Praxisübung zur Entwicklung von Zukunftsdenken

Ein junges Mädchen und eine ältere Frau arbeiten gemeinsam im Garten.

Im Rahmen der Inner Development Goals habe ich eine sehr schöne Übung kennen gelernt, die aus meiner Sicht gut dabei unterstützen kann, perspektivisches Denken, Imagination über gute Zukünfte und auch systemisches Denken und den Umgang mit Komplexität sowie Lernbereitschaft, Neugierde und Offenheit zu entwickeln. Also ziemlich viele Aspekte, die für zukunftsgestaltende Bildung ganz entscheidend sind!

Die Übung eignet sich sehr gut, um sie z.B. zum Einstieg in Lernangeboten zu verwenden oder auch um sie im Rahmen eines Impulses mit den Zuhörenden direkt in wenigen Minuten auszuprobieren. Ganz genau so kann man sie natürlich auch als individuelle Übung verwenden.

Anleitung

Schlage den Beteiligten vor, kurz die Augen zu schließen, falls das für sie angenehmer ist.

Lade sie dann dazu ein, sich die jüngste Person aus ihrem Umfeld in Erinnerung zu rufen, mit der sie eine tiefe Beziehung verbindet. Das kann das eigene Kind oder ein Enkelkind sein, ein Neffe oder eine Nichte oder auch Kinder von Freunden oder Bekannten. Lass die Beteiligten sich kurz in Erinnerung rufen, wie sie diese junge Person erleben und was sie an ihr mögen.

Im nächsten Schritt sprichst du die Einladung an die Beteiligten aus, sich an die älteste Person aus ihrem Umfeld zu erinnern, mit der sie auch eine tiefe Beziehung verbindet. Der Großvater oder die Großmutter, ein Elternteil, Bekannte oder auch Lehrer*innen oder Mentor*innen. Auch hier lade dazu ein, sich diese Person möglichst konkret vorzustellen und zu vergegenwärtigen, was sie an ihr schätzen.

Mit diesen Vorstellungen im Kopf beginnt man dann im nächsten Schritt in die Zeit zu reisen: Als erstes lädst du dazu ein, sich die Welt vorzustellen, wie sie war, als die älteste Person, die man sich in Erinnerung gerufen hat, so alt war, wie es heute die jüngste Person ist, die man sich in Erinnerung gerufen hat: Wie hat sie wahrscheinlich gelebt? Was war gut? Wie sah die Welt aus? Vor welchen Herausforderungen stand sie?

Nach dieser imaginären Reise in die Vergangenheit folgt die Reise in die Zukunft. Du lädst dazu ein, sich vorzustellen, wie die Welt sein könnte, wenn die imaginierte jüngste Person so alt ist, wie die älteste Person heute: Wie könnte die Welt dann aussehen? Wie könnte diese Person dann leben? Was würdest du dir für sie wünschen?

Lasse kurz Zeit für die Imagination. Dann können die Augen wieder geöffnet und gedanklich wieder ins Hier und Jetzt zurückgekommen werden.

An diese Übung können sich Zukunftsentwicklungs-Workshops anschließen oder auch nur ein kurzes Blitzlicht, was alle daraus für sich mitnehmen. Oder man lässt die Übung einfach für sich stehen.

Variationen im Bildungskontext

Im Bildungskontext kann ich mir sehr gut zwei Anpassungen und Variationen vorstellen:

  1. Wenn man es, wie z.B. in der Schule, mit einer Gruppe junger Menschen zu tun hat, dann können die Beteiligten anstelle der Imagination einer jungen Person auch sich selbst für die Gedankenreise verwendet werden. Mit der Reise in die Zukunft wird das dann eine Auseinandersetzung mit dem zukünftigen Ich.
  2. Anstatt sich die Welt, das Leben und die Herausforderungen in der Vergangenheit und Zukunft allgemein zu imaginieren, kann natürlich auch ein Fokus darauf gelegt werden, was die Person jeweils wie gelernt hat bzw. wie sie lernen und sich entwickeln wird.

Fazit

Ich fand die Übung für mich selbst und beim ersten Ausprobieren mit Kolleg*innen sehr spannend. Vielleicht hast du ja Lust, sie für dich und/ oder in deiner pädagogischen Tätigkeit auszuprobieren. Ich wünsche dir viel Freude dabei!

Ein junges Mädchen und eine ältere Frau arbeiten gemeinsam im Garten.
Das Beitragsbild stammt von lummi.ai

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