Edumail #93: Hands-On. 💡 Praxisimpulse zum Weiternutzen!

Hallo und willkommen,
Digitalisierung und KI versprechen passgenaueres Lernen. Das ist auf der einen Seite sehr hilfreich, denn passend meint ja zunächst einmal das Ziel, Lernende weder zu unterfordern noch zu überfordern. Die jeweilige Lernbegleitung ist somit sehr spezifisch und personalisiert. Auf der anderen Seite birgt zu große Passgenauigkeit aber auch die Gefahr von Stillstand. Lernende verharren dann auf ihrem jeweiligen Niveau und in ihrer Komfortzone, anstatt sich offen und manches Mal vielleicht auch unerwartet weiter entwickeln zu können.

Ich plädiere deshalb für eine Erweiterung: Wir sollten Lernen nicht nur passend gestalten, sondern Lernende vor allem auch herausfordern! 

Die folgende Edumail ist ein sehr praktisches Beispiel, wie solch ein passendes und zugleich herausforderndes Angebot gestaltet sein kann. Denn ich teile darin mehrere Praxisimpulse, die für deinen Kontext (hoffentlich) passend sind, weil du irgendwann einmal diese Edumail im Interesse von Ideen für gutes Lernen im digitalen Wandel abonniert hast. Zugleich fordern sie dich vielleicht auch ein bisschen heraus. Und zwar mit den aus meiner Sicht drei wichtigsten Treibern für nicht nur passendes, sondern auch herausforderndes Lernen, die ich für gute Lerngestaltung entscheidend finde:
* Irritation: „So habe ich das ja noch nie gemacht!“
* Begeisterung: „Das klingt spannend. Mal schauen, ob ich das hinbekomme!“
* Offenheit: „So nicht, aber das bringt mich auf eine ganz andere Idee!“

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude beim Ausprobieren, Erkunden und Lernen!   
Herzliche Grüße und alles Gute
Nele Hirsch | eBildungslabor
Emojis: Begeisterung, Offenheit und Nachdenk-Smiley groß auf Zettel gedruckt.
Begeisterung, Offenheit und Irritation mit Emojis für einen Workshop visualisiert. Mehr zu nicht nur passendem, sondern auch herausforderndem Lernen steht in diesem Blogbeitrag.
Adventskalender-Vorlage zum eigenen Gestalten
Nur noch wenige Tage bis zum 1. Dezember und damit zum Start der in den letzten Jahren sich immer weiter verbreiteten Tradition, nicht nur Adventskalender mit Süßigkeiten oder Spielerei zu verschenken, sondern auch für die Verbreitung von pädagogischen Tipps, Hinweise und Ideen zu nutzen. Im Internet gibt es jede Menge Anbieter von Online-Adventskalendern. Mein Vorschlag an dich ist, einen Online-Adventskalender zu gestalten, über dessen Inhalte du die Hoheit hast, die du zur offenen Weiternutzung freigeben kannst und bei dessen Erstellung du zudem noch etwas über mündige Gestaltung im Internet erkundest.  Das klingt für dich gut? Dann findest du in diesem Beitrag eine Adventskalender-Vorlage zum eigenen Gestalten. Es ist darin auch beschrieben, wie du diesen Adventskalender im Internet – z.B. über die Plattform Codeberg – sehr einfach und kostenfrei teilen kannst. 
Zum Beitrag
(In den Vorjahren gab es eine ähnliche Vorlage auf der Platfform Glitch. Leider wird dort seit dem Sommer kein Hosting von Webprojekten mehr angeboten, weshalb ich diese Alternative gestaltet habe). Wenn du Zugriff auf H5P (z.B. über Moodle oder eine WordPress-Website hast), dann ist dieser Inhaltstyp für die Gestaltung eines Online-Adventskalemders eine noch niederschwelligere und sehr empfehlenswerte Variante!
Methodische Anleitungen zum Selbstlernen in Kleingruppen
Letzte Woche war ich an der Hochschule Bielefeld zur Digital Learning Konferenz. Wir haben dort ein Format gestaltet, das zum Ziel hatte, die teilnehmenden Lehrenden direkt vor Ort intensiv miteinander in den Austausch zu bringen und dabei gleichzeitig über kollegiale Beratschlagung und Selbstlernen im Peer-to-Peer Format zu lernen.  Wir sind dazu in diesen Schritten vorgegangen:

1. Im Plenum haben wir kollaborativ mögliche Themen identifiziert und in einem Sessionplan mit mehreren Angeboten parallel eingeordnet.
2. Alle haben für sich das Thema gewählt, das ihnen besonders relevant erschien. 
3. Um in den einzelnen Sesions miteinander in den Austausch zu kommen, gab es an den Orten der Session vorbereitete Methoden-Handreichungen, die es den ad hoc gebildeten Gruppen ermöglichte, sich ergebnisorientiert, freudvoll und intensiv miteinander auszutauschen.

Ich fand vor allem Schritt 3 sehr gewinnbringend. Das hat sehr gut funktioniert! Ich denke, dass das Format insgesamt sehr niederschwellig umsetzbar für alle ist, die an ihrer jeweiligen Institution Selbstlernen stärken wollen. Zugleich lassen sich die Methodenbeschreibungen auch einzeln als Micro-Content weiternutzen.

Ganz konkret könntest du, wenn du dich das nächste Mal in einer Gruppe mit Kolleg*innen triffst, um ein Thema gemeinsam zu beratschlagen, zu Beginn vorschlagen: ‚Lass uns dazu doch mal eine dieser Methoden ausprobieren!“  Die Beschreibung des Formats und auch die weiternutzbaren Methodenbeschreibungen findest du in meinem Blog.
Zum Blogbeitrag
Inhalte ins Internet bringen mit statischen Website-Tools
Ich habe in den letzten Wochen eine für mich super hilfreiche Zwischenlösung für eigene Online-Inhalte entdeckt. Bisher war es so, dass ich auf der einen Seite komplexe Websites mit Datenbanken hatte, meistens auf Basis von WordPress. Auf der anderen Seite habe ich statische Websites selbst in HTML zusammen geschrieben und dazu meist eine CSS-Designvorlage verwendet.

Während WordPress und Co für so etwas wie meine eigene Website sehr hilfreich ist, weil es mir ein sehr vielfältiges und strukturiertes Teilen von Inhalten inklusive jeder Menge Spielerei ermöglicht, ist das für einfache Web-Angebote z.B. begleitend zu einer Fortbildung oft zu viel. Die selbst geschriebenen HTML-Seiten hatten dagegen oft zu wenig Funktionalität. Wenn ich z.B. im Footer etwas ändern wollte oder etwas an der Navigation ergänzt werden sollte, musste ich das auf allen Seiten anpassen. Das war oft ziemlich nervig!

Genau hier kommt dann die Zwischenlösung ins Spiel: Statische Website-Tools, die weiterhin ohne Datenbank funktionieren und sehr robust und sicher sowie ohne viel SchnickSchnack sind, aber zugleich von der Gestaltung her mein Leben deutlich einfacher machen, weil ich nicht in HTML schreibe, sondern Markdown oder auch einen ganz normalen Editor auf meinem Laptop nutzen kann, zusätzlich Einstellungen und Navigation der Website zentral festlegen kann – und aus all diesen Angaben und Inhalten wird dann von dem Tool die Website generiert, die ich dann online stellen kann. Wenn ich etwas ändern und anpassen will, reicht das an der jeweiligen Stelle. Super praktisch und wie ich finde auch vom Ergebnis her sehr überzeugend und schick!

Am meisten habe ich hier bisher mit dem statischen Website-Tool Publii experimentiert. Um es zu nutzen, installierst du dir das Open Source Programm auf deinem gewünschten digitalen Endgerät. Dann kannst du direkt deine erste Website erstellen. Um sie online zu bringen, verbindest du sie falls vorhanden mit einem Online-Raum, den du dir bei einem Hosting-Anbieter besorgt hast. Oder du stellst sie ganz ohne weitere Kosten über Plattformen wie Github, Gitlab oder Codeberg online. Schön ist, dass du in jedem Fall die Hoheit über deine Inhalte behältst, weil sie ja zuallererst mal auf deinem eigenen Gerät liegen und du sie somit jederzeit überall hin online umziehen kannst.  Im folgenden Blogbeitrag habe ich mehr über statische Website-Tools geschrieben.
Zum Beitrag
Ein Online-Countdown-Timer in Präsentationsfolien mit Reveal.JS
Bei der oben erwähnten Veranstaltung in Bielefeld stand das zeitliche Raster für die Sessions schon vorab fest. Vor diesem Hintergrund gestaltete ich mit der Präsentations-Software Reveal.JS Folien mit integriertem Timer, die sich sehr einfach weiter nutzen lassen. Ich kann mir einen Einsatz z.B. gut bei Barcamps oder ähnlichen Formaten vorstellen, wo es im Vorfeld einen feststehenden zeitlichen Rahmen gibt.  Zur Weiternutzung kannst du folgendermaßen vorgehen:

1. Du registrierst dich bei Github.com bzw. meldest dich an und öffnest dann dieses Repository.
2. Du wählst den grünen Button ‚Use this template‘ und wählst ‚create a new repository‘ aus.
3. Du entscheidest dich für einen Namen und gibst auf Wunsch auch eine Beschreibung an.
4. Du öffnest die index.html Datei in deinem Verzeichnis und ersetzt den Inhalt durch diesen Code. Dabei passt du die Zeiten ab Zeile 175 so wie benötigt an.
5. Du aktivierst Github Pages (unter Settings, Pages, dann bei Branch ‚live‘ wählen und speichern).
6. Deine Präsentation, die du beliebig in der index.html Datei ändern kannst, findest du dann unter DeinAccountname.github.io/deinverzeichnisname (Es kann manchmal 5 Minuten dauern, bis die Seite erstellt ist oder Änderungen sichtbar werden!). Zu Beginn sehen die Folien so aus.
Menschen schauen auf einen Sessionplan. Dahinter ein Timer.
Mehr Freude im Online-Raum: schöne Methoden!
Die Lockdowns der Corona-Pandemie liegen nun schon wieder einige Zeit zurück. Und in Online-Lernangebote schleicht sich meiner Beobachtung nach mehr und mehr Routine und passives Zuhören, anstelle von Ausprobieren und Austausch ein.  Ich habe das zum Anlass genommen, um bei meinen Online-Angeboten wieder mehr freudvolleren und partizipativeren Austausch zu versuchen. Sehr hilfreich fand ich dazu unter anderem diese drei Möglichkeiten:
1. Perspektiven-Einstieg:  Ein Chatgewitter ist eine sehr typische Methode im Online-Raum. Noch vielfältiger und perspektivenreicher wird dieses, wenn Teilnehmende je nach einem bestimmten Merkmal aufgefordert werden, eine bestimmte Sache zu schreiben. Gut eignet sich dafür zum Beispiel der Geburtsmonat. Hier ist ein Beispiel aus einer KI-Veranstaltung: 
Eine Folie mit einer Anleitung. Je nach Geburtsmonat werden Teilnehmende aufgefordert, etwas anderes zu teilen.
2. Freeze: Freeze gehört zu meinen Lieblingsmethoden, weil sie Körperlichkeit mit Inhalten verbindet. Einfach erklärt geht es bei Freeze darum, die Kamera freizugeben und dann in einem Standbild zu verharren, das etwas Bestimmtes zum Ausdruck bringt. Zum Beispiel: „Wie siehst du aus, wenn Bildung offen ist?“ Sehr gut funktioniert es dann auch das entsprechende Gegenbild zu machen. Also in diesem Beispiel: „Wie siehst du aus, wenn Bildung geschlossen ist?“. Wenn es für alle in Ordnung ist, lassen sich solche Freeze-Bilder anschließend auch gut über Social Media teilen.
3. KI-Kennenlernfrage Zum Online-Einstieg in eine mehrteilige Veranstaltungsreihe habe ich mit KI-generierten Vorstellungsfragen experimentiert. Das war sehr auflockernd. Das genaue Vorgehen habe ich hier notiert. 
Weiterdenken: 3×3 Thesen zu guter Bildung im digitalen Wandel
Vergangene Woche war ich bei der Hessischen Lehrkräfteakademie zu Gast und war eingeladen, mehrere Impulse zu Bildung, Digitalität und KI vorzustellen. Den Tag fand ich sehr motivierend! Zugleich fand ich für mich auch die Vor- und Nachbereitung hilfreich, weil ich damit 3×3 Thesen sehr prägnant zusammen gefasst entwickelt habe, die sich jetzt gerne auch weiternutzen lassen. Vielleicht willst du diese Impulse auch z.B. als Einstieg in eine Diskussion nutzen. 
Zu den Thesen
Lerngestaltung mit Nordsternen im Blick: Skalierbare Methoden, die Menschen in intensiven Austausch bringen!
Menschen zu Zukunftsgestaltung in den Austausch bringen, ist eine herausfordernde und sehr spannende Sache. Ich habe in den letzten Wochen unter anderem die folgenden beiden Methoden genutzt und kann sie sehr weiter empfehlen:
1. Kopfstand mit Schwert / Schnecke / Rolltreppe

Alle erhalten einen Zettel auf dem eines von drei Symbolen aufgedruckt ist: Schwert, Schnecke, Rolltreppe. Die Symbole stehen für eine Herangehensweise an Veränderung, die passiv und/oder regressiv, aber eben nicht aktiv und gestaltend zugleich ist.  Schwert: Veränderungen werden als etwas Negatives gesehen, die es zu bekämpfen gilt. Schneckenhaus: Veränderungen werden ertragen. Man zieht sich zurück. Rolltreppe: Veränderungen werden abgearbeitet, ohne dabei zu gestalten. Die Beteiligten finden sich zunächst in Kleingruppen mit dem gleichen Symbol zusammen und begeben sich in eine Art Kopfstand der Lerngestaltung. Die Frage lautet: Wie würde ich Lernen im Sinne von Schwert/ Schneckenhaus/ Rolltreppe gestalten? Der nächste Schritt ist dann ein Gruppenpuzzle für den Kopfstand zurück. Es werden Kleingruppen gebildet, in denen alle Symbole vertreten sind und gemeinsam wird überlegt: Was wäre stattdessen eine Lerngestaltung, die Zukunft aktiv und gestaltend betrachtet?

(Diese Methode war Teil eines schulübergreifenden Projekttags mit der Hoffbauer-Stiftung in Potsdam, über den ich hier gebloggt habe. )
2. Future Backwards Gruppenpuzzle

Ebenfalls mit einem Gruppenpuzzle funktioniert eine abgewandelte Future Backwards Methode. Bei dieser Methode finden sich Kleingruppen zu drei Perspektiven zusammen. Sie überlegen zu einem vorab festgelegten Thema:  ‚Spuren‘-Team: Wie sind wir dorthin gelangt, wo wir heute stehen Nordstern-Team: Was wäre bei dem Thema eine ideale und perfekte Zukunft? Kopfstand-Team: Wohin wollen wir auf keinen Fall? Im Gruppenpuzzle kommen dann alle drei Perspektiven zusammen und man überlegt gemeinsam: Was könnte bei diesem Thema ein erster, konkreter Schritt sein? (Diese Methode habe ich gemeinsam mit Gratian Riter in einer Session bei der Edunautika in Hanau ausprobiert und hier ausführlich beschrieben.)
Dauerthema KI: Fortbildungskonzepte aus pädagogischer Perspektive
Künstliche Intelligenz bleibt in meiner Arbeit weiterhin das am meisten anmgefragte Thema. Und meine große Herausforderung ist somit weiterhin, im Kontext von KI zu den dahinter liegenden grundsätzlichen pädagogischen Fragen mit den Teilnehmenden meiner Workshops vorzudringen. Bei zwei Worlkshops in der letzten Zeit hat das aus meiner Sicht besonders gut geklappt.

Im ersten Workshop sind wir von Lernbedürfnissen ausgegangen und haben reflektiert, wie sich die Bedürfnisse im Kontext von KI verändern.

Im zweiten Workshop haben wir erst sehr mit Werkzeug-Perspektive überlegt und dann eine Art zweite Runde mit Lernkultur-Veränderung im Blick angeschlossen.

Die Konzepte der beiden Workshops habe ich verbloggt und darin auch die verwendeten Inhalte zum Weiternutzen verlinkt. Du kannst das alles sehr gerne Weiternutzen!
Workshop 1 (Lernbedürfnisse)
Workshop 2 (Doppelrunde)
👋 Ich bin dann mal weg!
Ich werde im Dezember nicht am Schreibtisch sein, sondern eine Auszeit nehmen. Hintergrund ist eine persönliche Krise in meiner pädagogischen Tätigkeit in den letzten Monaten. Inzwischen geht es mir wieder gut. Mir erscheint die Dezember-Auszeit aber gerade deshalb präventiv eine sinnvolle Sache zu sein. Denn ich möchte ungern in Kürze direkt wieder auf die Nase fallen! Über meine Krise habe ich gebloggt. Erstens konnte ich mir auf diese Weise selbst darüber klarer werden, was überhaupt los war, was mir geholfen hat und was ich daraus lerne. Zweitens habe ich im Austausch mit Kolleg*innen festgestellt, dass ich mit solchen Krisen im Kontext der Bildung längst nicht allein bin.  Ich finde es gut, wenn wir darüber transparenter sind, vor allem weil solche Krisen meinem Empfinden nach ansonsten im alltäglichen Funktionieren unsichtbar bleiben. Vielleicht können meine Überlegungen auch anderen helfen. 
Zum Blogbeitrag
Die nächste Edumail erhältst du somit nicht zum Jahreswechsel, sondern erst Ende Januar. Und ich kann dir somit schon heute alles Gute für 2026 wünschen! 🎉 Bevor es in meine Auszeit geht, bin ich in der kommenden Woche aber noch bei der Medienkompetenztagung hier bei uns in Halle dabei und beim OERcamp.global, zu dem man sich noch anmelden kann. (Das Programm läuft nonstop über 24 Stunden. Du kannst dir die Sessions aussuchen, die für dich besonders interessant sind. Und es haben sich schon Teilgebende aus über 70 Ländern angemeldet. Das wird spannend!). 

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