Ich habe von Martina Heßler das Buch: „Sisyphos im Maschinenraum“ gelesen. Der Untertitel erklärt den Inhalt sehr gut. Er lautet: „Eine Geschichte der Fehlbarkeit von Mensch und Technologie.“
Das Buch ist eine historische Spurensuche zum Verhältnis von Mensch und Maschine mit der Perspektive der Fehlbarkeit. Dabei wird ein großer Bogen gespannt von den ersten mechanischen Maschinen und Automatisierung, über heutige KI-Anwendungen bis hin zu Maschinen als Teil des Körpers im Sinne von Cyborgs.
Ich fand das Buch für mich aufschlussreich, weil ich mir zuvor noch nicht so klar vergegenwärtigt habe, dass das, was wir an uns Menschen als ‚Fehler‘ charakterisieren, vor allem durch den Vergleich mit Maschinen entstand und sehr oft von technikchauvinistischen Zügen geprägt war und ist. So gibt es jede Menge Quellen, in denen beklagt wird, dass z.B. in einer Fabrik alles ganz wunderbar sein könnte, wenn bloß nicht diese unzuverlässigen und unsteten Menschen immer alles durcheinander bringen würden.
Die zweite Erkenntnis aus dem Buch war das, was im Titel anklingt: In ihrem Verhältnis zu Maschinen bringen sich Menschen immer wieder in eine Sisyphos-Rolle. Denn erst entwickeln sie eine Maschine. Durch ihre Nutzung entstehen dann wieder neue Herausforderungen. Und um diese zu bewältigen, wird die Maschine weiter aufgerüstet. Wie bei Sisyphos, der den Stein nie ganz auf den Berggipfel geschoben bekam, ist auch das potentiell eine unendliche Geschichte.
Die dritte Erkenntnis war schließlich noch, dass in der KI-Debatte ein inzwischen antiquiertes Verständnis von Maschinen in unseren Köpfen weiter lebt. Wir erwarten von KI-Sprachmodellen sehr oft eine, korrekte, objektive Antwort, wie eben auch die früheren Automatisierungsmaschinen durch eine sehr klare Regelhaftigkeit gestaltet waren. KI-Technologie ist aber nicht in diesem Sinne gebaut.
Insgesamt habe ich das Buch ein bisschen in der Erwartung gelesen, dass darin auch deutlicher zum Vorschein kommt, was die Autorin denn dann jetzt vorschlägt oder wo es hingehen könnte. Das Buch ist aber beschreibend-historisch geschrieben. Das ist keine Kritik, denn genau so wird der Inhalt im Klappentext auch angekündigt. Sinnvoll ist es aber in jedem Fall, sich das beim Lesen zu vergegenwärtigen. Es ist auf diese Weise ein Anstoß, um selbst weiter zu denken.
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