Gestern und heute war ich bei der Tagung der UNESCO-Projektschulen, die in diesem Jahr in der Kulturwerkstatt in Nürnberg stattfand. Ein sehr sympathischer Tagungsort!

Die Veranstaltung bietet einen Lern- und Austauschraum für die über 300 UNESCO-Projektschulen in Deutschland. Sie setzen sich mit einem ganzheitlichen Bildungsverständnis für Demokratie, Nachhaltigkeit und Vielfalt ein.
Mein Part bei der Tagung war ein Workshop zum Thema kollektive Wirksamkeit am gestrigen Mittwoch Nachmittag und am heutigen Donnerstag ein Impuls im Plenum zu guter Lerngestaltung im digitalen Wandel mit einem anschließenden ‚Ideentisch‘ für den Austausch.
Ich war zum ersten Mal bei solch einer Tagung mit dabei. Die neugierige und offene Stimmung hat mir gut gefallen und ich freue mich über viele Vernetzungen mit interessanten Kolleg*innen, die mit viel Engagement und mir sehr sympathischen Schwerpunkten an guter Bildung arbeiten. Zugleich merke ich, dass ich die Community vorab insgesamt anders eingeschätzt hatte. Es gab doch sehr viel Optimierungsversuche innerhalb des bestehenden Systems Schule. Da hatte ich mehr neu Denken und Offenheit erwartet, was gar keine Kritik sein soll, sondern nur meine Beobachtung ist. Wahrscheinlich würde es mir sehr ähnlich gehen, wenn ich direkt Teil des Systems Schule wäre. Von außerhalb neu und anders zu denken, ist natürlich viel einfacher!
Vor diesem Hintergrund hatte ich aber vor allem mit meinem Workshop den Eindruck, dass dieser nicht wirklich passte. Ich hatte mir hier meinen Blogbeitrag ‚Können wir Lernen zu passend gestalten?‚ vorgenommen und wollte mit den Kolleg*innen daran weiterdenken. Mitgebracht hatte ich dafür einen methodischen Rahmen, in dem wir uns über Begeisterung, Offenheit und Irritation als wichtige Eckpfeiler einer nicht einfach nur passenden, sondern vor allem herausfordernden Bildung austauschten. Im nächsten Schritt brachten wir dann das Ziel der kollektiven Wirksamkeit dazu und überlegten, wie sich die drei genannten Leitsterne gerade mit diesem Ziel im Blick gut erreichen lassen.
Es gab in dem Workshop sehr lebendige und intensive Diskussionen. Ich ging dennoch mit dem Gefühl raus, dass ich die Kolleg*innen eher überfahren hatte. Wahrscheinlich wäre es wichtig gewesen, zunächst überhaupt darzustellen, worum es in dem Workshop gehen sollte und dann mehr Zeit zu lassen, um die verschiedenen Perspektiven auf die Begriffe zu klären.
Ähnlich war es dann beim heutigen Impuls: Ich hatte – ähnlich wie ich das zum ersten Mal in der vergangenen Woche bei der Klausurtagung der Hessischen Lehrkräfteakademie gemacht hatte – einen Vortrag mit viel Haptik und ganz ohne Präsentation versucht. Auch hier fand ich es allerdings schwierig, Resonanz aufzubauen.
Richtig schön fand ich dann auf der anderen Seite sowohl die kurze Abschlussrunde im Workshop, als auch den an den heutigen Impuls anschließenden Ideentisch, wo die Thesen aus dem Impuls weiter gedacht werden konnten. Es war hier eine sehr offene Atmosphäre. Kolleg*innen teilten ihre Befürchtungen und ihre Versuche und ich hatte das Gefühl einer sehr großen Ernsthaftigkeit.
Am heutigen Ideentisch saß dann auch eine Kollegin, die am Tag zuvor schon in meinem Workshop dabei war. Ich freute mich sehr, als sie in die Diskussion gerade die am Tag zuvor reflektierten Perspektiven von Offenheit, Begeisterung und Irritation einbrachte. Sinngemäß meinte sie dazu, dass das noch Zeit zur Sortierung bräuchte, aber in jedem Fall eine Spur wäre, die sich zur Weiterverfolgung lohnen würde.
Mein Fazit somit jetzt auf der Rückfahrt: Ich habe mich sehr gefreut, Teil der Tagung sein zu dürfen. Für mich nehme ich mit, in Veranstaltungen weniger vorauszusetzen, was in meinem Kopf sehr klar ist, sondern da immer mehr zu erklären. Außerdem habe ich wieder mal erfahren, dass gemeinsames Lernen herausfordernd ist und Zeit benötigt. Es gilt also, Geduld zu haben, auch wenn das vielfach schwer fällt!
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