Im Sommer letzten Jahres teilte ich in meiner Edumail eine Selbstreflexion: Insbesondere angesichts großer gesellschaftlicher Herausforderungen wünsche ich mir, mit meiner pädagogischen Tätigkeit wirkungsmächtiger zu werden und durch mein Handeln etwas in dieser Welt zum Besseren verändern. Vernetzung mit anderen, die Ähnliches reflektieren, erschien mir dafür ein guter Weg.
Auf meine vor diesem Hintergrund ausgesprochene Einladung, über die Perspektive einer strategischen Orientierung für mehr Wirkungsmacht in der pädagogischen Tätigkeit gemeinsam nachzudenken, haben sich zahlreiche Interessierte gemeldet. Wir haben uns einige Male online getroffen. Dabei entstand die Idee und – dank einer Förderung des NLQ – auch zugleich die konkrete Möglichkeit, sich in Präsenz für zwei Tage zu treffen, um gemeinsam über die Frage nach mehr Wirkungsmacht (und was das überhaupt genau sein könnte) nachzudenken. Dieses Treffen hat nun am 13./14. Februar 2026 unter Beteiligung von rund 30 Personen aus unterschiedlichsten Kontexten der Bildung stattgefunden.
Ich habe dieses Treffen als sehr bereichernd, konstruktiv und stärkend erlebt. Die Dokumentation der Ergebnisse des Treffens findet sich in Kürze auf der während des Treffens eingerichteten Website Wirksam-Lernen.de, auf der wir auch zukünftig über unsere Aktivitäten berichten möchten und auf der es die Möglichkeit zum Eintrag in einen Infoverteiler gibt.
In diesem Blogbeitrag möchte ich mein Vorgehen in der Konzeption und Durchführung teilen und zum Nachmachen und Weiternutzen solcher Formate ermutigen.
Grundsätzliche Orientierung: Ko-Kreation
Ich habe mich für dieses Treffen für den Ansatz der Ko-Kreation entschieden. Ko-Kreation verstehe ich dabei als einen Bildungsansatz, bei dem mit maximaler Offenheit gemeinsam von allen Beteiligten entschieden werden kann, was gemeinsam gemacht und gestaltet wird und wie man dabei vorgehen will.
Die Entscheidung für diesen Ansatz hatte mehrere Gründe:
- Ich bin der festen Überzeugung, dass es bei guter Lerngestaltung vor allem darum geht, dass Teilnehmende gutes Lernen selbst erleben. Im Kontext von Wirkungsmächtigkeit erscheint mir das noch einmal bedeutsamer: Denn wie soll eine Person über Wirkungsmacht lernen, wenn sie sich dabei in diesem Lernen nicht auch selbst als wirkungsmächtig erleben kann?
- Normalerweise werde ich mit der Gestaltung von Lernangeboten beauftragt und so gut wie immer sind damit dann Erwartungen oder auch konkrete Lernziele verbunden. Hier hatten wir es tatsächlich mit einem völlig offenen Prozess zu tun. Ich gestaltete ihn ehrenamtlich und es war meine Einladung. Ich konnte also meiner intrinsischen Motivation folgen, den Prozess für uns alle möglichst wirkungsmächtig zu gestalten, anstatt häufig ja leider gerade nicht lernförderliche Vorgaben einhalten zu müssen.
- Aus den Vortreffen und den Anmeldungen war mir bewusst, dass wir eine Gruppe mit sehr vielfältigen Perspektiven sein würden, in der sich die meisten untereinander noch nicht kannten. Gemeinsame Wirkungsmacht kann in solch einem Kontext nur entstehen, wenn alle sich mit ihren Perspektiven einbringen können.
- Durch die Art der Ankündigung (~ Lass uns gemeinsam in unserer pädagogischen Tätigkeit die Welt besser machen!) und die Freiwilligkeit der Teilnahme hatte ich ein sehr großes Vertrauen, dass die beteiligten Menschen mit einer hohen intrinsischen Motivation und viel Experimentierfreude und Offenheit kommen würden. Damit passte Ko-Kreation ganz wunderbar zu dieser Gruppe.
- Mein eigenes Lernanliegen war, solch einen offenen ko-konstruktiven Prozess in der Praxis auszuprobieren. Und – ganz eigennützig – wollte ich auch selbst Raum und Möglichkeiten haben, mich gleichberechtigt in die Diskussionen einzubringen. Ohne eine Diversifizierung von Verantwortung wäre das nicht möglich gewesen.
Grundlegung
Auch ein so offener Prozess wie eine Ko-Kreation benötigt natürlich zunächst eine Grundlegung, um überhaupt gemeinsam starten zu können. Bei meinem Versuch einer Grundlegung waren mir drei Aspekte wichtig:
Ich machte erstens direkt zu Beginn transparent, dass es kein fertiges Konzept zur Durchführung gibt, sondern insbesondere die Gestaltung am zweiten Tag bisher noch völlig offen sei.

Ich stellte zweitens ebenfalls direkt zu Beginn das Prinzip der Ko-Kreation vor, indem ich es von Delegation, Partizipation und Kollaboration abgrenzte:

(Diese Darstellung habe ich übrigens sinngemäß aus dem Buch ‚Macht. Mit Co-Creation von guten Absichten zu echter Wirkung‚ von Katrin Elster und Dörte Schröder, was ich allen weiter empfehlen kann, die keine Handlungsanleitung für Ko-Kreation, sondern ein grundlegendes Verständnis dazu suchen).
Schon beim Ankommen hatten alle Beteiligten drittens ein Journaling-Heft mit möglichen Reflexionsfragen zum Einkleben erhalten. Auch hier gab ich direkt zu Beginn Zeit, um sich dieses Heft anzueignen und zu gestalten und so noch besser die Verantwortung für den eigenen Lernprozess übernehmen zu können.

In das Heftchen war vorne mit einem QR-Code der Link zu unserem (schon zuvor genutzten) kollaborativen Mitschrieb eingeklebt. Außerdem ein QR-Code zu einer Peerfeedback-Gruppe, in die man seinen Namen eintragen konnte, um Feedback von anderen zu bekommen und auch anderen Feedback geben zu können. (Das Tool dazu – Peerfeedback.de – hatte ich in der letzten Woche neu entwickelt und wir haben es in Göttingen zum ersten Mal ausprobiert. Ich fand, dass es sehr gut funktioniert hat und kann es zur Weiternutzung also weiter empfehlen.)
Der Einstieg in das eigentliche ‚Programm‘ gestaltete sich dann in mehreren Schritten:
1. Gegenwärtig werden
Wir starteten damit, anzukommen und uns den Raum anzueignen. Dazu liefen wir alle durch den Raum und nahmen alles auf, was wir beobachteten, blieben dann auf ein Zeichen hin stehen, schlossen die Augen und ich fragte einzelne Aspekte ab (Also z.B. Welche Farbe haben die Vorhänge im Raum? Was ist in der Mitte unseres Stuhlkreises? Wie viele Flipcharts stehen im Raum?) und alle konnten für sich rekapitulieren, ob sie die entsprechenden Sachen wahrgenommen hatten.
Anschließend bewegten wir uns weiter durch den Raum und schauten bewusst die anderen Teilnehmenden an. Wieder schlossen wir die Augen. Im ‚Popcorn-Stil‘ (= spontanes Sprechen und dabei aufeinander achten, so dass alle, die sprechen wollen, gut zu Wort kommen können) teilten diejenigen, die wollten, was sie wahrgenommen hatten. (z.B. Es sind einige Brillenträger*innen dabei, wir sind ältere und jüngere Menschen, wir sind mehr Frauen als Männer …).
Ich habe diese Methode im Kontext von Theaterpädagogik kennen gelernt. Nächstes Mal würde ich sie stärker noch mit individuellem Ankommen verbinden, indem alle erst einmal auf ihren Stühlen sitzen bleiben und bewusst das wahrnehmen, was vor, neben und hinter ihnen ist und auch sich selbst an ihrem jeweiligen Platz erspüren.
2. Teil der Gruppe werden und sich verbinden
Im nächsten Schritt machten wir eine Vorstellungsrunde im Plenum. Alle teilten Namen, Kontext und Ort. Das finde ich für Gruppenbildung immer wichtig, dass alle auf diese Weise einmal im Plenum gesprochen haben.
Direkt im Anschluss an die Vorstellung war Raum für eine Wusel-Vernetzung. Alle bewegten sich wieder und konnten untereinander ins Gespräch kommen. Verbunden war dieser Part mit der Einladung, ganz bewusst darauf zu achten, mögliche Vorannahmen, die sich vielleicht in der Vorstellungsrunde über andere gebildet hatten, zurück zu stellen und sich auf diese Weise offen auf die jeweils andere Person einzulassen.
3. Erwartungen abgleichen und ein gemeinsames Verständnis zur Veranstaltung finden
Nachdem wir dann auf diese Weise im Raum und in der Gruppe angekommen waren und erste Verbindungen geknüpft waren, ging es um eine Verständigung über das Ziel unserer Veranstaltung. Ich hatte mir im Vorfeld überlegt, dass es unterschiedliche Perspektiven auf die Veranstaltung geben könnte:
- Ein Ideenlab oder Thinktank
- Ein Retreat und Vernetzung
- Inspiration und Lernen
- Oder auch bewusste Offenheit bzw. etwas ganz anderes (Joker).

Diese vier Optionen standen auf Flipcharts in den vier Ecken des Raumes. Alle ordneten sich zunächst dort zu, was am meisten auf sie zutraf. In einer Blitzlichtrunde (= Alle kommen zunächst kurz zu Wort. Ich spreche erst dann zum zweiten Mal, wenn alle anderen vor mir geredet haben) begründeten die Zusammenkommenden ihre Auswahl.
Anschließend kamen aus allen Gruppen Menschen in einem Gruppenpuzzle zusammen und suchten nach einer Verständigung zum Satzanfang:
Wenn ich morgen nach Hause fahre, war die Veranstaltung für mich dann erfolgreich / nicht erfolgreich, wenn …
Die Statements aus den Gruppen wurden dann im Plenum vorgelesen.
Anschließend notierten alle auf Karten, was sie in den Prozess einbringen wollen/ können und auch, was mögliche eigennützige Motive (‚Hidden Agenda‘) sind. Solche eigennützigen Motive (z.B. ‚Ich suche nach Inspiration für die eigene Durchführung von Fortbildungen‘) sind aus meiner Sicht etwas sehr Sinnvolles und Legitimes. Für einen Gruppenprozess erlebe ich es als sehr zielführend, wenn diese untereinander bewusst transparent gemacht werden.
Mit den Karten wuselten wir erst durch den Raum und stellten sie uns gegenseitig vor. Anschließend wurden sie auf einer Pinnwand gesammelt.
Abschluss: Körperliches Feedback
Diese Grundlegung war bereits ziemlich intensiv, so dass die dann anstehende Kaffeepause sehr willkommen war. Wir leiteten sie ein mit einem körperlichen Feedback: Dazu kauern sich alle erst ganz klein zusammen und strecken sich dann ganz groß aus. Dann suchen sie die Position, die vorgelesene Aussagen für sie auf einer Skala von 0-10 beantwortet. (0 wäre ganz zusammenkauern; 10 wäre ganz ausstrecken). Ich fragte z.B. ‚Wie spannend findest du unsere Gruppe? Wie wohl fühlst du dich? Wie zuversichtlich bist du, dass uns der weitere Prozess gut gelingt?‘
Planung
Nach der Kaffeepause starteten wir dann in die Planung für den nächsten Tag. Das war für mich der aufregendste Part an der ganzen Veranstaltung, weil ich erstens vorher noch nie so vorgegangen war und zweitens ich hier die Verantwortung zur Gestaltung des Tages tatsächlich sehr umfassend mit der Gruppe teilte.
Ich hatte mir dazu den folgenden Rahmen überlegt:
Im Raum waren wieder vier Fragen verteilt, die jeweils wichtige Aspekte der weiteren Planung beinhalteten:
- Welche Themen sind dir wichtig?
- Wie wollen wir methodisch vorgehen? Wer übernimmt wann die Moderation?
- Was passiert Drumherum? Wie stellen wir sicher, dass sich alle beteiligen können?
- Was denken wir von Anfang an mit, was nach der Veranstaltung passieren soll?

Mit diesen Fragen im Blick starteten wir zunächst eine ‚Briefkasten‘-Phase. Alle konnten hier zu allen Fragen auf Notizzetteln das schreiben, was ihnen zu der jeweiligen Frage wichtig ist und diese Zettel dann zu den jeweiligen Tischen wie in eine Art Briefkasten ‚einwerfen‘. Danach kündigte ich vier Open Space Phasen an:
- An einem Tisch zusammenfinden und erst einmal alle Zettel clustern und priorisieren.
- Gemeinsam einen ersten Beta-Plan entwickeln.
- Diesen Plan durch ein erstes Feedback verbessern.
- Und den Plan durch ein zweites Feedback verbessern.

In diese Phase brachte ich mich dann wie alle anderen Teilnehmenden auch gleichberechtigt in den Prozess ein und behielt nur noch die Rolle der Zeitwächterin.
Ich hatte viel Freude daran zu beobachten, dass es sich sehr auszahlte, dass ich Vertrauen in die Gruppenprozesse hatte. Denn gemeinsam entwickelten wir hier sehr konstruktiv die Antworten auf die verschiedenen Fragen. Ganz selbstverständlich wurden dabei jeweils auch die anderen Flipcharts mitgedacht und z.B. Kundschafter*innen und Botschafter*innen zwischen verschiedenen Fragetischen hin und hergeschickt. Wir alle hatten ja das gemeinsame Ziel, für uns selbst und für die ganze Gruppe eine möglichst wirkungsmächtige Planung zu konzipieren.
Kurz vor dem Abendessen hatten wir dann zwar noch keinen ganz fertigen Plan, aber doch sehr gute Orientierungen zum Weitermachen. Ich lud alle ein, die sich an jeweils einem Frage-Tisch hauptverantwortlich den Hut aufgesetzt hatten, gemeinsam die genauere Ausgestaltung zu übernehmen. Alle anderen hatten erst einmal Zeit für Vernetzung und auch für das Abendessen.
In der ad hoc gebildeten Kleingruppe kamen wir dank der kollaborativen Vorarbeit sehr schnell zu einem ersten groben Raster für den nächsten Tag:
Kern sollte unsere Leitfrage sein: Wie kommen wir zu (mehr) Wirkungsmacht? Dabei wollten wir immer auf System, Mensch und Wirkungsmacht blicken. Methodisch wollten wir am Vormittag eine erste Sammel-, Inspirations- und Austauschphase in Form eines Mini-Barcamps / Open Space machen. Nachmittags dann Wirkungsmacht in Bezug auf unsere entstehende Initiative hin konkretisieren, also die Frage stellen: Wie können wir gemeinsam wirkungsmächtiger werden?

Die einzelnen Gruppen hatten zum Teil sehr konkret vorgearbeitet. Es waren Verantwortlichkeiten für Zeitwächter*innen oder Moderation eingetragen, ebenso auch Planungen für Energizer und Rahmenprogramm.
Vor dem Abendessen gab es direkt schon die erste Aktion: Die ‚Drumherum-Planungs-Gruppe‘ hatte einen kleinen Check-in vorbereitet, um zu schauen, wie gut es allen Beteiligten geht und ob Intervention/Veränderung nötig ist. Das führten sie im Plenum durch:

Ich bin mir ziemlich sicher: Alleine hätte ich erstens niemals so eine perspektivenreiche und vielfältige Planung hinbekommen (insbesondere der rote Faden mit Mensch, System, Wirkungsmacht war z.B. etwas, was durch den Austausch zwischen der Methoden- und der Themen-Gruppe entstand), ich hätte viele Dinge übersehen, die anderen aber wichtig waren (z.B. Raum für Selbstfürsorge) und vor allem hätten die Beteiligten niemals so sehr diese Veranstaltung zu ihrer eigenen Veranstaltung machen können.
Ich glaube, dass wir gerade wegen dieser kollaborativen Planungsphase jetzt in der weiteren Arbeit der Initiative auf ein sehr starkes Fundament aufbauen können. Deshalb wären solche Ansätze auch für Schulentwicklungstage oder andere Veranstaltungen so wichtig. Das erfordert dann eben den Mut und die Bereitschaft aller Beteiligten, sich ganz bewusst Zeit und Raum für solch eine Offenheit zu nehmen.
Onboarding
Nach dem Abendessen passte es sehr gut, dass noch einige Nachzügler*innen angereist waren. Somit konnte das entwickelte Programm für den nächsten Tag für die schon davor Dagewesenen rekapituliert werden und für alle neu Angekommenen vorgestellt werden.
Entwicklung
Der zweite Tag startete mit einem optionalen Yoga- und Meditations-Angebot und dann nach dem Frühstück gemeinsam im Plenum. Beim Vernetzen am Abend und auch über Nacht hatten sich manche Gedanken vertieft und Ideen konkretisiert. Auch darum würde ich für solche offenen Formate übrigens immer zwei Tage Zeit empfehlen.
Was wir dann an diesem Tag machten, war – wie dargestellt – nicht mehr allein meine, sondern unsere gemeinsame Konzeption. Ich stelle das Vorgehen trotzdem der Vollständigkeit halber in diesem Blogbeitrag vor.
(Es blieb dabei, dass ich auch an diesem Tag grundsätzlich die Rolle behielt, durch den Tag insgesamt zu führen und den Rahmen zu halten. Das lässt sich aber wahrscheinlich auch nicht anders realisieren bzw. ist wohl auch gar nicht anders wünschenswert. Ich hatte trotz dieser Rolle immer zugleich auch den Eindruck, Teil der Gruppe zu sein und auch mit dieser Verantwortung nicht allein zu sein, weil ganz viele andere ganz genauso mit einem koordinierenden und zusammenhaltenden Blick auf die Entwicklungen in der Gruppe schauten.)
Leitfrage für den Tag
Die grundsätzliche Idee des Tages haben wir in dieser Darstellung aufgezeichnet:

Es ging uns also darum, einen Prozess der Divergenz und Konvergenz zu gestalten, also erst ganz viel einzusammeln und zu teilen, um dann in eine Konkretisierung in Hinblick auf unsere Initiative zu kommen.
Open Space: teilen & erforschen
Den Prozess der Divergenz gestalteten wir dabei in einem Open Space Format, das wir erstens durch vier methodische Vorschläge angereichert hatten. Man konnte zwischen diesen Optionen wählen:
- Interview: Ich habe ein Thema, befragt mich gerne dazu!
- Research: Ich habe eine Frage. Lasst uns gemeinsam etwas dazu herausfinden.
- Thema: Ich teile etwas zu einem Thema und ihr stellt aus euren jeweiligen Perspektiven Fragen dazu.
- Joker: Ich möchte etwas anbieten, was nicht in ein anderes Raster passt.

Zweitens hatten wir an den Plan, in die Mitte des Raumes und auch auf die Sessiontische immer die drei für uns relevanten Fäden gelegt: System, Mensch und Wirkungsmacht. Auf diese Weise sollten sie in den Sessions gezielt im Blick behalten werden.
Sessionplanung und Zeitkümmerer-Rolle waren in der Gruppe verteilt. Für die Dokumentation hatten wir für jeden Slot eine Doku-Kümmerer*in zugeteilt, die am Ende der Session den Flipchart-Mitschrieb sicherte und von der sessiongebenden Person einsprechen ließ oder selbst einsprach, um das Transkript dann durch ein Sprachmodell ‚ordentlich‘ zu formatieren. Das funktionierte ziemlich gut und ich kann es für eine sehr gelingende Dokumentation, die zunächst kollaborativ analog gemacht wird, sehr empfehlen. Besonders für unsere mit 20 Minuten nur sehr kurzen Sessions fand ich das einen sehr guten Weg.
Open Space Vertiefung
Besonders gelungen – auch für mich selbst – fand ich die anschließende Nachbereitung des Open Space:
Zunächst gab es eine ‚Denkende Runde‚: Ungefähr 5 Personen kamen für 20 Minuten zusammen. Alle sprachen nacheinander. Alle hörten zu. Man achtete darauf, dass die Zeit gleichberechtigt verteilt war. Auf diese Weise konnten sich redend, unterstützt durch echtes Zuhören, noch einmal ganz neue Gedanken entfalten. Das empfand ich als sehr lohnend!

Im zweiten Schritt sammelten wir in der Zwei-Spalten-Methode noch einmal in einem schnelleren Verfahren, was Wirkungsmacht befördert und behindert. Das konnte man als eine Art sessionübergreifende Zusammenfassung und zugleich ersten Schritt in Richtung Konkretisierung sehen. Die Zwei-Spalten-Methode ist dabei genau wie die Denkende Runde zugleich einfach und sehr wirkungsvoll:
- Es sammeln sich Kleingruppen vor einem vorbereiteten Flipchart.
- Eine Person notiert alles, was der Gruppe zu den beiden Bereichen einfällt. Dazu ist 8 Minuten Zeit.
- Danach einigt man sich in zwei Minuten, was die jeweils drei wichtigsten Punkte sind.
- Diese Punkte stellen die Gruppen dann nacheinander im Plenum vor.

(Bei der Gestaltung der Flipcharts war uns leider ein Fehler unterlaufen, weil wir die Frage nicht aktiv formuliert hatten. Anstatt zu schreiben: Was trägt dazu bei, dass Wirkungsmacht entstehen kann / verhindert wird? hätten wir besser geschrieben: Was können wir tun, um Wirkungsmacht zu befördern / zu verhindern? Am Beispiel des Eintrags ‚fehlende Ressourcen‘, was jetzt z.B. aufgeschrieben worden war, lässt sich der Unterschied sehr leicht zeigen. Denn hätten wir aktiver formuliert, hätte die Gruppe eher formuliert: Wir kümmern uns nicht um ausreichende Ressourcen, was im Gegensatz zum Eintrag der passiven Formulierung direkt eine aktivere Perspektive ermöglicht hätte. Solltest du die Methode also in deinem Kontext nachmachen, dann versuche unbedingt auf eine aktive Formulierung zu achten!)
Elevator Pitch + Kanban
Am Nachmittag gingen wir mit einem Elevator Pitch + Kanban in die Erarbeitung der nächsten konkreten Schritte.
Das funktionierte so:
- Alle konnten Fragen aufschreiben und sich zunächst mit anderen in einer Wuselphase austauschen und verbinden und clustern.
- Gesammelte Fragen wurden dann in eine ‚To Do‘-Spalte gepackt.
- Wer eine Frage bearbeiten wollte, schrieb den Namen drauf und den Ort, den er/sie zur Bearbeitung auswählen wollte.
- So konnten sich dann Kleingruppen zusammenfinden, die die Frage mithilfe einer Elevator Pitch Vorlage beantwortete.
- Nach fertiger Bearbeitung wanderte die Karte ins ‚Done‘-Feld und man konnte wieder bei 1 starten.

Die nächsten Schritte der Elevator Pitches, die wir erarbeitet hatten, stellten wir dann im Plenum vor.
Bei Weiternutzung kannst du gerne diese Elevator Pitch Vorlage verwenden:
Abschluss im Plenum
Zum Abschluss vereinbarten wir gemeinsam, was schon am Vortag in einer der Planungs-Gruppen vorbereitet worden war: Insbesondere die Fortführung unserer Signal-Gruppe und des Mailverteilers, der weitere Aufbau der Website wirksam-lernen.de, die während der Veranstaltung eingerichtet und im letzten Slot in einer Kleingruppe mit ersten Inhalten gefüllt wurde, und die Einberufung eines Kernteams, was nun den begonnenen Prozess federführend weiter führt.
Außerdem nahmen wir uns Raum, um für uns individuell festzuhalten, welche Anstöße für wirkungsmächtigere Arbeit wir in unsere jeweils eigenen Kontexte mitnehmen.

Fazit
Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für ihre Zeit, ihre wertvollen Perspektiven, ihr konstruktives Mitdenken und auch für ihr Vertrauen, mit dem sie sich auf den Prozess eingelassen haben. Für mich individuell war es eine wunderbar stärkende Erfahrung und ich bin sehr zuversichtlich, dass aus diesem Aufschlag auch ganz viel weitere kollektive Wirksamkeit sowie viele kleine dezentrale Umsetzungsideen entstehen. Schon am heutigen nächsten Tag gab es aus unserer Gruppe heraus eine Einladung zu einer gemeinsamen Lernreise zur Reflexion über Wirkungsmacht. Ich bin mir sicher, dass noch sehr viele weitere Vorhaben entstehen werden.
Wenn dich mit uns das Gefühl eint, eine gemeinsame Verantwortung für eine l(i)ebenswerte Welt zu tragen und du deshalb im pädagogischen Kontext wirksameres Lernen gestalten willst, das zu gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit ermächtigt, dann bist du bei uns genau richtig!
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