| Hallo zur Edumail im März, vielleicht geht es dir häufig auch so: Du siehst die vielfältigen Krisen in Bildung und Gesellschaft. Du hast das Gefühl, ständig hinterherzurennen und trotzdem nicht genug zu tun. Und du fragst dich, was deine pädagogische Arbeit da überhaupt ausrichten kann. Mich beschäftigt genau das sehr. In den letzten Wochen bin ich dabei auf drei Dinge gestoßen, die meine Perspektive erweitert haben. Ich teile sie mit dir als Denkanstöße, weil sie dir vielleicht auch weiterhelfen können: 1. Äußere Veränderung erfordert innere Entwicklung Mein früherer Blick war, dass die Systeme, in denen wir uns bewegen, ausschlaggebend dafür sind, wie wir handeln und welche Möglichkeiten wir haben. Das ist natürlich weiterhin wahr und stimmig. Zugleich wurde mir aber bewusster, dass diese Systeme zugleich auch Ergebnis unserer Haltungen und Handlungen sind. Sie bleiben vor allem auch deshalb so veränderungsresistent, weil wir in bestimmter Weise darauf blicken und darauf angepasst handeln. Konkretes Beispiel: Wenn ich Teil eines Bildungssystems bin, das Menschen früh nach vermeintlich feststehenden Fähigkeiten in bestimmte Bildungsgänge einsortiert, dann werde ich zu großen Teilen einen ‘fixed mindset’ Blick auf Lernende internalisiert haben. Das muss ich reflektieren und verändern, wenn ich ein anderes Bildungssystem erreichen will. Ohne eine auch innere Entwicklung gelingt uns deshalb keine äußere Veränderung. Damit verändert sich dann der Blick auf Krisen und Herausforderungen: Sie sind nicht mehr etwas, was von außen über uns kommt, sondern wir können den Blick auf uns richten, um sie zu lösen. 2. Verbundenheit ist ein entscheidender Hebel zur Bewältigung der Krisen unserer Welt In der Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung bin ich auf die sogenannte Trennungsthese gestoßen, die mich sehr überzeugt hat. Sie besagt: Die Krisen unserer Welt resultieren stark aus einer dreifachen Trennung: der Trennung von uns selbst, von anderen und von der uns umgebenden Natur. Das gab dem oben beschriebenen Ziel der inneren Entwicklung für äußere Veränderung eine Richtung: Wenn es mir um eine bessere Welt geht, dann ist es ein wesentlicher Hebel, auf allen drei Ebenen mehr Verbundenheit anzustreben. 3. Wir Menschen verfügen über Deep Skills Von Ulrike Linz habe ich den Begriff der Deep Skills kennengelernt, den sie in die aktuelle KI-Debatte einbringt. (Auf ihrer Website linzspiration.de findest du ihren Text dazu, den ich ganz großartig finde und dir sehr zum Lesen und Weitergeben empfehle!). Deep Skills meint gerade nicht das sisyphosartige Hinterherlaufen hinter einer sich immer schneller entwickelnden Technologie und auch nicht die Abkehr davon. Statt solcher angstgesteuerten und damit tendenziell uns selbst blockierenden Reaktionen braucht es eine Besinnung darauf, was uns als Menschen ausmacht und über welch großartige Fähigkeiten wir verfügen. Diese Fähigkeiten umfassen weit mehr als unser rationales Denken – nämlich unsere gesamte ‚körperliche Intelligenz‘. Diese Perspektive ergänzte die ersten beiden Punkte für mich um eine ganzheitliche und potenzialorientierte Bildung: Ich kann durch meine pädagogische Arbeit eine positive und ermächtigende Entwicklung voranbringen, indem ich Räume schaffe, in denen sich Deep Skills durch Achtung, Wertschätzung und Verbundenheit und eine ‚Verneigung vor der Evolution‘ entfalten können. Zusammengenommen bedeutet das: Durch innere Entwicklung, die auf Verbundenheit ausgerichtet ist und die uns Menschen dank Deep Skills möglich ist und pädagogisch entfaltet werden kann, können wir Veränderungen erreichen. Diese Veränderungen sind dann nicht nur Schritte hin zu einer besseren Bildung, sondern wir gestalten Bildung so, dass sie Teil der Lösung für bessere Zukünfte wird. Wir ermächtigen uns selbst und Lernende dazu, eine lebens- und liebenswerte Welt für alle zu gestalten. Ich finde das eine großartige und zuversichtlich stimmende Nordstern-Perspektive für uns alle, die wir in unterschiedlichsten Kontexten pädagogisch tätig sind. Und gerade jetzt angesichts der vielfältigen Krisen unserer Welt ist diese Perspektive umso wichtiger! Damit komme ich zum Betreff dieser Edumail: Was kannst du nicht nicht tun? Die Frage stammt von Otto Scharmer. Als ich sie das erste Mal las, dachte ich: Klar, wir können gar nicht nicht handeln, nicht nicht Haltung zeigen, nicht nicht auf die Welt einwirken. Aber mit der Frage ist hier etwas anderes gemeint. Sie zielt auf einen inneren Klärungsprozess: Wenn ich mir bewusst Zeit nehme innezuhalten und zu reflektieren, was mir wirklich wichtig ist, dann erwächst ein Drang und daraus dann ein Handeln, das sich aus innerer Stimmigkeit ergibt. Und dann entstehen oft Wege, die ich vorher nicht gesehen habe oder die noch gar nicht da waren. Genau hier helfen mir die drei Perspektiverweiterungen von oben ganz konkret weiter: Sie geben mir eine Richtung für diese innere Klärung. Ich kann mich fragen: Wo braucht es in meiner pädagogischen Arbeit innere Entwicklung bei mir selbst und wie kann ich Lernenden ermöglichen, dass sie bei der Aneignung von Wissen dieses ‚Ich bin ein Teil davon‘ erfahren können? Wo fehlt es mir selbst, den Lernenden und meinen Kolleg*innen an Verbundenheit – mit sich selbst, mit anderen, mit der Welt? Und welche Räume kann ich wie schaffen, in denen Deep Skills sich entfalten können? Diese drei Perspektiven machen aus der abstrakten Frage „Was kannst du nicht nicht tun?“ einen sehr konkreten Reflexionsrahmen für eine intentionale pädagogische Praxis. Bei mir erlebe ich es so, dass es sich sehr lohnt, an dieser Frage zu arbeiten. Denn es geht gar nicht so sehr ganz direkt um fertige und abschließende Antworten. Stattdessen wirkt die Frage wie ein permanenter Antrieb und Kompass. Im täglichen Tun entsteht für mich eine Richtung und ich habe den Eindruck viel mehr als zuvor aus einer inneren Stimmigkeit heraus zu handeln und wirksamer zu sein. Mein wichtigster Punkt in dieser Edumail ist deshalb, dass ich dir ganz viel Ermutigung zur Entwicklung deiner eigenen intentionalen Praxis in deiner pädagogischen Tätigkeit senden möchte: Du brauchst dazu Raum und Zeit, um inne zu halten. Nimm dann in den Blick, dass äußere Veränderung innere Entwicklung braucht, dass Verbundenheit ein wichtiger Hebel ist und dass du ein tiefes Vertrauen haben darfst in die Deep Skills bei dir selbst und bei Lernenden. Viel Freude wünsche ich dir auf diesem Weg! Nele Hirsch | eBildungslabor PS. Wohin die Entwicklung einer solchen intentionalen pädagogischen Praxis im Ergebnis führt, ist in deinem Kontext wahrscheinlich anders als in meinem. Bei mir hat sich in den letzten Wochen unter anderem entwickelt: In der KI-Debatte den Fokus auf mehr soziales Lernen (KI-Modelle mit an den Tisch holen – statt individualisiertes Lernen mit KI-Tutoren), in Workshops die Einbindung von zuhörenden und wertschätzenden Methoden (etwa ein „Yeah“-Kartenaustausch zu Beginn oder eine ‚Denkende Runde‘), die gemeinsame Entwicklung einer ganzheitlichen Lernreflexion in Lernangeboten oder die Gestaltung eines offenen Webtools für wertschätzendes Feedback im Interesse von mehr Verbundenheit unter Teilnehmenden. Solche und viele weitere sehr konkrete und praktische Ideen findest du in dieser Edumail. Ich wünsche dir viel Freude beim Erkunden! |
| 🤖 KI-Agenten: ein pädagogischer Blick zur Orientierung |
| Kaum dass KI-Sprachmodelle für viele ein bisschen zur Normalität geworden sind, kommt mit so genannten KI-Agenten direkt die nächste technologische Entwicklung. Ich habe mir diese Entwicklungen angeschaut, viel damit experimentiert und war und bin zugegebenermaßen ziemlich begeistert von plötzlich so vielen neuen Möglichkeiten zur Gestaltung. Noch schneller, als es vor ein paar Jahren bei ChatGPT und Co der Fall war, tritt hier für mich dann aber auch Ernüchterung ein. Insbesondere merkte ich schnell: In der Pädagogik kann eine ‚Materialschlacht‘ ganz sicher nicht die Lösung sein. Stattdessen gilt es für mich vor allem, durch eine entmystifizierte Betrachtung zu einer reflektierten Praxis zu kommen. In meinem Blog nehme ich dich mit in meine Erkundungen und stelle dir vor, wie sich mit Claude.Code im Terminal unter Verweis auf ein Video ein H5P-Inhalt dazu generieren lässt. Außerdem habe ich einen ‚3-Minuten-Podcast‘ aufgezeichnet, in dem ich den Begriff ‚KI-Agenten‘ erkläre. |
| 🛠️ KI-HandsOn: Grounding-Pages und Textresonanz-Plugin |
| Neben der Erkundung von KI-Agenten habe ich im Bereich der Künstlichen Intelligenz auch zwei weitere Möglichkeiten erkundet, die ich dir hier zum ‚Nachbasteln‘ vorstellen möchte: 1. Grounding-Pages Früher ging es im Internet vor allem darum, von Suchmaschinen gefunden zu werden. Dazu war es immer schon hilfreich, zum Beispiel mit Metadaten zu arbeiten. Ich fand und finde es sinnvoll, so etwas zu beachten, denn wenn ich in einer zunehmend digital-vernetzten Welt Menschen erreichen will, werde ich nicht umhin kommen, mindestens auch eine gute Auffindbarkeit meiner Inhalte für Maschinen sicherzustellen. Im Kontext von KI-Sprachmodellen entstehen nun gerade sehr viele so genannte Grounding Pages, die die Auffindbarkeit von Inhalten für KI-Sprachmodelle sicherstellen sollen. Ich kann nicht einschätzen, inwieweit das tatsächlich funktioniert. Da man durch Ausprobieren klüger wird, habe ich in meinem Blog Grounding-Pages ergänzt. Du kannst sie dir hier anschauen. Die Erstellung gelingt am einfachsten mit KI-Sprachmodellen. Du kannst dazu zum Beispiel auf diese Website verlinken oder auch mein Beispiel weitergeben und dir eine Anpassung für dich generieren lassen. 2. Textresonanz-Plugin Ebenfalls für meine Website habe ich ein Textresonanz-Plugin entwickelt, mit dem ich Lesenden ermöglichen möchte, sich meine Inhalte auch in Interaktion mit KI-Sprachmodellen zu erschließen. Mit dem Plugin verfolge ich den pädagogischen Anspruch, zu einer kontra-intuitiven KI-Nutzung zu ermutigen. Zum Beispiel kann man sich zu einem Blogbeitrag drei Fragen vorschlagen lassen, über die man gemeinsam mit Kolleg*innen zu dem Text in Reflexion kommt. In meinem Blog habe ich ausführlich beschrieben, wie ich das Plugin entwickelt habe. Und du kannst es auf der Seite dieses Blogbeitrags auch direkt in Aktion erleben. |
| 🗨️ 10 Ideen für eine soziale KI-Nutzung: Von Individuum zu Gemeinschaft |
| Ich habe eingangs begründet, wie wichtig aus meiner Sicht eine Orientierung hin zu mehr Verbundenheit ist, um zu einer Bildung zu gelangen, die dazu beiträgt, Potenziale zu entfalten und bessere Zukünfte für alle zu entwickeln. Gerade vor diesem Hintergrund finde ich es keine sinnvolle Perspektive, wenn KI-Nutzung in der Bildung überwiegend bedeutet, dass Lernende mit individualisiert gestalteten KI-Tutoren vor ihren jeweiligen Bildschirmen sitzen. Meine Perspektive ist dagegen vielmehr die einer sozialen KI-Nutzung: Lernende können in solch einem Setting zum Austausch ein KI-Modell mit an den Tisch holen. In meinem Blog teile ich 10 konkrete Vorschläge, wie das in der Praxis aussehen kann. |
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| 🍀 SIOK: 4-Ebenen-Modell des Lernens im Kontext von KI |
| Das SIOK-Modell ist eine konkrete Hilfestellung von mir, wie eine Aneignung von Wissen im Rahmen einer potenzialorientierten und ganzheitlichen Bildung gestaltet sein kann, die Lernenden zugleich eine Verbindung zwischen innerer Entwicklung und äußerer Handlung ermöglicht. Ich bezeichne das als ein Modell für krisenbewältigende und zukunftsgestaltende Bildung. :-) Die vier Buchstaben stehen für die vier miteinander verschränkten Aneignungsebenen: Subjektiv: Was denke, fühle, weiß ich dazu? Inter-Subjektiv: Was finde ich in Resonanz mit anderen dazu heraus? Objektiv: Was ist gesichertes Wissen, das ich mir zum Beispiel auch in Interaktion mit KI-Sprachmodellen erschließen kann? Kollektiv-schöpferisch: Was kann ich daraus machen und was kann daraus entstehen? Ich finde es ziemlich spannend, meine Lernangebote daraufhin abzuklopfen, wie ich Inhalte verändert darstelle bzw. ihre Aneignung ermögliche, um diese vier Dimensionen zu berücksichtigen. Vielleicht magst du das auch für deinen Kontext ausprobieren. Und sehr gerne würde ich dazu auch mit einem pädagogischen Team einen gemeinsamen Workshop gestalten, um an der Herausforderung weiter zu denken. Melde dich gerne, wenn das für deine Schule oder deine Bildungsorganisation spannend sein |
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| 🔍 Herausforderung Lernreflexion: Ein Modell und ein Workshopkonzept |
| Gute Bildung zeichnet sich für mich vor allem auch dadurch aus, dass Lernende ermächtigt werden, Verantwortung für die Gestaltung ihrer Lernprozesse zu übernehmen. Raum und Befähigung zu Lernreflexion ist dazu ein ganz entscheidender Baustein. Mit dem Projekt Lernwelt in Sachsen-Anhalt habe ich dazu basierend auf dem Lernreflexion-Zyklus von Graham Gibbs einen Workshop konzipiert und durchgeführt, wie diese pädagogische Herausforderung insbesondere im selbstgesteuerten Lernen angegangen werden kann. Im Ergebnis ist für dich zur Weiternutzung erstens eine aufbereitete Darstellung des genannten Gibbs-Reflexionsmodell entstanden. Zweitens teile ich das entwickelte Workshopkonzept, was bei uns gut funktioniert hat und was sich aus meiner Sicht gut in andere Kontexte übertragen lässt. |
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| ➡️ Einstieg in Lernangebote: 3V und ‚Yeah‘-Kartenaustausch |
| Bei guter Lerngestaltung finde ich vor allem den Einstieg gleichermaßen herausfordernd und bedeutend. Ich erlebe das vor allem in meinem Kontext der Erwachsenenbildung so, wo ich es sehr oft mit immer neuen Lerngruppen zu tun haben, mit denen ich meistens auch nur für kurze Zeit zusammenarbeite. Damit gerade hier der Einstieg gut gelingt, orientiere ich mich an 3V, die ich gleich zu Beginn zu ermöglichen versuche: Verankerung: Alle können beim Lernen und am jeweiligen Ort ankommen. Verbindung: Alle können Verbindungen mit anderen Lernenden herstellen und sich vernetzen und ihre Rolle finden. Verantwortung: Alle können Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen. Für den letzten Punkt kann ich es sehr empfehlen, an Lernende ein Blanko-Heft zum Journaling zu verteilen. Dieses lässt sich dann während der Veranstaltung von den Lernenden individuell nutzen und in der Gestaltung des Ablaufs kann ich immer wieder Zeiten für das Schreiben anbieten. Um gerade auch diejenigen zu unterstützen, die mit solch einem Journaling noch wenig anfangen können, ergänzte ich das Blanko-Heft gerne um einen ‚Stickerbogen‘. Das sind (Adress)-Etiketten, die mit möglichen Reflexionsfragen bedruckt sind. Lernende können sich daraus die Fragen auswählen, die ihnen für ihr Lernen hilfreich erscheinen, sie in ihr Heft einkleben und dazu ihre entsprechenden Notizen festhalten. |
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| Mehr zur Ausgestaltung der 3V habe ich in meinem Blog aufgeschrieben. |
| Außerdem möchte ich eine richtig schöne Einstiegsmethode für pädagogische Teams teilen, die bereits länger zusammenarbeiten: den ‚Yeah‘-Kartenaustausch. Alle finden auf ihrem Platz eine Karte, die z.B. mit Danke, Richtig gut!, Erfolg! oder ähnlichem beschriftet ist. Auf der Rückseite notieren alle etwas, was ihnen zu dem jeweiligen Begriff zu der Zusammenarbeit in den letzten Monaten einfällt. Alle wuseln durch den Raum und stellen sich gegenseitig ihre Karten in Paargesprächen vor. Nach jedem Paargespräch werden Karten getauscht und das nächste Gespräch gesucht. |
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| 💻 Drei offene Mini-Tools für gute Lerngestaltung und wertschätzenden Austausch |
| Im Kontext von KI-Agenten zum Coding ist mein Nebenbei-Hobby gerade, noch mehr Domains zu kaufen, als ich es ohnehin schon immer gemacht habe 😉 und (hoffentlich) nützliche, offen und ohne Registrierung nutzbare und nicht-trackende Mini-Tools zu bauen, die sich im Interesse guter Bildung sinnvoll nutzen lassen. Unter anderem sind diese Tools in den letzten Wochen entstanden: 1. Peerfeedback.de: Auf Peerfeedback kannst du eine Veranstaltung anlegen, in die sich Lernende dann mit Name oder Pseudonym eintragen können und damit zugleich ein Passwort festlegen. Daraufhin können ihnen andere Lernende Feedback hinterlassen, das nur für sie selbst nach Eingabe des Passworts sichtbar ist. Und auch sie können anderen Peers Feedback geben. Hier ausprobieren! 2. Workshopscreen.de: Die Website Workshopscreen ist auf der einen Seite eine übersichtliche Screen-Anwendung mit QR-Code Anzeige, Countdown, Gruppeneinteilung und mehr. Vor allem aber ist sie eine – wie ich finde – sehr spaßige Spielwiese für digital-interessierte Lehrkräfte, die mithilfe von einer Promptvorlage in Interaktion mit KI-Sprachmodellen auch weitere Anwendungen basteln und lokal nutzen oder mit anderen teilen können. Hier ausprobieren! 3. Linkheftchen.de: Die Tendenz geht ja immer mehr dahin, sich das Internet über KI-Sprachmodelle erschließen zu lassen. Weil der direkte Besuch von Websites aus meiner Sicht aber so viel spannender und schöner ist, gibt es die Website Linkheftchen. Du kannst hier Links kuratieren, die dir dann mit QR-Codes in ein Mini-Zine gepackt werden, welches du ausdrucken und an Lernende verteilen kannst. Ich mag solch eine analog-digitale Praxis sehr! Hier ausprobieren! Weitere offene Mini-Tools sind Mehr-als-Barcamp.de, was du nutzen kannst, um einen passenden Namen für eine Veranstaltung zu finden und dir auf diesem Weg zugleich über die Konzeption klarer zu werden. Und Kuratierung.de, wo du eine Sammlung von Links zusammenstellen und teilen kannst z.B. begleitend zu einem Vortrag. (Ich war erstaunt, dass die Domain kuratierung.de noch frei war. Wenn du eine bessere Idee hast, was da drauf könnte, dann gib gerne Bescheid!) |
| 💡 Methodisches Dreamteam: Denkende Runde und 2-Spalten-Sammlung |
| Ich habe ja immer mal wieder Lieblings-Methoden, die ich einfach perfekt finde, um einen guten Rahmen für Austausch und Lernen zu ermöglichen. Aktuell ist das gar nicht nur eine Methode, sondern eine Kombination aus zwei Methoden: die Denkende Runde und die Zwei-Spalten-Sammlung. Gerade zusammen genommen entfalten sie meiner Erfahrung nach eine ganz ausgezeichnete Wirkung. Ich setze sie immer dann ein, wenn es in einem Lernangebot vielfältige Impuls- und Austauschphasen gab. Das kann z.B. nach Barcamp- oder Open Space Sessions sein oder auch nach eher frontalen Impulsen. Der erste Schritt ist dann die ‚Denkende Runde‚. Lernende setzen sich dazu in Kleingruppen mit 4-5 Personen in einen Kreis und haben 15 Minuten Zeit. Die Einladung ist, die Zeit gleichmäßig untereinander aufzuteilen. Eine Person beginnt zu einer Frage zu sprechen. Zum Beispiel: Was nimmst du aus dem bisher Erlebten für dich mit? Die anderen hören nur zu. Nach Ablauf ihrer Zeit (ca. 3-4 Minuten) ist die nächste Person an der Reihe. Das besondere an dieser Methode ist, dass durch das bewusste Zuhören ohne Unterbrechung Gedanken neu entstehen können. Es ist in der Runde auch sehr okay, wenn es einige Zeit nur Stille gibt. Der zweite Schritt ist dann eine schnellere Methode: die 2-Spalten-Sammlung. Es finden sich dazu neue Kleingruppen zusammen. Am besten bereitet man bereits im Vorfeld für jede Kleingruppe ein Flipchart mit 2 Spalten vor. Die Überschriften der Spalten sind eine aktiv formulierte Frage zum Thema. Zum Beispiel: Wie befördern wir Lernreflexion? Wie behindern wir Lernreflexion? Jede Gruppe hat zunächst 8 Minuten Zeit, um so viele Punkte wie möglich in den beiden Spalten zu sammeln. Anschließend gibt es zwei weitere Minuten, in denen jede Gruppe die drei Punkte auswählt (= insgesamt drei Punkte, egal aus welcher Spalte), die alle gemeinsam am wichtigsten finden. Diese Punkte werden dann im Plenum geteilt. Dieses Teilen im Plenum ist dann zugleich auch ein sehr guter gemeinsamer Abschluss. Ich habe mit der Methoden-Kombination bisher ausschließlich sehr positive Erfahrungen gemacht und kann sie zur Weiternutzung sehr empfehlen! |
| 🌼 IMAGINE-Framework: Wissenschaftlicher Rahmen für nachhaltige Bildungstransformation |
| Ich bin zurzeit Teil eines Bildungsprogramms zur Ausbildung als Botschafterin für die Inner Development Goals (IDGs), über die ich bereits in der letzten Edumail berichtet habe. Im Rahmen dieser Ausbildung habe ich das so genannte IMAGINE-Framework aus der Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung kennen gelernt. Ich finde es ein sehr gutes und stimmiges Konzept für nachhaltig und ökologisch verantwortlich angelegte Transformationsprozesse. In meinem Blog habe ich es für die Pädagogik übersetzt. |
| 🤩 Neues Bildungskollektiv: Wirksam-Lernen.de |
| Meine Lieblings-Veranstaltung im letzten Monat, auf die sehr vieles in dieser Edumail zurückgeht, war ein Treffen mit rund 30 Interessierten aus unterschiedlichen Bildungsbereichen, die sich auf meinen Aufruf im August 2025 gemeldet hatten: Wie erreichen wir mehr Wirkungsmacht in der Pädagogik? Die Veranstaltung war als Experiment einer umfassenden Ko-Kreation angelegt, was aus meiner Sicht gar nicht besser hätte funktionieren können und wofür ich mir so viel mehr Räume z.B. auch an Pädagogischen Tagen an Schulen wünsche. Zum genauen Vorgehen und was mit dem Begriff der Ko-Kreation gemeint ist, habe ich gebloggt. Wir haben uns in Göttingen entschieden, weiter als Bildungskollektiv zusammen zu arbeiten und wollen gemeinsam mehr Wirkungsmacht für eine menschenfreundliche, potenzialorientierte und ökologisch verantwortliche Bildung entfalten. Du bist herzlich eingeladen, dazu zu kommen und deine Erfahrungen und Kompetenzen wirksam werden zu lassen. |
| Vielen, herzlichen Dank an alle, die in Göttingen mit dabei waren. ♥️ |
| Bis zur nächsten Edumail! 👋 |
| Diese Mail habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr zum größten Teil draußen arbeitend in der Sonne geschrieben. Hier bei uns in Halle sind gerade die ersten, wärmeren Frühlingstage. Ich wünsche dir, dass auch du den beginnenden Frühling genießen kannst. Vielleicht sehen wir uns in diesem Monat zum Gautinger Internettreffen oder zu dieser BNE+KI-Veranstaltung in Frankfurt? Ich würde mich freuen! Ganz wunderbar fände ich es zudem, wenn du das ein oder andere Thema dieser Mail in deiner Bildungsorganisation aufgreifen kannst und magst. Und ich freue mich sehr über Anfragen zur gemeinsamen Gestaltung von Lernangeboten oder auch Materialien dazu. Es gibt in diese Richtung und zu diesen Themen noch so viel zu tun und so viele Möglichkeiten. Sehr gerne gehe ich sie gemeinsam mit dir und deinen Kolleg*innen an! |
| Du kannst mir gerne auch einfach direkt auf diese Mail antworten. Und wie immer freue ich mich über Rückmeldungen und Weiterdenken. Tschüss und alles Gute ☀️ Nele |
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