Edumail #94: Mehr Möglichkeitsmut in der Bildung

Hallo und willkommen zur ersten Edumail in 2026!

Ich wünsche dir ein freudvolles und spannendes Jahr mit viel Zuversicht. Vielleicht kann dazu auch ein bisschen diese Edumail mit hoffentlich vielen für dich hilfreichen Inspirationen beitragen.

Unter anderem berichte ich dir darin über ‚Möglichkeitsmut‚, was ich als mein Jahresmotto für das neue Jahr festgelegt habe und ich stelle dir die so genannten Inner Development Goals (IDGs) vor, die aus meiner Sicht eine großartige Orientierung für gute Lerngestaltung sind. Außerdem gibt ganz viele Ideen und Spielereien zum Ausprobieren.  Zum Beispiel erkläre ich mit einer Schritt-für-Schritt Anleitung wie du dir unter Nutzung eines Open Source KI-Sprachmodells einen lokalen Chatbot bauen kannst, in den du die Inhalte von Online-Blogs einspeist, um sie dir dann vernetzt lesend erschließen zu können.

Für alle, die Teil eines pädgogischen Teams oder Kollegiums an einer Bildungseinrichtung sind, habe ich für das neue Jahr außerdem einen sehr konkreten Vorschlag: Nutzt die Euch z.B. für pädagogische Tage oder Ähnliches zur Verfügung stehende Fortbildungszeit, um ganz bewusst über das bestehende System der Bildung hinaus zu denken, dazu gemeinsam verändertes Lernen zu erfahren und mit schöpferischer Offenheit neue Ideen zu gestalten. Möglich ist das mit meinem Angebot der Lernlabore 2026.

Ich wünsche Dir alles Gute und sende herzliche Grüße

Nele Hirsch | eBildungslabor
🌱 Lernlabore 2026: Transformationsräume für verändertes Lernen!
Die Lernlabore 2026 sind ein Angebot von mir an pädagogische Teams, die Bildung im digitalen Wandel ernsthaft und grundlegend weiter denken wollen. Ein Lernlabor ist dazu ein von mir spezifisch gestalteter Erfahrungs-, Lern- und Erkundungsraum, dessen Rahmen flexibel gestaltet werden kann und in dem alle Beteiligten gemeinsam reflektieren, praktisch erleben und darauf aufbauend planen können, wie zukunftsgestaltendes Lernen gelingt. Für noch mehr Wirkung gibt es zum Abschluss ein gemeinsames Barcamp mit allen Lernlaboren 2026. Konzeption und Materialien teile ich außerdem zum offenen Weiternutzen.

Die Lernlabore sind damit mein Versuch, Fortbildungen für pädagogisch tätige Personen nicht mehr länger nur als Reparaturmaßnahme zu betreiben, mit der auf Herausforderungen nur reagiert und die bestehende Lernkultur zementiert wird. Stattdessen können wir mit dem Ansatz der Lernlabore gemeinsam Neues entstehen lassen und Bildung transformieren.

Wenn du das spannend findest, dann liegt der erste Schritt bei dir. Besprich in deiner Institution (von Schule, Erwachsenenbildung, zivilgesellschaftlicher Organisation oder Hochschule ist alles möglich), ob ihr im Rahmen Eures Fortbildungsbudget und zur Verfügung stehender Zeiten in diesem Jahr ein Lernlabor für Euch buchen wollt. Alle Informationen stehen dazu in meinem Blog. Ich bin sehr neugierig und freue mich auf Rückmeldungen!
Informationen zu den Lernlaboren 2026
Pflanzen in einem Gewächshaus
🤖 Baue dir einen eigenen, lokalen Open Source Chatbot für Blogs!
Wenn du für dich ein gleichermaßen nützliches, wie auch digitale Mündigkeit erweiterndes  KI-Bastelprojekt suchst, dann kann ich dir sehr empfehlen, dir einen persönlichen und lokalen Chatbot zu bauen, mit dem du Inhalte von selbstgewählten Online-Blogs über die Verbindung mit einem Open Source KI-Sprachmodell dir vernetzt lesend erschließen kannst.  Du benötigst ca. eine Stunde Zeit und wirst dabei lernen:
1. Wie du Online-Inhalte aus Blogs abrufst und als Vektordatenbank für KI-Sprachmodelle nutzbar machst.
2. Wie du über eine offene Schnittstelle eine Anwendung mit dem Open Source KI-Sprachmodell Mistral verbinden kannst.
3. Und wie du eine Anwendung für einen darauf aufbauenden persönlichen Chatbot gestalten kannst.

Die ausführliche Schritt-für-Schritt Anleitung steht in meinem Blog
Zur Anleitung
🌍 Inner Development Goals (IDGs) in der Bildung
Vielleicht kennst du die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen? Es handelt sich dabei um inhaltliche Meilensteine, die bis 2030 für eine nachhaltigere Welt erreicht sein sollen. Dazu gehört zum Beispiel gute Bildung für alle, Beendigung von Armut und ein friedliches Zusammenleben aller Menschen. Die Inner Development Goals (IDGs) stellen ergänzend bzw. aufbauend dazu die Frage: Welches innere Wachstum von uns allen und damit auch welches Lernen ist erforderlich, damit die Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können? Zu dieser Frage gibt es ein aus meiner Sicht sehr hilfreiches Framework, was sich wunderbar zur Orientierung für gute Lerngestaltung eignet. In meinem Blog habe ich die IDGs überblicksartig zusammengefasst.
Zum Blobeitrag
🙃 Von quatschiger Spielerei bis nützliche Anwendung: Drei Link-Empfehlungen
Über den Jahreswechsel hatte ich viel Freude daran, zwei Websites zu gestalten, die seitdem zur offenen Nutzung im Internet stehen.

Die erste Website ist chaostiere.de. Ich weiß nicht mehr, warum ich mir irgendwann mal diese Domain gekauft hatte. Ich hätte sie nun längst überfällig kündigen können. Stattdessen habe ich mir lieber eine passende, kleine Spielerei überlegt:
Du kannst dort nun deinen Namen, das gewünschte Chaos-Level und Bereiche für Chaos auswählen. Dann erhältst du ein persönliches ‚Chaostier‘, das dich in den nächsten Monaten begleiten kann und das dir drei Vorschläge macht, wie du in deinem Leben ganz bewusst mehr Offenheit und Raum für Überraschungen schaffen kannst.
Dein Chaostier 2026 gestalten
Ein beispielhaftes Chaostier
Die zweite Website ist momentglas.de. Sie ist die digitale Übersetzung der schönen Praxis, sich zu Beginn eines Jahres ein großes Glas aufzustellen und darin das ganze Jahr über Zettelchen mit schönen Momenten zu sammeln. Die digitale Variante kannst du ganz ohne Eingabe persönlicher Daten nutzen, du kannst dir Kategorien festlegen (z.B. Gelesene Bücher, besuchte Veranstaltungen, schöne Momente …) und dann immer eintragen, wenn du magst. Zwischendrin oder auch erst am Ende des Jahres kannst du dir deine Sammlung anschauen und herunterladen. Deine Einträge sind privat.
Zum digitalen Momentglas
Der dritte Link ist eine Anwendung zum Selberhosten, nicht von mir, sondern von Simon Repp. Danke dafür! Es handelt sich um eine Open Source Kalender-Software, die erstens super einfach zur Installation ist und die du zweitens nach dem Etherpad-Prinzip einrichten kannst. Das bedeutet: Alle können Termineinträge vornehmen, ändern und auch löschen. Die Anwendung nennt sich Feber.
Infos und Download von Feber
💡 Methodische Anregung: Wie wünschst du dir das Lernen? Was kannst du dazu tun?
Ein Klassiker der Lerngestaltung insbesondere in der Erwachsenenbildung ist es, zu Beginn eines Lernangebots die Erwartungen der Lernenden abzufragen. Ich finde das immer ein bisschen schwierig. Vor allem dann, wenn das Lernangebot schon recht fertig gestaltet ist. Lernende können sich dann sehr zu recht fragen: „Warum soll ich denn jetzt Erwartungen formulieren? Damit ändere ich ja doch nichts!“ Eine mögliche Alternative, mit der zugleich eine Reflexion über das Lernen angestoßen wird, ist diese Methode:

1. Alle Lernenden erhalten einen Zettel mit einem Adjektiv, wie das folgende Lernen sein könnte (z.B. kreativ, inspirierend, informativ, praxisnah …)

2. Alle bewegen sich mit ihrem Zettel durch den Raum und stellen sich jeweils gegenseitig ihre Zettel vor. Wenn beide ihr jeweiliges Adjektiv wichtiger finden, dann behalten beide ihren Zettel und suchen sich eine neue Gesprächsperson. Wenn beide das jeweils andere Adjektiv wichtiger finden, dann tauschen sie Zettel und suchen sich die nächste Gesprächsperson. Wenn beide ein Adjektiv wichtiger finden, als das andere oder die beiden Adjektive sich fusionieren lassen, dann schließen sie sich zu diesem Adjektiv als Team zusammen und suchen gemeinsam die nächste Gesprächsperson.

3.  Es sollten Gruppen mit 6-8 Personen entstehen, die gemeinsam an einem Tisch Platz nehmen.

4. Nun stellst du den geplanten Rahmen des Lernangebots vor. Erst danach diskutieren die Lernenden an den Tischen, was sie tun könnten, damit in diesem Rahmen ihr jeweiliges Adjektiv gut erreicht wird. 

5. Jede Person nimmt sich aus der Diskussion 1-3 konkrete Vorsätze mit. Danach startet das Lernangebot. Hier bietet es sich an, die Gruppen nochmals zu mischen, falls direkt Kleingruppenarbeiten geplant sind.

Ich mag an dieser Methode, weil die Verantwortung für das Lernen damit tatsächlich und ernsthaft gemeinsam getragen wird und weil Raum zur Reflexion über Lernen entsteht.
📚 Drei Lektüre-Empfehlungen mit meinen Buchnotizen
Ich habe im Laufe des Dezembers ziemlich viel gelesen. Drei Buchnotizen möchte ich gerne teilen:

Erstens habe ich mich endlich einmal ausführlicher und intensiver mit der Theorie U von Otto Scharmer beschäftigt. Das fand ich sehr gewinnbringend. Hier habe ich dazu einiges aufgeschrieben.

Zweitens habe ich das Arbeitsbuch ‚Finde dein Warum!‘ von Simon Sinek durchgearbeitet. Das Buch ist zwar ziemlich reißerisch aufgemacht und der Grundansatz mit dem ‚Golden Circle‘ (= Frage erst Warum, und danach Wie und Was!) ist für viele wahrscheinlich auch recht banal. Für mich war es trotzdem aufschlussreich. (Ich habe das Buch in Interaktion mit einem KI-Chatbot bearbeitet und habe dabei meine frühere Auffassung revidiert, dass es eine große Katastrophe sei, KI-Sprachmodelle für Selbstentwicklungs- und Lebensfragen zu nutzen. Stattdessen habe ich festgestellt, dass diese Technologie durchaus hilfreich sein kann, um sich selbst besser zu verstehen. Unerlässliche Voraussetzung erscheint mir dazu aber eine lokale KI-Installation). Hier geht es zu meinen Buchnotizen.

Drittens haben wir im Edubuchklub ‚Wo die Zukunft sitzt. Plädoyer für eine Schule der Möglichkeiten‘ von Stefan Braun gelesen. Wir hatten dazu direkt zum Jahresanfang einen sehr inspirierenden Online-Austausch. Bereits zuvor habe ich diese Buchnotiz zur Lektüre festgehalten.
Übrigens: In den Edubuchklub kannst du jederzeit einsteigen. Im Januar lesen wir das Buch: Weniger macht Schule: Wie De-Implementierung schulische Freiräume schafft!
Zum Edubuchklub
🙋 Mehr Möglichkeitsmut! Mein Jahresmotto für 2026
Unter Möglichkeitsmut verstehe ich eine Perspektive auf die Welt, die angesichts einer sehr vielfältigen und komplexen Gegenwart nicht mit Rückzug oder lediglich mit Anpassung reagiert, sondern darin nach Möglichkeiten zur selbstbestimmten und kollektiven Gestaltung sucht und diese zuversichtlich angeht. Möglichkeitsmut ist also ein neugieriger ‚Was könnte sein?‘-Blick auf die Welt, mit dem man sich beständig zur Gestaltung herausfordert.

In der Pädagogik verbinde ich damit vor allem:
1. Akzeptanz von Veränderung.
2. Neugierde kultivieren
3. Zuversicht zur Gestaltung
4. Offenheit im schöpferischen Sinn
5. Wachstumsorientierung
Persönlich ist die Wahl dieses Jahresmottos für mich zugleich ein sehr schönes ‚Fazit‘ zu meiner Auszeit, die ich mir im Dezember genommen habe. Mir ist darin bewusster geworden, wie wichtig es ist, sich selbst immer wieder herauszufordern. Denn wahrscheinlich schlimmer noch als Erschöpfung oder Ausgebranntsein ist es, wenn man vor einer uninspirierten Zukunft steht und denkt, dass sich ja doch nichts ändern lässt. Mit einer bewussten Orientierung an Möglichkeitsmut lässt sich genau dieser Situation entgegen wirken. Ausführlich habe ich über Möglichkeitsmut in meinem Blog geschrieben – zusammen mit gleich 6 Leseempfehlungen.
Blogbeitrag zu Möglichkeitsmut
👋 Tschüss bis zur Februar-Edumail!
Damit ist die erste Edumail 2026 auch schon wieder zu Ende. Ich wünsche dir viel Freude beim Erkunden und Ausprobieren! Wie immer gilt: Wenn dir die Edumail gefällt, dann empfehle sie gerne weiter.  Für Feedback, Anregungen, Vernetzung oder Anfragen kannst du mir direkt auf diese Mail antworten.

Zusätzlich freue ich mich dieses Mal sehr darüber, wenn du die Idee der oben und in meinem Blog vorgestellten Lernlabore, wenn du sie grundsätzlich sinnvoll findest, aber es für deinen Kontext zurzeit nicht passt , stattdessen anderen pädagogisch tätigen Menschen empfiehlst. Vielen Dank dafür! ♥️

Herzliche Grüße und auf bald
Nele

PS. Ein letztes Netz-Fundstück zum Abschluss: Unter diesem Link findest du eine Europa-Karte. Wenn du ein Land anklickst, erscheint in allen anderen Ländern, wie dort dieses Land genannt wird. (Ein paar Lücken gibt es noch und insbesondere wird Mehrsprachigkeit bei Ländern noch nicht berücksichtigt, aber das kommt vielleicht noch)

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