Wie lehrt man, Fragen zu stellen?

Lernende zu befähigen, gute Fragen stellen zu können, ist kein neuer Ansatz. Insbesondere für die reformpädagogischen Ansätze des Forschenden Lernen war es schon immer grundlegend, dass Lernende nicht eine Frage vorgesetzt bekommen, sondern diese ausgehend von ihren eigenen Bedürfnissen, Vorkenntnissen und Interessen entwickeln. Im Rahmen von neueren Ansätzen zeitgemäßer Bildung wird diese Zielstellung nun ebenfalls aufgegriffen. Die Begründung lautet: Wer nur auf vorgefertigte Fragen nach Antworten sucht, stellt kaum Verbindungen her, hinterfragt nicht und denkt nicht neu. Die richtigen Fragen stellen zu können, beinhaltet dagegen die Fähigkeit, kreativ und innovativ zu sein. Und genau das ist nötig, um in einer sich immer schneller wandelnden Welt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aktiv zu gestalten – statt sich nur passiv an sie anzupassen. Im Alltagsverständnis wird die zentrale Aufgabe von Lehrpersonen dennoch immer noch vorrangig darin gesehen, den Lernenden Fragen zu stellen und ihre Antworten zu bewerten. Doch zeitgemäße Lehre sollte auch und gerade bedeuten, dass Lehrende die Lernenden dabei unterstützen, eigene (und gute!) Fragen zu entwickeln. Eine empfehlenswerte Methode hierfür habe ich in englischsprachigen Blogs gefunden (z.B. auf Mindshift): die Question Formulation Technique (QFT).

Methodenbeispiel: Question Formulation Technique (QFT)

Die Methode QFT umfasst 5 Schritte:

Im ersten Schritt werden die Lernenden dazu aufgefordert, zu einem bestimmten Thema (oder einem Bild, einem Ereignis, einem Raum …) so viele Fragen aufzuschreiben, wie möglich. Diese Aufgabe kann in Kleingruppen durchgeführt werden. Die dabei zu beachtenden Regeln sind, dass nur Fragen (keine Aussagen) notiert werden, dass keine Bewertung der Fragen erfolgt und dass alle Fragen notiert werden.

Im zweiten Schritt wird der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fragen erläutert. Die Lernenden nehmen sich anschließend ihre Frage-Liste vor und markieren offene Fragen mit einem O, geschlossenen Fragen mit einem G.

Im dritten Schritt suchen sich die Schülerinnen und Schüler mindestens je eine offene und eine geschlossene Frage aus und wandeln sie um: aus der offenen Frage soll eine geschlossene Frage werden; aus der geschlossene eine offene.

Im vierten Schritt erfolgt eine Priorisierung der Fragen: In der Kleingruppe (und evtl. auch anschließend mit der gesamten Klasse) werden drei Fragen ausgewählt, die den Lernemden besonders relevant erscheinen. (Oft handelt es sich hierbei übrigens um die Fragen, die von einer ursprünglich geschlossenen Frage zu einer offenen Frage umgewandelt wurden).

Im fünften und letzten Schritt wird gemeinsam über den Prozess reflektiert: Was haben wir über Fragen gelernt? Wie gut hat die Entwicklung von Fragen funktioniert? Wie unterstützt uns solch eine Entwicklung von Fragen beim Lernen?

Meine Einschätzung

Mir gefällt die Methode gut, da sie einfach umsetzbar und in unterschiedlichen Altersgruppen und Fächern verwendbar ist. Sie ermöglicht es Lernenden aktiv mit Fragen zu arbeiten und auf diese Weise ein Gespür dafür zu bekommen, was und wie gefragt werden kann. Mit dieser Erfahrung wird es für sie immer leichter werden, zu unterschiedlichen Themen ihre eigenen Fragen zu entwickeln.