Buchnotizen: Wo die Zukunft sitzt!

Ein gekritzeltes Schulhaus, daneben ein Copy und Paste Symbol und eine Glühbirne.

Im Dezember haben wir im Edubuchklub, das im Carl-Auer Verlag erschienene Buch ‚Wo die Zukunft sitzt‘ von Stefan Braun gelesen. Deutlicher wird der Inhalt des Buches im Untertitel: ‚Plädoyer für eine Schule der Möglichkeiten.‘

Die Länge des Buches ist überschaubar und damit ist das Buch eigentlich recht schnell gelesen. Ich fand es trotzdem zu Beginn, eher schwierig rein zu kommen. Der Autor skizziert hier verschiedene Ansätze, Lernen zu gestalten (einmal methodisch perfekt vorbereitet, ein anderes Mal sehr offen, jeweils aus Perspektive der Lehrkräften und der Lernenden). Anschließend kommen dann immer die eigenen Reflexionen des Autors. Das erinnerte mich an mein eigenes Buch. Ich fragte mich aber über viele Seiten immer wieder: ‚Was genau will der Autor mir sagen?‘

Das Weiterlesen lohnte sich jedoch, denn spätestens ab der Mitte wurde das Bild in meinem Kopf klarer und ich konnte gute Denkanstöße mitnehmen. Am wichtigsten fand ich für mich die Gegenüberstellung im Buch zwischen einer früheren Copy & Paste Schule: Schule musste über viele Jahre ein Schutzraum für Heranwachsende sein, in dem sie an die Welt der Erwachsenen herangeführt wurden, so dass sie in dieser dann später gestalten konnten. Das ist somit das klassische Lernen aus der Vergangenheit, was eine große Berechtigung hatte und zum Teil natürlich auch immer noch hat.

Als neue und jetzige Perspektive zeigt der Autor nun jedoch eine Welt auf, die im schnellen Wandel begriffen ist. Es bringt hier wenig bzw. reicht mindestens nicht aus, auf die Zukunft im Sinne der Welt der Erwachsenen vorzubereiten. Stattdessen könnte Schule ein Raum sein, der Jugendlichen Zeit gibt und sie dabei begleitet, eine gestaltende Perspektive auf die Welt zu finden. Jugendliche wären der Vielfalt an Möglichkeiten dann nicht mehr ausgeliefert, sondern können mit ihnen bewusst gestalten.

Referenziert wird zur Erläuterung auf das Bauhaus, was in der Architektur im letzten Jahrhundert etwas Ähnliches versucht hatte: Angesichts des Lärms und Chaos der neuen Großstädte ganz minimalistisch und funktional gestalten, um den Blick auf das Wesentliche wieder zurück zu gewinnen.

Wie so ein Schritt weg von Copy und Paste und hin zu Zukunftsgestaltung in der Pädagogik aussehen könnte, wird im Buch dann nur angerissen. Klar wird aber, dass ein Rückzug aus der Welt im Sinne einer Abschottung wie früher, wo Schule als Schutzraum gedacht war, wohl kaum funktionieren wird.

Ich habe mich mit dem Buch vor allem an die aktuelle Smartphone und Social Media-Debatte erinnert, wo ja in der Tat immer wieder das Bild vom ‚Schutzraum Schule‘ aufgemacht wird. Die Perspektive einer Schule der Zukunftsgestaltung wäre hier ein weiteres Gegenargument.

Zweitens fand ich das Buch vor dem Hintergrund der viel diskutierten Kulturtechniken spannend. An diesen könnte man sich ja versuchsweise festhalten, wenn alles in Bewegung ist. Heranwachsende müssen – so ein häufiges Argument – eben weiterhin Lesen, Schreiben, Rechnen lernen, um sich die Welt erschließen zu können. Allerdings wurde mir mit der Lektüre des Buches noch einmal bewusster, dass diese Kulturtechniken ja nicht statisch sind, sondern sich verändern. Nötig ist es also, Kulturtechniken in Verbindung mit jetziger Welt-Erschließung zu lernen, also z.B. auch unter Reflexion von Mensch-Maschine Interaktion und weiteren technologischen Entwicklungen. Ansonsten fehlt Schule die Verbindung zur Welt, die für die Rolle der Zukunftsgestaltung aber unerlässlich ist.

Mein Fazit: Eine empfehlenswerte Lektüre – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Bildungsdebatten.


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