Zum Nachmachen empfohlen: kollaboratives Mini-Barcamp mit Methoden-Erkundung

Menschen schauen auf einen Sessionplan. Dahinter ein Timer.

Ich war heute in Bielefeld (ja, wirklich 😉). Anlass war die Digital Learning Konferenz an der dortigen Hochschule, die in diesem Jahr als interne Veranstaltung konzipiert war. Neben inhaltlichen Workshops am Nachmittag und einer Keynote zu KI am Vormittag, war zwischendrin ein Zeitslot mit knapp 2 Stunden, den ich mit einem ‚Austausch- und Vernetzungsformat‘ gestalten durfte. Die Konzeption und Durchführung erfolgte gemeinsam mit dem Team SELL (= Services für Lehren und Lernen).

Aus meiner Sicht hat das Format sehr gut geklappt. Ich beschreibe es im Folgenden und teile die verwendeten Materialien, so dass du es bei Interesse sehr niederschwellig weiternutzen kannst!

Warum ein Austausch- und Vernetzungsformat?

Wie auch an vielen anderen Orten ist es auch an der Hochschule Bielefeld ein wichtiges Ziel, dass Selbstlernen und Austausch unter Lernenden gestärkt wird, um aktiv gestaltend, gemeinsam und mit kreativen Ideen an Herausforderungen wie z.B. aktuell den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf das Studium herangehen zu können. Mit dem heutigen Austausch- und Vernetzungsformat waren vor diesem Hintergrund mehrere Ziele verbunden:

  • Inhaltlich sammeln und reflektieren, was für Lehrende aktuell wichtige Themen sind, um diese in zukünftigen Veranstaltungen aufgreifen zu können.
  • Einen gemeinsamen Austauschraum anbieten, um direkt mit dem gemeinsamen Lernen zu starten und dieses zu erleben.
  • Gemeinsam zu lernen, wie solch ein Austausch und eine Vernetzung produktiv gestaltet werden kann.

Unsere Idee war hierzu ein kollaboratives Mini-Barcamp mit Methoden-Erkundung in den einzelnen Sessions.

Was ist ein kollaboratives Mini-Barcamp mit Methoden-Erkundung?

Das zentrale Prinzip eines Barcamps als einem offenen Veranstaltungsformat ist, dass die Inhalte der Veranstaltung zu Beginn noch nicht (vollständig) feststehen, sondern von den Anwesenden gemeinsam entwickelt werden. Es gibt dann immer mehrere Angebote, so genannte Sessions, parallel. Alle können entscheiden, wo sie mit diskutieren wollen.

Barcamp-Prinzip: Zu Beginn ein noch leerer Sessionplan

Während Sessions bei Barcamps meistens 45 Minuten lang dauern, haben wir nur ein Mini-Barcamp gemacht. Das bedeutet konkret: Es gab zwei Slots mit je 20 Minuten und einer 10-minütigen Wechselpause zwischendrin.

Zweitens war unser Barcamp ein kollaboratives Barcamp. Es gab also nicht individuelle Session-Angebote, sondern zunächst haben alle Teilnehmenden eine Frage oder ein Thema aufgeschrieben, zu dem sie sich austauschen wollen. Danach gab es eine Murmel- und Wuselphase, um Themen zu clustern und zu priorisieren. Daraus entstand dann der gemeinsame Sessionplan. (Das Vorgehen mit Kartentausch oder Gruppenbildung habe ich von der edunautika in Hanau abgeschaut; ich hatte in früheren Veranstaltungen mit der 35er Methode experimentiert, was hier aber wahrscheinlich zu langwierig gewesen wäre)

Erklärung zur Themenclusterung

Die wichtigste Ergänzung zu einem normalen Barcamp war drittens die vorbereitete Methoden-Erkundung in den einzelnen Sessions. Da es durch die kollaborative Gestaltung des Sessionplans keine Sessiongeber*innen gab, die sich für Anleitung und Moderation in den Sessions verantwortlich fühlten und da wir zugleich erreichen wollten, dass Peer-to-Peer Lernkompetenz durch praktisches Erleben von einem gut funktionierenden Austausch entwickelt und ermöglicht wird, hatten wir methodische Anleitungen vorbereitet, die an den einzelnen Session-Orten auslagen und dort zur Strukturierung und Gestaltung des Austauschs genutzt werden konnten.

An einem Sessionraum gab es z.B. die Anleitung für ein Pop-Up Meeting, bei dem zunächst auf Post-Its Fragen, Informationen und positive/negative Aspekte gesammelt wurden. In einer anderen Session konnte man die Future Backwards Methode ausprobieren. In einer weiteren Session die Kopfstand-Methode …

Ein Sessionort: hier mit der Anleitung für die Kopfstand-Methode

Nach den beiden Sessionsdurchgängen kamen wir für ein kurzes Blitzlicht im Plenum zusammen.

Was sind Erfahrungen und Learnings aus dem Format?

Aus meiner Sicht hat das Format perfekt funktioniert. In sehr kurzer Zeit gelang ein intensiver Austausch und viele konnten zugleich auch neue, methodische Anregungen für sich mitnehmen.

Für das Gelingen ist es entscheidend, dass man bei der Gestaltung des Sessionplans überlegt, welche Methode sich für welches Thema besonders gut eignet. Zum Beispiel könnte eine kollegiale Beratung besser zu einem eher grundsätzlichen Thema passen, während die Kopfstand-Methode für ein Thema gut passt, wo es um Ideenentwicklung geht. Die 1-2-4-all Methode eignet sich dagegen gut für kollaborative Sammlungen.

Wichtig scheint mir außerdem, dass die Methoden wirklich nur ganz kurz und sehr Hands-On beschrieben sind und die entsprechenden Session-Orte bereits passend zur Methode vorbereitet sind. Bei der kollegialen Beratung fanden die Teilnehmenden zu Beispiel einen Stuhlkreis vor. Bei der Future Backwards Methode hatten wir einen bespannten Tisch vorbereitet und hier schon einen Zeitstrahl eingezeichnet.

Vorbereiteter Session-Ort für die Future Backwards Methode

Als Mini-Barcamp blieben wir in einem großen Saal und nutzten zusätzlich das Foyer. Das war hilfreich, weil wir dann am Beamer mit einem Countdown für alle jederzeit transparent anzeigen konnten, wieviel Zeit zum Austausch in der jeweiligen Session noch besteht!

Während der Sessions: eingeblendeter Countdown für alle

Durch die Kürze der Zeit in den Sessions haben wir auf eine Dokumentation des inhaltlichen Austauschs verzichtet. Hier haben alle für sich Notizen festgehalten. Hier könnte man aber durchaus überlegen, doch auch Etherpads für kollaborative Mitschriebe anzubieten.

Fazit: Weiternutzen!

Ich habe das SELL-Team bei einem OERCamp kennen gelernt. Vor diesem Hintergrund waren wir uns in der Vorbereitung sofort einig, dass wir die erarbeiteten Materialien sehr gerne zum Weiternutzen als OER zur Verfügung stellen. Hier sind in diesem Sinne die genutzten 8 Methoden, die du gerne direkt weiternutzen oder auch beliebig erweitern und anpassen kannst. Die Lizenz ist CC0 1.0.

Die Folien mit den integrierten Countdown-Timern habe ich mit RevealJS gestaltet. (Wenn die Uhrzeit am jeweiligen Tag schon vorbei ist, steht auf den Folien immer ‚Jetzt‘. Ab Mitternacht beginnt dann der Countdown. Zu der Zeit, in der solch eine Präsentation dann zum Einsatz kommen soll, ist das dann alles passend!).

Ich kann mir eine Weiternutzung solcher Folien auch sehr gut für klassische Barcamps vorstellen bzw. immer dann, wenn es einen festen zeitlichen Rahmen gibt, in dem eine Veranstaltung stattfindet. Die genauen Uhrzeiten und Dauer lassen sich dann beliebig anpassen. Zum Weiternutzen gehst du in diesen Schritten vor:

  1. Du registrierst dich bei Github.com bzw. meldest dich an und öffnest dann dieses Repository.
  2. Du wählst den grünen Button ‚Use this template‘ und wählst ‚create a new repository‘ aus.
  3. Du entscheidest dich für einen Namen und gibst auf Wunsch auch eine Beschreibung an.
  4. Du öffnest die index.html Datei in deinem Verzeichnis und ersetzt den Inhalt durch diesen Code. Dabei passt du die Zeiten ab Zeile 175 so wie benötigt an.
  5. Du aktivierst Github Pages (unter Settings, Pages, dann bei Branch ‚live‘ wählen und speichern).
  6. Deine Präsentation, die du beliebig in der index.html Datei ändern kannst, findest du dann unter DeinAccountname.github.io/deinverzeichnisname (Es kann manchmal 5 Minuten dauern, bis die Seite erstellt ist oder Änderungen sichtbar werden!). Zu Beginn sehen die Folien so aus.

Mir hat die Konzeption und Durchführung viel Freude gemacht. Herzlichen Dank an das SELL-Team. Viel Freude bei der Weiternutzung!


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