Mir hilft im Bildungskontext sehr oft das Bild einer Pflanze, die nur kümmerlich wächst. Denn damit lässt sich gut aufzeigen, wie wichtig es ist, nicht vermeintlich individuelle Defizite zu fokussieren, sondern die Perspektive systemisch zu erweitern.
Hier ist meine Argumentation dazu, die ich vor einiger Zeit (ich weiß nicht mehr wo) gelesen habe und die ich seitdem immer wieder weiter erzähle:
Niemand würde an eine kümmerlich wachsende Pflanze herantreten und sie zu mehr und besserem Wachstum auffordern oder sie sogar beschimpfen, dass sie so armselig vor sich hin vegetiert. Viel naheliegender wäre es, ihre Umgebung zu inspizieren: Hat sie genug Licht und Wärme? Bekommt sie genug Wasser? Hat sie nahrhafte Erde? Diese Rahmenbedingungen sind es in erster Linie, die ihr Wachstum befördern oder eben auch behindern können.
In der Bildung ist unser Fokus dagegen sehr oft ein anderer. Wenn über Widerstände für Veränderung im Kollegium gesprochen wird oder in Hinblick auf Lernende deren fehlendes Interesse, mangelnde Aufmerksamkeit oder geringe Leistungsbereitschaft beklagt wird, dann fokussieren wir vermeintliche individuelle Defizite, wo eigentlich systemische Mängel ursächlich sind. Wenn man eine pädagogische Herausforderung deshalb immer zunächst in das Bild der nur kümmerlich wachsenden Pflanze überträgt, dann ist das sehr förderlich zur Lösungsfindung. Denn das verändert die Perspektive vom Individuum hin zum System und von den einzelnen Personen hin zu den Strukturen, in denen sie sich bewegen.
Mit dieser Perspektive können wir dann viel besser Lösungen entwickeln, die an den eigentlichen Ursachen ansetzen.
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