mit anderen Interessierten – vielleicht ja für eine der nächsten edunautikas oder für ein anderes Barcamp.
Fazit
Insgesamt fand ich die heutige edunautika sehr schön und bestärkend. Herzlichen Dank ans Orga-Team, an die Heraeus Bildungsstiftung für die Finanzierung und an alle Teilgebenden für den guten Austausch und das gemeinsame Lernen!
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