7 exemplarische Online-Bildungsressourcen aus dem offenen Netz

Dieser Blogbeitrag enthält eine erste, kurze Liste von webbasierten Experimenten und Simulationen aus dem offenen Netz. Exemplarisch habe ich jeweils angemerkt, wie und warum diese Webseiten fürs Lehren und Lernen genutzt werden könnten. Ich möchte damit den Blick weiten, wie in Zeiten des digitalen Wandels 'Bildungsinhalte' gestaltet sein können und wie sie Bildung verändern können - hin zur Gestaltung von offenen, selbsterkundenden, explorativen Lernprozessen. Die Liste ist damit zum einen für Menschen gedacht, die Lernprozesse gestalten und dabei ganz praktisch die vorgestellten Webseiten nutzen können. Der Einsatz ist unkompliziert, da nichts installiert/ keine Anmeldung vorgenommen werden muss. Zum anderen soll die Liste als Inspiration für Menschen dienen, die Bildungsinhalte gestalten.

1. Spontanes Sprechen & kreatives Schreiben mit Zufalls-Clips

Auf Astronaut.io wird eine Reise ins unbekannte/ unerforschte Youtube-Universum unternommen. Zusammengeschnitten werden weitgehend unbearbeitete und bislang so gut wie nie angesehene Clips, die in der letzten Woche auf Youtube hochgeladen und veröffentlicht wurden. Genutzt werden kann die Sammlung, um freies Sprechen/ kreatives Schreiben zu üben (in der Muttersprache oder auch in einer Fremdsprache). Ebenso kann mit dem Ansehen der Clips eine Diskussion über Mediennutzung & Darstellungsformen im virtuellen Raum begonnen werden. Fragen zur Reflexion dazu könnten sein: Was ist die Geschichte hinter den Clips? Warum wollte jemand sie online stellen? Wie stelle ich mich im Netz dar/ möchte ich mich darstellen?

2. Perspektive wechseln / eigenes Weltbild hinterfragen

Auf der Website Four Globes werden vier Weltkugeln im Andy Warhol Stil präsentiert, die sich beliebig drehen und ansehen lassen und die jeweils eine andere Betrachtung auf die Welt erlauben. In ähnlicher Weise lässt sich auch die Website True Size nutzen. Bei letzterer kann ein Land ausgewählt werden und dann hin- und hergezogen werden, um die Größe im Verhältnis zu anderen Ländern/ Kontinenten darzustellen. Beispiel: Wie klein ist Grönland tatsächlich, wenn man es mi Afrika vergleicht, obwohl es auf der Weltkarte immer ganz anders erscheint? Die Webseiten können direkt von Schülerinnen und Schülern erkundet werden. Mögliche Reflexionsfragen sind: Wo ist Deutschland/ wo ist Europa? Welche Darstellung irritiert mich - warum? Warum und vom wem werden Weltkarten wie dargestellt?

3. Länder der Erde entdecken, Vernetzung begreifbar machen

Auf der Website Airportcod.es befindet sich eine alphabetische Liste von Flughafenkürzeln. Erklärt ist jeweils, welcher Flughafen sich dahinter verbirgt, in welchem Land der Erde er ist und wie es zu dem Kürzel kam. Außerdem ist jeweils ein Bild ergänzt. Die Sammlung eignet sich als Basis für Aufgaben zur geographischen Orientierung und zum selbstständigen Erkunden: Wo auf der Weltkarte befindet sich der Flughafen? Zugleich kann die Liste den Anstoß geben für eigene Ideen für alphabetische Sammlungen und Darstellungen sowie die dazu gehörigen Recherchen.

4. Vertonte Kollaboration

Die Wikipedia gehört unbestritten zu den erfolgreichsten Kollaborationsprojekten der letzten Jahren. Um anschaulich zu zeigen, wie Kollaboration hier funktioniert, kann die Website Listen to Wikipeda angesehen werden. Sie 'vertont' Wikipedia-Einträge und -Änderungen, die aktuell vorgenommen werden: für jeden Eintrag erklingt ein Ton. Auf Wunsch kann man die Vertonung auf eine bestimmte Sprache begrenzen, z.B. also nur die deutschsprachige Wikipedia auswählen. Der neue/ editierte Artikel wird jeweils als Link angezeigt. Auf diese Weise egnet sich die Seite sowohl für eine Zufalls-Themen-Auswahl als auch allgemein zur Einführung in das Projekt Wikipedia bzw. kollaboratives Arbeiten.

5. Die Geschichte der Welt (bzw. die Entfernungen im Weltall) zum Scrollen

Mit der Technik des Scrollens lassen sich Zeiten und Entfernungen virtuell erlebbar machen. Umgesetzt wird dies beispielsweise auf der Website Timeline of Earth. Hier startet man beim Urknall und erlebt dann, wie lange es braucht bis erstes Leben entsteht bzw. wie kurz es erst die Menschheit gibt. In ganz ähnlicher Art und Weise lassen sich Entfernungen innerhalb unseres Sonnensystems erfahrbar machen. Bei der interaktiven Simulation 1Pixel Moon wird der Mond mit einem Pixel dargestellt - und in dieser Größenordnung erlebbar gemacht, welche Entfernung man durchs Weltall z.B. von der Sonne zur Erde zuücklegen müsste. Beide (und viele weitere ähnliche) Simulationen lassen sich nutzen für eine eigenständige Exploration. Anschließen könnte sich die Frage, auf welche andere Arten und Weise man die Entfernungen/ Zeiten begreifbar machen kann.

6. Bilder in Bewegung

Digitale Technik schafft die Möglichkeit, um Bilder in Bewegung zu bringen. Umgesetzt wird dies unter anderem auf der Website Sandspiel. Hier lässt sich Farbe bzw. Elemente in unterschiedlichen Formen und mit unterschiedlichen Eigenschaften zum 'Malen' nutzen. Sand fließt, manches kleckst, 'Wind' bringt alles durcheinander etc. Eine weitere Gestaltungsform ist PXCA - eine Online-Umsetzung der Technik der zellularen Automaten. Es handelt sich dabei um eine Darstellungsform von dynamischen Systemen, die von einzelnen Zellen ausgehen. Praktisch wird dies auf der Website u.a. mit einer Simulation der Elemente Erde, Wasser, Feuer, Pflanzen umgesetzt. Die Elemente können beliebig 'aufgemalt' und die entstehenden Prozesse beobachtet werden. Beide Websites sind toll zum Experimentieren und Ausprobieren.

7. Daten der Welt auf einen Klick

Auf der Webseite Population Pyramid findet sich nicht nur eine Bevölkerungspyramide, sondern zahlreiche weitere Diagramme und Grafiken z.B. zu globalen Migrationsströmen, CO2-Verbrauch und vielem mehr. Geändert werden können die Darstellungen durch Länderauswahl und/ oder Auswahl eines bestimmten Zeitraums. Auf diese Weise eignet sich das Angebot als eine gute Quelle für Daten z.B. im Rahmen des forschenden Lernens. Noch eine weitere Ebene zur Visualisierung hinzu kommt beim Projekt der Gapminder-Tools. Hier lassen sich bestimmte Fragestellungen z.B. Lebenserwartung und Einkommen miteinander in Bezug setzen - und gleichzeitig geographisch und im Zeitverlauf visualisieren.