Ich habe das Buch ‚Collective Student Efficacy‘ (erneut) gelesen, weil ich zurzeit die Orientierung in der Bildung auf kollektive Wirksamkeit sehr spannend finde. Geschrieben wurde es vom Autor*innen-Team Shirley Clarke, Nancy Frey, Dougkas Fisher und John Hattie und 2021 veröffentlicht.
Diese Aspekte nehme ich unter anderem mit:
- Einfach erklärt ist mit dem Konzept ‚collective student efficacy‘ gemeint, dass Lernende überzeugt sind, dass sie gemeinsam mit anderen Lernenden mehr lernen können, als allein. Es geht also nicht einfach nur um Kollaboration als Kompetenz, sondern um Entwicklung der Überzeugung zu ihrer Wirksamkeit.
- Um ihr Lernen als sinnvoll zu empfinden, sollten Lernende drei Fragen beantworten können: Was lerne ich gerade? Wozu lerne ich es? Woher werde ich wissen, dass ich es erfolgreich gelernt habe? Bei kollektiver Wirksamkeit ist es somit eine erste Herausforderung, diese Fragen in Hinblick auf dieses Lernziel für Lernende transparent zu beantworten.
- Kollektive Wirksamkeit bildet sich aus im Zusammenspiel zwischen individuellen und kollektiven Fähigkeiten. Im Buch wird das mit ‚I-Skills‘ und ‚We-Skills‘ bezeichnet.
- Zu den ‚I-Skills‘ gehört eine gesunde Ausprägung an Selbstvertrauen. Zuviel davon ist nicht hilfreich, weil man dann anderen nicht mehr zuhört. Zuwenig ist auch nicht gut, weil man sich dann nicht traut, sich in eine Gruppe einzubringen. Daneben gibt es noch einige weitere I-Skills:

- Zu den We-Skills gehört vor allem soziale Sesibilität, wovon Empathie ein wichtiger Teil ist: Man muss ich in andere hinein versetzen können. (Um seine eigenen Fähigkeiten zu testen, z.B. die Emotion von Menschen nur anhand der Augenpartie ablesen zu können, gibt es diesen Online-Test, den ich recht spannend fand. (Die Plattform lohnt sich aus meiner Sucht ohnehin, mal genauer anzuschauen). Hier ist die Liste aller We-Skills:

- Kollektive Wirksamkeit entsteht vor allem durch konkrete und praktische Erfahrungen vom Gelingen der Gruppe. Lehrende können das unterstützen z.B. durch gezielte Anleitung.
- Als eine konkrete Methode zur Texterschließung, die erlebbar macht, dass sich als Gruppe mehr erreichen lässt, als allein, wird das Text Rendering vorgestellt: Alle lesen einen Text, alle teilen einen für sie bedeutsamen Satz dazu und ein bedeutsames Wort, alle schauen sich die geteilten Sachen an und reflektieren dazu. (Gerade im Kontext von immer mehr Text-Zusammenfassungen durch KI scheint mir das eine gute Methode zu sein.)
- Lernen für kollektive Wirksamkeit kann sehr gut mit zwei beteiligten Lernenden starten. Sehr große Gruppen sind oft eher herausfordernder.
- Insgesamt geht es um ‚independence‘ und ‚inter-dependence‘, also zugleich unabhängig und aufeinander angewiesen sein.
Ich hätte mich in dem Buch über noch ein paar konkrete Einblicke in Lerngestaltung gefreut, aber auch so finde ich das Buch – gerade als Einstieg in das Thema und um überhaupt die Perspektive hin zu kollektiver Wirksamkeit zu öffnen – sehr hilfreich.
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