Vom MOOC zum 'Un-Kurs': creatOERs als Experiment für ein offenes Lernangebot

Veröffentlicht am 11.9.2019

Für Ende September habe ich im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin gemeinsam mit Sonja einen Workshop zur Gestaltung von Open Educational Resources (OER) konzipiert. Anders als bei vielen ähnlichen Aufträgen ist hier zusätzlich vorgesehen, dass die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer nicht nur an diesem einen Tag über OER-Erstellung lernen, sondern auch daran anschließend über einen Zeitraum von mehreren Wochen bei ihrer eigenen Materialerstellung mit Coaching- und Unterstützungsangeboten online begleitet werden.

Wor haben überlegt, wie diese Online-Begleitungsphase praktisch aussehen könnte. Passend zum Thema OER kamen wir schnell auf die naheliegendste Antwort: Sie sollte offen gestaltet sein! So entstand das offene Online-Lernangebot creatOERs, das ich Dir in diesem Blogbeitrag vorstellen möchte.

Vorab: Offen bedeutet hier insbesondere, dass jede interessierte Person sich beteiligen kann. Ich freue mich, wenn Du Dich registrierst und mit dabei bist!

Was ist creatOERs?

creatOERs lässt sich am besten als ‘Un-Kurs’ charakterisieren. Genau wie ein Barcamp als ‘Unkonferenz’ die klassischen Strukturen einer Konferenz umdreht (Teilnehmende werden zu Teilgebenden und das Programm wird gemeinsam entwickelt), so dreht der ‘Un-Kurs’ zentrale Parameter eines Kurses um. In einem Blogbeitrag hat Jöran mit dem Fokus auf Community-Lernen eine tabellarische Gegenüberstellung mit 13 Punkten veröffentlicht, die ich dazu sehr passend finde. Für das Online-Lernangebot creatOERs halte ich insbesondere die folgenden fünf Aspekte für relevant:

  1. Jede Person, die möchte, kann sich registrieren und mitmachen.
  2. Es wird nicht über etwas gelernt, sondern an etwas: Teilnehmende/ Teilgebende erstellen im Verlauf des ‘Un-Kurses’ ein eigenes digitales Bildungsmaterial.
  3. Input erfolgt nicht vorrangig von ‘Expert/innen’-Seite - mindestens ebenso wichtig ist der Peer-to-Peer Austauch.
  4. Das Lernen geschieht für alle öffentlich (Um selbst etwas zu schreiben, muss man registriert sein. Um mitzulesen nicht)
  5. Es gibt keinen starren und für alle identischen Zeitplan.

Wie funktioniert Lernen in einem ‘Un-Kurs’ bzw. ganz praktisch bei creatOERs?

Damit Lernen im Rahmen von creatOERs trotz (oder gerade wegen) dieser Offenheit für alle funktioniert, haben wir uns für unseren Un-Kurs die folgende Struktur überlegt:

Technisch haben wir creatOERs basierend auf dem Open Source CMS Drupal umgesetzt.

Wie kann ich mich an creatOERs beteiligen?

Du kannst creatOERs passiv nutzen, d.h. einfach nur mitlesen. Großartig wäre es aber vor allem, wenn Du Dich auf der Plattform als Nutzer/in registrierst. Bis Mitte Dezember hast Du dann ein eigenes digitales Bildungsmaterial erstellt - und nebenbei all das gelernt, was Du dazu können und wissen musst sowie Dich mit anderen Nutzer/innen vernetzt. Wenn Du selbst kein Interesse hast, dann wäre toll, wenn Du den Link zu creatOERs an Kolleg/innen weitergibst, die potentiell Interesse haben. Vielen Dank dafür!

Hier gelangst Du zu creatOERs und hier direkt zur Registrierung (Sie benötigt nur wenige Minuten Zeit).

Kann ich Bildungsmaterialerstellung auch im Rahmen einer Präsenzveranstaltung lernen und ausprobieren?

Ja! Als Ergänzung oder auch unabhängig von creatOERs finden im Rahmen der Förderung der OERcamps in den nächsten Monaten gleich zwei Werkstätten zur Erstellung digitaler Bildungsmaterialien statt. Die erste vom 4.-6. November im Lisum bei Berlin; die zweite vom 07.-09. Februar in Bad Wildbad im Schwarzwald. Ich werde an beiden Werkstätten in der Rolle eines Coaches teilnehmen.

Das Konzept der OERcamp Werkstätten basiert ebenfalls auf einem offenen Lernen - sowohl mit Expert/innen-Input als auch mit Peer-to-Peer Austausch. Im Gegensatz zum creatOERs-Projekt wird es überwiegend als Präsenzfortbildung umgesetzt.

Fazit: Lasst uns das Experiment beginnen …

Ich bin sowohl auf das Online-Projekt creatOERs als auch auf das Präsenz-Projekt der Werkstätten sehr gespannt. Beide sehe ich auch als Experimente, wie gut offenes Lernen - einmal virtuell und einmal face-to-face - in der Praxis funktionieren kann. Bei Experimenten kann man scheitern. Aber ganz sicher werde ich und hoffentlich auch viele andere viel dabei lernen. In diesem Sinne:

Bei Fragen oder Feedback erreichst Du mich per Mail oder auf Twitter.

Und natürlich kannst Du Dir das creatOERs-Konzept auch für einen eigenen ‘Un-Kurs’ remixen. Nähere Informationen dazu liefere ich in einem späteren Blogbeitrag nach.

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