In Hinblick auf die technologische Entwicklung ist gerade eine spannende Zeit: Während viele Menschen schon länger mit Wissensmanagement-Anwendungen im Sinne eines ‚Second Brain‘ experimentieren, kommt nun noch die Möglichkeit dazu, in solche Systeme auch KI-Technologie zu integrieren oder KI-Tools direkt zu einer Art Bibliothekar dieses zweiten Gedächtnisses zu machen. Die Idee für die Interaktion mit der KI ist dann nicht mehr: „Hier sind viele Dateien. Ich stelle dir Fragen dazu!“, sondern vielmehr: „Hier sind viele Dateien. Bringe sie in ein vernetztes System und verknüpfe jeweils neue Inhalte sinnvoll damit.“ Auf diese Weise bekommen – so die Idee und Hoffnung – KI-Tools eine Art Gedächtnis und sind nicht mehr nur Archiv, das jedes Mal wieder von Neuem durchsucht wird.
Angesichts solcher Entwicklungen mutet es ziemlich altertümlich an, nach wie vor zugleich auch ein super-simples, weil statisches Wiki-System für die Zusammenarbeit zu verwenden. Ich empfinde das aber gar nicht als Gegensatz. Vielmehr erscheint es mir gerade in solch einer Situation, wo es mehr und mehr automatisierte und aufwendige Technologie gibt, die vielfach zugleich monopolisiert ist, umso wichtiger, immer wieder die Perspektive von selbst-gehosteten und einfachen Tools aufzumachen, die insbesondere Einzelpersonen ohne größere Infrastruktur oder Organisation im Hintergrund und mit wenig Zeit online stellen und warten können. Das ist dann eine sehr realistische und konkrete Perspektive für digitale Mündigkeit.
Solche Wikis nutze ich – ich habe nachgerechnet – tatsächlich schon seit rund 20 Jahren in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Die Software hat sich in dieser Zeit verbessert: die Installation ist deutlich niederschwelliger, es braucht nur noch minimale Infrastruktur-Anforderungen und die Arbeit damit funktioniert auch mobil. Die grundsätzlichen Prinzipien sind aber gleich geblieben. Und ich finde Wikis immer noch und vielleicht gerade wegen so vieler weiterer und neuerer Möglichkeiten sehr hilfreich!
In diesem Blogbeitrag möchte ich deshalb genauer vorstellen, was ein Wiki in der Zusammenarbeit genau leistet und wie es eingesetzt werden kann, welche Software ich empfehle und wie sich diese installieren lässt.
Spoiler vorab: Du brauchst nicht einmal 10 Minuten, um dir ein selbst-gehostetes Wiki Open Source und datenschutzkonform aufzusetzen. Und die anschließende Zusammenarbeit und der kollaborative Aufbau einer Wissensbasis kann damit sehr gut funktionieren!
Was ist ein Wiki und warum ist es cool?
Was ein Wiki ist, muss dank der großen Bekanntheit der Wikipedia kaum mehr erklärt werden. Im Kern handelt es sich einfach um eine erweiter- und veränderbare Sammlung mit Inhalten, die beliebig miteinander verlinkt werden können.
Ich mag an Wikis vor allem diese Aspekte:
- Offen und flexibel: Ein neu installiertes Wiki gibt erst einmal gar nichts vor. Ich kann mir eine eigene Startseite gestalten und genau die Struktur und den Rahmen aufsetzen, die wir für unsere jeweilige Zusammenarbeit brauchen. Und in diesem Rahmen kann dann kollaborativ ganz wunderbar viel entstehen.
- Relativ selbsterklärend: Tools zur Zusammenarbeit setzen voraus, dass alle Beteiligten in einer Gruppe diese Tools auch gut und niederschwellig nutzen können. Bei einem Wiki scheint mir diese Anforderung relativ gut erfüllt zu sein. Wer Wikis noch nicht kennt, muss eigentlich nur verstehen, dass alle an allen Inhalten schreiben können, immer frühere Versionen gespeichert werden und vor allem dass sich interne und externe Links meist mit eckigen Klammern setzen lassen, um Verknüpfungen herzustellen.
- Offene Formate: In einem Wiki sind Inhalte in offenen Dateiformaten gespeichert. Ich kann sie jederzeit auch aus dem Wiki herausholen und anderweitig weiter nutzen. Damit ist nicht nur die Sicherung von Dateien völlig unproblematisch. Sie lassen sich zugleich auch in vielen anderen Tools nutzen. Ohne solche offenen Formate wäre ein Aufbau einer Wissensbasis deutlich weniger nachhaltig.
Neben dieser Nutzungsebene mag ich aus Perspektive von digitaler Mündigkeit und Offenheit, dass es eine Vielzahl von Open Source Software gibt, die eine realistische Selfhosting-Option ermöglicht.
Das bedeutet: Ich muss keine aufwendige Serverkonfiguration kennen oder eine Datenbank einrichten. Sobald ich ein bisschen Webspace zur Verfügung habe, kann ich die Software hochladen und kann dann direkt an die Einrichtung gehen. Auch eine Sicherung des Wikis ist dank der offenen Dateistruktur sehr unkompliziert.
Wie geht das genau?
Meine Lieblings-Software für ein Wiki ist zurzeit die Open Source Software DokuWiki. Mit dieser funktioniert Installation und Nutzung genau wie oben beschrieben.
Ganz konkret:
- Du kaufst dir bei einem Hosting-Anbieter für rund einen Euro im Monat ein bisschen Webspace und bekommst von dort die Zugangsdaten. Wenn du ohnehin schon eine Webseite hast, kannst du das Wiki einfach in einem Unterordner installieren. Du benötigst keine Datenbank.
- Du lädst dir die Software von der DokuWiki-Website herunter und dann auf deinen Webspace hoch. Dazu kannst du ein Tool wie FileZilla verwenden.
- Du öffnest den entsprechenden Ordner auf der Website und ergänzt beim Link /install.php.
- Das öffnet einen Konfigurations-Screen, in dem du die Sprache (das DokuWiki gibt es in zahlreichen Sprachen und auch auf Deutsch, sogar mit Unterscheidung zwischen formeller und informeller Sprache) auswählst und einen Admin-Zugang mit Passwort bestimmst. (Der Admin-Zugang kann insbesondere weitere Benutzer anlegen. Außerdem kannst du entscheiden, ob das Wiki ganz offen genutzt werden kann (= alle können auch ohne Registrierung alles bearbeiten) oder ein geschützter Raum mit begrenztem Zugang sein soll. Auch die Lizenz der Inhalte ganz festgelegt werden.)
- Anschließend kannst du die Datei install.php löschen – und direkt damit starten, dein Wiki einzurichten.
Wie lässt sich solch ein Wiki nutzen?
Nach der Installation können beliebig viele Benutzer-Accounts angelegt werden. Alternativ kann man auch eine offene Registrierung erlauben.
Vor dem Teilen mit der ganzen Gruppe empfiehlt es sich, ein bisschen vorzustrukturieren. Standardmäßig nehme ich zum Beispiel gerne eine Aktuelles-Rubrik auf, ein Log von Besprechungen/Treffen, einen Gedankenspeicher oder eine Linksammlung.
Wenn ein Wiki vor allem auch als ‚Master-Doc‘, d.h. zur auch synchronen Zusammenarbeit z.B. für Mitschriebe bei Treffen verwendet werden soll, bietet sich eine Kombination mit einem Etherpad an. Das kann so aussehen, dass z.B. das jeweils nächste Treffen einer Gruppe zu einem Etherpad verlinkt wird. Dort kann dann mitgeschrieben werden. Nach dem Treffen wird der Mitschrieb ins Wiki übertragen und somit gesichert.
Wer auch im Bereich von Videokonferenzen Open Source Software und hier ganz konkret BigBlueButton verwendet, kann auf diesen Schritt auch verzichten, denn BigBlueButton verfügt mit den ‚geteilten Notizen‘ über eine kollaborative Mitschreibmöglichkeit.
Das Vorgehen ist dann:
- direkt synchron in der Videokonferenz mitschreiben
- Mitschrieb sichern
- ins Wiki übertragen.
Fazit
Das war eine schnelle Darstellung und unbedingte Empfehlung gerade in kleineren Projekten eine Wiki-Nutzung in Erwägung zu ziehen. Diese Empfehlung bedeutet nicht, dass es nicht auch viel neue und spannende Tools gibt, mit denen es sich zu experimentieren lohnt. Wenn wir aber eine realistische Umsetzungsperspektive für digital-mündige Technologienutzung haben wollen, dann braucht es aus meiner Sicht zugleich noch viel mehr solcher Möglichkeiten, die eben ganz niederschwellig auch ‚ganz normalen‘ Menschen, ohne Infrastruktur einer größeren Organisation und ohne große Zeitkapazitäten für Sicherungen und Serverkonfiguration möglich ist. Ein Wiki auf Basis der DokuWiki Software ist dazu aus meiner Sicht eine sehr gute Möglichkeit!
Aus all diesen Gründen kann ich dir das Ausprobieren sehr empfehlen. Schreibe mich gerne an, falls du Fragen dazu hast oder Unterstützung benötigst.
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